Praktische Probleme bei neuen Vertriebsmodellen

Das Thema Urheberrecht geht wieder durch die Medien, seitdem Julia Schramm (Beisitzerin im Bundesvorstand der Piratenpartei) ein Buch bei Knaus (Random House, Bertelsmann) veröffentlicht hat. Da wir uns schon oft mit neuen Vertriebsmodellen beschäftigt haben, durften wir diese in den vergangenen Tagen immer wieder den Medien erklären.

Ein häufiger Punkt ist, warum man Bücher oder eBooks überhaupt verkauft und nicht verschenkt. Das habe ich im Artikel „Warum eBooks nicht kostenlos sind“ erklärt. Aber gerade bei Büchern, die sich kommerziell nicht mehr verwerten lassen, könnte man darüber nachdenken. Da kommt aber eine Reihe von Problemen.

Zunächst müssen alle Rechteinhaber zustimmen. Also alle Autoren, Fotografen und gegebenenfalls Bildarchive. Spätestens bei Fotos, die von Bildarchiven kommen, ist es meist vorbei. Diese verdienen ihr Geld damit, Bilder zu verwerten. Diese dann kostenlos herauszugeben ist gegen die Grundidee des Unternehmens. Und der Werbeeffekt für sie dürfte minimal sei, da kaum ein Leser mitbekommt, dass sie die Bilder kostenfrei stellen. Zum anderen würde ein durchschnittlicher Leser daraufhin kaum Bilder bei ihnen lizenzieren. Das Kann man bedingt umgehen, in dem man die Bilder, welche auf ePaper eh nicht besonders wirken, weg lässt. Da kommen wir zum nächsten Problem.
Wenn man Bilder weg lässt, muss man die Bücher neu setzen. Das ist kein Hexenwerk, aber es kostet einfach Arbeitszeit, die man bezahlen muss. Dazu kommt, dass etliche der älteren Bücher noch in Quark Xpress gesetzt sind, die neuen in InDesign und man die alten erst konvertieren oder neu setzen muss. Auch kann man ein eBook nicht einfach aus den Programmen exportieren. Theoretisch schon, aber sie sehen nicht überzeugend aus. Also muss man sie nachbearbeiten. Alles in allem braucht man bestenfalls einen Personentag Arbeitszeit, eher mehr.

Das wäre alles ok, wenn man einen großen Werbeeffekt dadurch erzielen kann. Aber viele Bücher im Verlag sind sehr speziell. Ich kann mir nicht vorstellen, dass z.B. ein kostenloses eBook von „Berlin, Potsdam, Brandenburg 1775“ bei den kostenlosen eBook Lesern ein großer Erfolg wird. Und wirtschaftlich müssen wir nun mal arbeiten.

Bei kleinen Verlagen wie uns ist die Arbeitszeit ein sehr limitiertes Gut, und entgegen der Meinung Einiger haben wir keinen Überschuss an Goldbarren im Keller. Somit werden solche Projekte derzeit noch weit zurück gestellt. Dennoch befassen wir uns weiterhin mit all diesen Modellen und versuchen mit Blogbeiträgen wie diesem zu erklären, warum es in der Praxis einfach komplizierter ist, eBooks kostenlos zu veröffentlichen, als man immer wieder meint.

 

Follow us on facebook.com/BerlinStoryVerlag

2 Kommentare
  1. Nicolai v. N.
    Nicolai v. N. says:

    InDesign und Quark Xpress sind sehr verbreitet, aber haben meiner Meinung nach einen (verständlichen) Fehler.
    Sie lassen optische, nicht logikorientierte, Strukturierungen zu. Das verleitet zu (druckneutralen) Pfuschereien und die machen die Konvertierung so schwierig.
    Oder liege ich da falsch? Wie sind denn eure Erfahrungen? Sind es nicht vor allem alte unsaubere Lösungen, die jetzt den Ärger mit der Konversion machen?
    Ich lese eure Blogeinträge zu diesem Thema mit großen Interesse, wie wäre es, wenn ihr mal euren typischen Workflow darstellt. Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Verbesserungsvorschlag?

  2. enno
    enno says:

    Hallo,

    sorry, hatte den Kommentar total übersehen. Wir hatten schlichtweg kein Quark mehr, mussten erst ein aktuelles kaufen. Beim Import der alten Daten wurde wohl nicht alles dargestellt wie es sein sollte. Ich werde mal die Leute vom Satz fragen was genau die Probleme waren.
    Gruß, Enno Lenze

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar