Sonnabend, 17. Dezember 2005

image
Gespenstisch wirkt dieses Bild Unter den Linden heute am Nachmittag. Gespenstisch ist auch die Lage. Samsung, Korea, schließt die Bildröhrenproduktion in Oberschöneweide. 750 Arbeitslose mehr. Die Fabrik wurde 1916/17 im Auftrag von Emil Rathenau gebaut, und bis 1933 stellte die AEG Lastkraftwagen her, NAG Klingenbergwagen. Seit 1938 baute die AEG Röhren, erst für Radargeräte, später für Radios. Bildröhren wurden vom Werk für Fernsehelektronik, WF, seit 1970 gebaut und zum Beispiel im ITT-Werk in Bochum eingebaut. Seit 1983 wurden Farbbildröhren in Lizenz für Toshiba gebaut, 1992 kaufte Samsung das WF, im September 2005 beschlossen die Koreaner die Schließung.
Links auf dem Foto erkennt man die Fahne von JVC. JVC übernahm Telefunken in Reinickendorf im Jahr 1982. Telefunken wurde 1903 gegründet, als AEG und Siemens sich um Patente stritten und der technikbegeisterte Kaiser Wilhelm II. schlichte, indem er eine gemeinsame Firmengründung nahe legte, in beider Patente einflossen. JVC stellte Videorekorder her, aber dann auch DVD-Rekorder und digitale Camcorder. In Spitzenzeiten arbeiteten bei JVC 1200 Menschen, jetzt 235, davon sollen 225 entlassen werden.
Rechts auf dem Bild und in der Mitte erkennt man rote Fahnen, die Fahnen von Orenstein & Koppel, wo in Spandau Bagger hergestellt werden. Im November wurde verkündet, daß die Fertigung von Baumaschinen eingestellt wird, 500 von 590 Arbeitsplätzen fallen weg. Orenstein & Koppel wurde 1876 in Berlin Schlachtensee gegründet. 1930 waren es weltweit 30 000 Mitarbeiter. Seit 2005 heißt die Firma CNH. CNH ist eine Tochter von FIAT. Da, wo diese Demonstration sich im Moment der Aufnahme befindet, wird rechts gerade ein italienisches Außenhandelszentrum gebaut, in dem sich ab nächstem Sommer die Wirtschaft Italiens auf drei Stockwerken repräsentativ präsentieren wird. Links von der Demo hört man aus den Lautsprechern des Automobilforums von VW in diesem Moment eine Sängerin live, die unten in der Veranstaltungshalle singt: „Last Christmas …“. Was Wirtschaftssenator Harald Wolf von der Linksparte und der Regierende Bürgermeister in diesem Moment unternehmen, verschließt sich unserer Kenntnis. Die Morgenpost titelt dazu: Berlins Wirtschaft kränkelt. Senat und Bezirke schauen hilflos zu. Ende November waren 294 0000 Berliner als Arbeitslos registriert, die Quote lag bei 17,8 Prozent.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar