Dienstag, 16. September 2003

Mit schwerer Kamera beladen schleppt sich ein Mann durch Berlin. Zugegeben,
davon gibt es viele. Aber nur einen, Karl Heinz Kraemer, der den Sommer
hindurch für die Aktualisierung des Films "The Making of Berlin" dreht.
Heute kam er wieder einmal am Laden vorbei auf dem Weg zum Brandenburger
Tor. Im Winter werden wir den Film wieder aktualisieren, der ursprünglich
2002 entstanden ist.

Sonntag, 14. September 2003

Verdrängung. Das kennt man ja, passiert jedem Mal, da ist etwas einfach nicht mehr präsent aus irgendeinem Grund, den man, ginge man tiefer in
sich, auch ergründen könnte. Im neuen Verkaufshandbuch der Berlin Tourismus Marketing, in dem "Deutschlands bedeutenstes Reiseziel" der Tourismuswirtschaft vorgestellt wird, heißt es über Shopping in Mitte, Unter den Linden: "Neben einigen Botschaften finden sich auf diesem berühmten Berliner Boulevard auch Autofirmen, Juweliere und Boutiquen." Fehlt da nicht was? Wir würden echt sooo gerne in den Sales Guide.

Freitag, 12. September 2003

WIR HABEN DIE STARS. Als neulich Ströbele einige Poster holte, überschlugen sich die Kolleginnen mit Promi-Geschichten. "Ich habe Simon Rattle bedient. "Ich Nick Cave und vorher Gregor Gysi" – "Aber ich Bürger Lars Dietrich und vor längerem Dietrich Fischer-Dieskau". Katharina Thalbach, wer war für sie da? Und bitte nicht wieder die Geschichte mit dem Geschichtsbuch von Madonna und dem Schachspiel für Arnie. Das hatten wir doch schon. Genscher kommt auch. Nur einer hat uns lange nicht besucht: Joschka. Dafür waren aber vor ein paar Tagen wieder unsere Stammkunden aus aller Welt da, die deutschen Botschafter, die hier ihre Konferenz hatten.

Montag, 9. September 2003

"Görlitzer Bahnhof, Görlitzer Park – wir haben von dem Buch noch einige liegen, interessiert Sie das?" Mit großer Freude. Immer wieder werden uns von kleinen Verlagen oder Initiativen und Vereinen Bücher angeboten. Wir verkaufen die dann so preiswert wie möglich und wissen, daß wir viele Menschen damit glücklich machen. 144 Seite, Hardcover, Telefonbuchformat, sieht nach früher mindestens 29,80 DM aus. Ein tolles Buch über den unglaublichen Abriß des Bahnhofs, den Kampf von Initiativen gegen das wahnsinnige Vorhaben einer autogerechten Stadt, der Planung des schönen Parks. Mit 4,95 Euro ist das Buch fast geschenkt.

Donnerstag, 4. September 2003

Die Gewinnerin des August – Quiz weiß nun, dass die Berlin Story die Erfolgs- und Glücksgöttin Fortuna beherbergt, denn:

Auf der Suche nach dem "richtigen" beruflichen Weg spazierte ich Sonntags spontan in die Berlin Story. Die historische Fachliteratur sowie Menzels Flötenkonzert in Sanssouci aktualisierten das etwas verdrängte Studium der Geschichte und Grundschulpädagogik. Die kurze und prägnante Version der Berliner Geschichte von Herrn Wieland Giebel in "Making of Berlin" instpirierten und motivierten, die im Mai 2001 begonnene Examensarbeit über die Entstehung der Berliner Eisenbahnen zu Ende zu schreiben. Als Gewinnerin des August-Quiz erhalte ich nun Ihrerseits eine ermutigende Bestätigung.

Dankeschön Berlin Story!

Mit freundlichem Gruß
Karin Tietjen

Mittwoch, 3. September 2003

9783863680190Buchvorstellung „Mythos Führerbunker“ in der Landesvertretung des Saarlandes. Großer Bahnhof, 160 Gäste, davon 60 Journalisten auch vieler ausländischer Zeitungen. Über das Buch selbst berichtet die Verlags-Homepage.

Zum Fototermin auf dem Ort der Bunkerreste finden sich neben dem Autor Sven Felix Kellerhoff und dem Bunkerexperten Erhard Schreier Fernsehleute und internationale Presse ein. Da kommt ein älterer Herr mit einer Mülltüte vorbei: Günther Schabowski, der letzte Pressesprecher der DDR, der den Fall der Mauer in einer Pressekonferenz bekannt gab. Er möchte Sven Felix Kellerhoff kennenlernen, den er vom Telefon kennt. Vom Abriß des Bunkers, sagt Schabowski, der erst später hierher zog und eben seinen Haushalt machte, habe er nichts mitbekommen. Das sei so gar nicht im Bereich dessen gewesen, was ihn anging.

