Skandal, Provokation, Tabu brechen — alles Unsinn

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Ich habe wieder ein Interview mit einer Journalistin abgebrochen, spanisches Fernsehen, Boulevardsender, grässlich. Nach 90 Minuten Führung durch die apokalyptischen Tage im Bunker und das Ende des Nationalsozialismus, des Zweitens Weltkriegs, des ungeheuren Leidens kommen nur Frage, die ahnen lassen, was sie daraus machen will. Tabu brechen? Wie die Veröffentlichung von „Mein Kampf“? Jetzt auch noch ein Hitler-Zimmer? Wollen Sie einen Skandal provozieren?

 

Manchmal sind journalistische Fragen provokant formuliert, damit man deutlich darauf antworten kann. Das ist ok.

 

Hier dachte ich, was für eine Tussi, wer missverstehen will, versteht es eben falsch. Hitler-Schreibtisch im DHM? Hatte sie natürlich noch nie davon gehört.

 

97 Prozent der mehr als 100 Journalisten waren super ok. Es gab überhaupt nur einen einzigen (staatlich besoldeten) Meckerfritzen, der allerdings weder Führung noch Ausstellung kennt.

 

So, jetzt zu den positiven Seiten. Die nationale und internationale Berichterstattung ist so überwältigend, dass wir Besucher aus England, den Niederlanden, Dänemark , Frankreich und Italien haben, die in ihren Medien von der Ausstellung gelesen, gehört oder sie gesehen haben und deswegen kommen. Wir könne den Besucheransturm nicht bewältigen und brauchen noch einige Tage, um das auf die Reihe zu kriegen.

 

Und jetzt das Interessante: Diese Besucher interessiert das Hitler-Zimmer nicht so besonders. Wie BILD es nach dem Besuch mehrerer Führungen feststellte, ist es tatsächlich so, dass es nicht im Mittelpunkt steht. Die Besucher sehen diesen Nachbau als visualisierende, interessante Hilfe beim Verstehen. So endete der Gröfaz.

 

Gröfaz?

 

Als die Wehrmacht Frankreich in nur wenigen Wochen besiegte, kam der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, am 17. Juni 1940 zu Hitler. „Mein Führer, Sie sind der größte Feldherr aller Zeiten.“ Daraus machte die Berliner Kodderschnauze den Gröfaz. Fünf Jahre später gab sich der Gröfaz im Bunker die Kugel, in genau diesem nachgebauten Bunkerraum, und verzichtete darauf, die Verantwortung für Millionen von Toten im größten Krieg der Weltgeschichte zu tragen.

 

Keitel war übrigens derjenige, der die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reichs erklärte, zu sehen in einem nachgebauten Saal im deutsch-russischen Museum in Karlshorst.