Sonnabend, 27. September 2003

Schicksale. Eine junge Amerikanerin stöbert im Laden rum, hält sich lange an den DDR-Bücher auf und fragt auf deutsch, ob wir was über DDR-Postkarten haben. Da gibt es ein prima Buch: Bild der Heimat (24,90 €) so grausam häßlich, daß einem die Haare zu Berge stehen. Die schönsten Speisesäle in Betriebserholungsheimen. Genau das richtige für sie. Louis ist nämlich Professorin für Design, sieht aber aus, als hätte sie eben das Abi geschafft. Wieso sie deutsch spricht? Ihr Vater war Deutscher. Wann in die USA gekommen? 1940. Da kann er kaum Jude gewesen sein, oder? Doch. Oh, dann muß er über Lissabon gekommen sein. – Genau . Da gibt es einen Roman: Die Nacht von Lissabon, Remarque, führen wir zwar nicht, aber da geht es um das Schicksal derer, die mit dem letzten Schiff Europa verlassen konnten. Und das passiert uns so oft, alte Juden aus den USA, deren Kinder oder auch Juden, die aus Israel kommen, zum ersten Mal. Für einige von Ihnen sind wir die ersten Ansprechpartner.

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