Sexuelle Belästigung im Bunker?

Die gucken mich an, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank oder lachen sogar über mich – so wie man über einen etwas verstörten älteren Herren lächelt. Sexuelle Anmache? Hier bei uns? Wer denn?

Aus relativ aktuellem Anlass wollte ich, nein bin ich meiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachgekommen und habe jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter – kann ja auch sein – einzeln befragt, ob es blöde Anmache, sexuelle Bemerkungen oder gar Übergriffe gibt. Ob möglicherweise unangenehmes oder unangemessenes Verhalten vorkomme. Und wenn es nicht andere Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen waren, sondern ich selbst? Dann bitte das Gespräch mit jemand anderem aus der Leitungsebene suchen.

Ich habe das alles so schön erläutert, aber bei jedem einzelnen Gespräch stieß ich auf Verwunderung, Lachen (nicht hilflos, sondern verständnislos) und selbstbewusstes Auftreten, dass so was doch gar nicht in Frage komme. „Noch nie gemobbt, immer Hilfe von allen Seiten.“ – “ Keine einzige schlechte Erfahrung.“ – „Ich kann mich doch wehren.“ – „Wie man sich das gefallen lassen kann, verstehe ich nicht.“

Viele der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben schon eine Menge Jobs gemacht, kommerziell und ehrenamtlich. Sie kennen sich aus in den Beziehungen von Kollegen untereinander. Deswegen freute mich besonders, dass es ungefragt mehrmals zu der Bemerkung kam, dass das Arbeitsklima bei uns besonders gut ist. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen ein hohes Maß an Verantwortung, arbeiten im Service Hand in Hand, müssen sich sehr flexibel und schnell austauschen, eigene Entscheidungen treffen. „Wir wissen sehr viel mehr von uns untereinander, privat und Studium, als ich es aus anderen Job kenne, weil hier viel  und gut kommuniziert wird.“