Paul Spies über das Humboldtforum und das Stadtmuseum — Manfred Rettig: Schloss 1950 zerstört wie Weltkulturerbe vom IS heute

Stadtmuseum Humboldtforum Paul Spies
Spies, Paul, im GesprächPaul Spies (rechts, helle Jacke) stellt im Gespräch mit dem Chef der Schlossstiftung, Manfred Rettig und unter der Moderation von Harald Asel, rbb, seine Ideen vor, soweit das bisher geht.

 

Die Sendung dazu ist am Sonntag, dem 6. Dezember 2015 um 11.05 und 20.05 Uhr zu hören und dann auf inforadio.de ein Jahr lang.

 

Etwa 300 Besucher kamen zu dieser Veranstaltung in das Staatsratsgebäude heute ESMT European School  of Management and Technology -mit Blick auf das Schloss. Auf der Bühne drei Männer ohne Titel, ohne Prof., ohne Dr., einfach alles Macher.

 

Harald Asel begrüßt im Publikum Franco Stella, den Architekten des Schlosses.

 

Paul Spies sagt, in den Jahrzehnten nach dem Fall der Mauer sei in Berlin eine Atmosphäre entstanden, die wunderbaren Entwicklungsraum bietet – und die ganze Welt wolle mitmachen. Berlin hat die Chance, dass es klappt.

 

„Wir brauchen einen Masterplan für die Gesamtentwicklung des Humboldtforums, wie wir mit den anderen Bewohnern zusammenarbeiten, vor allem aber, wie wir uns der Welt präsentieren. Was hat Relevanz? Wenn die Besucher nach Südafrika, Südamerika oder Asien zurückkehren, sollten wir vermittelt haben, was Weltbürgerschaft bedeutet – am positiven Beispiel Berlins. Berlin ist nicht nur Berlin für die Berliner, sondern für die Welt.“

 

Vier Jahre Produktionszeit stehen zur Verfügung. Sonst habe er immer nur ein Jahr gehabt. Das Märkische Museum sei eines der schönsten Sammelstücke Berlins. Es sei zu voll.

 

In Berlin werde schon viel gezeigt zur eigenen Geschichte, in den Gedenkstätten, im DDR-Museum, im Bunker — das Humboldtforum müsse etwas anders bieten.

 

Manfred Rettig, Chef der Schloss-Stiftung, betont die Vielfältigkeit des Humboldtforums. Da gehe man nicht hin, um sich das Gebäude mal anzusehen, da sei immer etwas los. Das Veranstaltungshaus dieser Dimension und dieser Lage biete Berlin eine neue Chance – das werde von der Welt beobachtet.

 

Er schlägt Themenjahre vor – wie sie in Berlin in anderen Bereichern erfolgreich waren und immer viele Initiativen mobilisiert haben. Wenn der Bauherr, der Regierende Bürgermeister, Änderungen haben wolle, also aus der vorgesehenen Bibliothek die Ausstellungsfläche für Berlin mache, gäbe es mit ihm keine baulichen Änderungen, auch keine andere Klimaanlage. Dann hätten wir einen neuen BBI.

 

Und dann kommt der Moment, als ein Raunen durch den Saal geht und Nikolaus Bernau von der Berliner Zeitung aufhorcht und seine Schlagzeile sieht: Rettig erinnert an die Zerstörung der Kulturgüter durch die Taliban, jetzt durch den IS. Ein Aufschrei gehe durch die Welt, weil das Weltkulturerbe zerstört wird.

„Wir hatten das hier auch. In unserer eigenen Geschichte. Hier direkt gegenüber wurde 1950 das Schloss gesprengt.“

Zur Erklärung: das Schloss wurde nicht aufgrund des baulichen Zustands gesprengt. Es war durch die Bomben weniger zerstört als Schloss Charlottenburg. Nach dem Krieg fanden noch Veranstaltungen im Schloss statt. Das Schloss wurde als Symbol Preußens in die Luft gejagt. Das ergibt sich aus den Akten über die Entscheidungen damals in der DDR eindeutig.

 

Harald Asel fragt, ob sich das Stadtmuseum nicht auch in die Diskussion über die Entwicklung Berlins einschalten oder sie moderieren soll. Spieß: Das Stadtmuseum muss ein Forum sein. Die Ausstellung „Verlorene Mitte“ war ein gutes Beispiel. Da werde man mit Sicherheit weiter machen. Im ersten Beitrag aus dem Publikum meint ein Mann (nicht ich!), Berlin stehe für Freiheitswille, für die Freiheit der Bürger. Das wäre ein gutes Oberthema für das Humboldtforum.

 

Paul Spies wird von den Besuchern auch nachher bei den Gesprächen im Foyer als Hoffnungsträger gesehen.

 

Am Morgen dieses Tages wurden in Paris die Terroristen erschossen oder festgenommen, die für die Anschläge verantwortlich sein sollen. Enno Lenze, Berlin Story, war zu der Zeit in unmittelbarer Nähe in Paris am Stade de France.