Sonnabend, 29. Juli 2006

Zwei Demonstrationen an einem Tag, kurz nacheinander. Die Fuck-Parade mit einigen Hundert Teilnehmern, die Libanon-Demo mit 3.000 Teilnehmern. Jede Demonstration macht die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden so lange wie möglich dicht.
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Über die Fuck-Parade ärgert sich der Fahrer des Stadtrundfahrtbusses und versucht, sich einfach durchzuquetschen wie eben schon ein Bus vor ihm. Da kommt ein Polizist des Anti-Konflikt-Teams auf ihn zu und bremst den Bus aus. Streß vermeiden, einfach laufen lassen. Die Touristen auf dem Deck des Busses holen ihre DigiCams und filmen. So was gibt es ja zu Hause nicht. Oben links sieht der Sohn von Wilhelm Tell zu.
Entlang der Demoroute hat die Fuck-Parade folgende Inhalte: Gegen hohe Mieten; der Bunker Reinhardstraße wurde als Club geschlossen, jetzt mit Penthouse privatisiert; für die Böll-Stiftung wird Grünfläche in Bauland umgewandelt; der Tränenpalast wurde geschlossen; das Hotel Unter den Linden für einen Großinvestor abgerissen , der letzte Park verschwindet; die konservative Springerpresse polarisiert und serviert dem Leser ein Horrorszenario einer vermeintlich nur auf Party und Drogenkonsum fixierten Jugend; die Bundesdruckerei in Kreuzberg druckt die biometrischen Pässe, Überwachung und Sicherheitswahn; Bethanien ist noch von den aus der Yorkstraße 59 vertriebenen Bewohnern besetzt; potentielle Räume der Subkultur verschwinden, Hausbesetzerszene und unkommerzielle Projekte wie der Kinderbauernhof. Es gab einen schönen heimatkundlichen Flyer mit ausführlicher Beschreibung der langen Marschroute.
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Wenig später folgt eine Libanon-Demonstration. Die Demo gliederte sich in mehrere Blöcke, je nach Gesinnung und Parteiorganisation. In diesem Teil gab es einen Demo-Choreographen, der rechts über dem Kopf des Mannes im Vordergrund auf den Schultern eines anderen sitzt und die Parolen vorsagt, die von den anderen gerufen werden. Die Parolen waren: Frauenmörder Israel; Kindermörder Israel; deutsche Waffen, deutsches Geld; USA Rassisten, USA Faschisten; Tod Israel; Hisbollah bis zum Sieg; Hisbollah Kadamon (oder so ähnlich).
Im Hintergrund steht der Bohrturm für das neue Gebäude an dieser Kreuzung. Hoffentlich hält ihn niemand für eine Raketenabschußrampe.

 

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