Sonnabend, 14. Februar 2009

Berlin Story Salon, Hermann Poelking, Sven Felix Kellerhoff, Dr. Rolf Hosfeld
Hermann Pölking, Sven Felix Kellerhoff und Dr. Rolf Hosfeld im Berlin Story Salon während der Gesprächsrunde über den 18-Stunden-Geschichtsfilm Die Deutschen.
Das zweitwichtigste Filmereignis in Berlin an diesem Abends nach der Verleihung des Goldenen Bären, führt Sven Felix Kellerhoff ein.
85 Prozent der Aufnahmen hat man noch nirgends gesehen. Warum? Die Redakteure der Fernsehanstalten seien ein bisschen weniger fleißig, weniger neugierig und weniger intensiv beim Erforschen neuer Quellen. Das Buch von Hosfeld gibt den Rahmen der Geschichte wieder. Die Bilder von Pölking zeigen Deutschland vom Rand her, nicht von den Metropolen, das wäre viel einfacher. Grundlage sind 35 Regionalchroniken, die Pölking in vielen Jahren gemacht hat. Die Konstruktion der Filme, vor allem aber die Wege zu den Quellen waren ihm dadurch bekannt. Aus den Quellen arbeiten! Die Grundlage der Geschichtsforschung beherzigt Pölking mit den insgesamt 1022 Szenen, die wiederum aus vielen einzelnen Schnitten und Materialquellen stammen. Quellen, Quellen, Quellen!
Friesland, Emden, das Emsland. Pölking wirft eine Netzstruktur über die Region und spricht Religionsgemeinschaften, Unternehmen, Schulen und vor allem Familien ehemaliger Inhaber von Lichtspielhäusern an. Denn oft haben Kinobesitzer gedreht oder drehen lassen, um einen regionalen Vorfilm laufen zu lassen. Aufrufe in Tageszeitungen führten auch häufig zu unergründeten Quellen. Daraus folgten lange Gespräch mit alten Menschen, die ihre Lebensgeschichte erzählten, bevor die Filmrolle (nicht unbedingt beim ersten Mal) zum Vorschein kam. Pölking hat das Material nutzbar gemacht und die Filme den Quelleninhabern auf DVD zur Verfügung gestellt. Die 80-jährige Tochter eines Kolonialwarenhändlers aus Oldenburg hatte einen noch unbelichteten Film, den ihr Vater in Auftrag gegeben hatte – kurz danach war er pleite. Das sind zwei Minuten Material, unter hohem Aufwand und mit großen Kosten erschlossen, ohne staatliche Subventionen.
Oder das Originalmaterial zum Mauerfall, als der Bundestag eine Novellierung des Vereinsgesetzes diskutierte und verabschiedete. Auf die kurze Nachricht vom Fall der Mauer kam es zu historisch gesehen völlig nichtssagenden, unangemessenen Reaktionen der Fraktionen. Erst etwas später begann die CSU Fraktion die Nationalhymne zu singen und allmählich quälte sich auch das Präsidium aus den Sesseln. Nur kurz, dann ging es mit dem Vereinsgesetz weiter. Aus dem Alltag, aus den Quellen hat Pölking Geschichte entwickelt. So kann er sicher darlegen, daß der Bundestag auf den Fall der Mauer in keiner Weise vorbereitet war.

rbb Miriam Keuter
Miriam Keuter (rechts) von Radio Berlin des rbb führt ein Interview mit Silvia Knüver.

Neues Schaufenster mit noch mehr Berlin
Ein neu dekoriertes Schaufenster mit noch mehr Berlin und einem Bildschirm, auf dem unser Salonprogramm angekündigt wird.

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