Dann hält ein Taxi und es kommt der Mann, der den Bunker als Letzter verlassen hat, Rochus Misch, Hitlers Telefonist. Später wird er am Rande der Buchvorstellung etwas aus den letzten Tagen des Bunkers erzählen. Daß er nicht an die Front mußte, weil der Waise aus dem Ersten Weltkrieg war, als einfacher Soldat und Telefoniker in den Bunker kam. Daß sie dort mehrere Tage auf den Schuß (Hitlers Selbstmord) gewartet haben. Viele jüngere Menschen und manche Journalisten wollen mehr von ihm hören.

Spannung entstand durch einen Pressefotographen, der sich nicht ausweisen konnte und wollte und versuchte, Erhard Schreier in die Ecke der Stasi zu drängen. Gut für Schreier, denn er konnte jetzt ausführlich berichten, wie er erst illegal, dann zumindest teilweise legalisiert mit hunderten von Zeichnungen und (illegal) über tausend Fotos den Abriß dokumentieren konnte. Rochus Misch wurde nur einmal angegriffen: „Ich respektiere Ihre grauen Haare und Ihr Alter, aber ich respektiere nicht die Arbeit die sie verrichtet haben. Ihnen muß doch bewusst gewesen sein – bei der Nähe – was da läuft.“ Misch (84) versteht das nicht genau und sagt später, er sei in den drei Jahren Haft in Moskau mehrmals ausgepeitscht worden, habe aber zum Holocaust nichts sagen können.

Sven Felix Kellerhoff hat nicht das Glück, daß ihn jemand so richtig attackiert.

Die Berlin Story war mit zehn Mitarbeiterinnen bei der Veranstaltung. Super Organisation, alles lief traumhaft gut. Buffet und Getränke bis zum Abwinken.

Sonntag, 30. August 2003

Hausaufgaben machen, das bedeutet, die Berichte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchlesen, die sie monatlich schreiben. Jeder nimmt an zwei Stadtführungen im Monat teil, berichtet darüber und erwartet einen kurzen Kommentar. Diesmal waren mehrere Mitarbeiter bis in den frühen Morgen hindurch auf der Langen Nacht der Museen. Die Teilnahme an Stadtführungen soll qualifizieren. Wir wollen Kunden gute Auskünfte geben können. Führungen gelten als Arbeitszeit und werden bezahlt.

Donnerstag, 21. August 2003

Daß alle zusammen sind, kommt nicht oft vor. Am 18. Dezember gehen wir zusammen ins Pomp Duck. Zusammen, das sind dann fast 20 Leute. Im vergangenen Jahr war es dort so gut, daß wir die neue Show sehen wollen. Pomp Duck & Circumstances ist so perfekt gemacht wie wir auch sein möchten.

Freitag, 15. August 2003

Ab und an geschieht es auch, dass uns unsere Kunden wohlwollend über uns äußern. Mitunter sogar schriftlich, wie das Beispiel von Herrn Dr. Ermel zeigt. Das freut uns natürlich sehr, denn es zeigt uns, dass wir mit unserer Firmenphilosophie auf dem rechten Weg sind.

Sehr geehrter Herr Giebel,

ich bin, als ich des montags mit einer Bagatelle in den Laden Unter den Linden 10 kam, überaus aufmerksam bedient worden, sodaß ich dieses Vergnügen gern für einen Augenblick in mir wachrufe, indem ich mich schreibend daran erinnere. Wenn die verstehende Zuwendung, die in ihren höheren Formen die eigentliche Anmut des Menschen ausmacht, sich hier zwanglos im Getümmel des Alltäglichen bewährt, dürfen wir darin etwas von der in Berlin häufig vermißten (doch um der Zukunft der Stadt willen sehr wünschenswert) kommerziellen Kultur sehen. Diese Anerkennung kommt Ihren Angestellten ohne Vorbehalt zu und möge als unbefangener Zuspruch mit der gleichen Unbefangenheit wahrgenommen werden.

Mit guten Wünschen
Horst Ermel

Donnerstag, 14. August 2003

Das Fernsehen ist diesmal im Laden, Radio Berlin-Brandenburg. Es geht um die U 5, die der Senat nicht weiterbauen will. Wieland Giebel ist dafür, weil der Bahnhof einer Großstadt einen U-Bahnanschluß braucht, weil viele Bahnhöfe fertig sind und nur das Stück zwischen Brandenburger Tor und Rotem Rathaus fehlt. Aber auch, weil Politiker nicht heute hü, morgen hott sagen können (sollten), schließlich weil der Bund überwiegend zahlt. Giebel verspricht sich vom U-Bahnbau auch, daß die Linden verkehrsberuhigt werden.
Sendung E WOCHENMARKT am 21. August um 20.15 Uhr.