Mittwoch, 3. September 2003

9783863680190Buchvorstellung „Mythos Führerbunker“ in der Landesvertretung des Saarlandes. Großer Bahnhof, 160 Gäste, davon 60 Journalisten auch vieler ausländischer Zeitungen. Über das Buch selbst berichtet die Verlags-Homepage.

Zum Fototermin auf dem Ort der Bunkerreste finden sich neben dem Autor Sven Felix Kellerhoff und dem Bunkerexperten Erhard Schreier Fernsehleute und internationale Presse ein. Da kommt ein älterer Herr mit einer Mülltüte vorbei: Günther Schabowski, der letzte Pressesprecher der DDR, der den Fall der Mauer in einer Pressekonferenz bekannt gab. Er möchte Sven Felix Kellerhoff kennenlernen, den er vom Telefon kennt. Vom Abriß des Bunkers, sagt Schabowski, der erst später hierher zog und eben seinen Haushalt machte, habe er nichts mitbekommen. Das sei so gar nicht im Bereich dessen gewesen, was ihn anging.

Dann hält ein Taxi und es kommt der Mann, der den Bunker als Letzter verlassen hat, Rochus Misch, Hitlers Telefonist. Später wird er am Rande der Buchvorstellung etwas aus den letzten Tagen des Bunkers erzählen. Daß er nicht an die Front mußte, weil der Waise aus dem Ersten Weltkrieg war, als einfacher Soldat und Telefoniker in den Bunker kam. Daß sie dort mehrere Tage auf den Schuß (Hitlers Selbstmord) gewartet haben. Viele jüngere Menschen und manche Journalisten wollen mehr von ihm hören.

Spannung entstand durch einen Pressefotographen, der sich nicht ausweisen konnte und wollte und versuchte, Erhard Schreier in die Ecke der Stasi zu drängen. Gut für Schreier, denn er konnte jetzt ausführlich berichten, wie er erst illegal, dann zumindest teilweise legalisiert mit hunderten von Zeichnungen und (illegal) über tausend Fotos den Abriß dokumentieren konnte. Rochus Misch wurde nur einmal angegriffen: „Ich respektiere Ihre grauen Haare und Ihr Alter, aber ich respektiere nicht die Arbeit die sie verrichtet haben. Ihnen muß doch bewusst gewesen sein – bei der Nähe – was da läuft.“ Misch (84) versteht das nicht genau und sagt später, er sei in den drei Jahren Haft in Moskau mehrmals ausgepeitscht worden, habe aber zum Holocaust nichts sagen können.

Sven Felix Kellerhoff hat nicht das Glück, daß ihn jemand so richtig attackiert.

Die Berlin Story war mit zehn Mitarbeiterinnen bei der Veranstaltung. Super Organisation, alles lief traumhaft gut. Buffet und Getränke bis zum Abwinken.

Sonntag, 30. August 2003

Hausaufgaben machen, das bedeutet, die Berichte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchlesen, die sie monatlich schreiben. Jeder nimmt an zwei Stadtführungen im Monat teil, berichtet darüber und erwartet einen kurzen Kommentar. Diesmal waren mehrere Mitarbeiter bis in den frühen Morgen hindurch auf der Langen Nacht der Museen. Die Teilnahme an Stadtführungen soll qualifizieren. Wir wollen Kunden gute Auskünfte geben können. Führungen gelten als Arbeitszeit und werden bezahlt.

Donnerstag, 21. August 2003

Daß alle zusammen sind, kommt nicht oft vor. Am 18. Dezember gehen wir zusammen ins Pomp Duck. Zusammen, das sind dann fast 20 Leute. Im vergangenen Jahr war es dort so gut, daß wir die neue Show sehen wollen. Pomp Duck & Circumstances ist so perfekt gemacht wie wir auch sein möchten.

Freitag, 15. August 2003

Ab und an geschieht es auch, dass uns unsere Kunden wohlwollend über uns äußern. Mitunter sogar schriftlich, wie das Beispiel von Herrn Dr. Ermel zeigt. Das freut uns natürlich sehr, denn es zeigt uns, dass wir mit unserer Firmenphilosophie auf dem rechten Weg sind.

Sehr geehrter Herr Giebel,

ich bin, als ich des montags mit einer Bagatelle in den Laden Unter den Linden 10 kam, überaus aufmerksam bedient worden, sodaß ich dieses Vergnügen gern für einen Augenblick in mir wachrufe, indem ich mich schreibend daran erinnere. Wenn die verstehende Zuwendung, die in ihren höheren Formen die eigentliche Anmut des Menschen ausmacht, sich hier zwanglos im Getümmel des Alltäglichen bewährt, dürfen wir darin etwas von der in Berlin häufig vermißten (doch um der Zukunft der Stadt willen sehr wünschenswert) kommerziellen Kultur sehen. Diese Anerkennung kommt Ihren Angestellten ohne Vorbehalt zu und möge als unbefangener Zuspruch mit der gleichen Unbefangenheit wahrgenommen werden.

Mit guten Wünschen
Horst Ermel

Donnerstag, 14. August 2003

Das Fernsehen ist diesmal im Laden, Radio Berlin-Brandenburg. Es geht um die U 5, die der Senat nicht weiterbauen will. Wieland Giebel ist dafür, weil der Bahnhof einer Großstadt einen U-Bahnanschluß braucht, weil viele Bahnhöfe fertig sind und nur das Stück zwischen Brandenburger Tor und Rotem Rathaus fehlt. Aber auch, weil Politiker nicht heute hü, morgen hott sagen können (sollten), schließlich weil der Bund überwiegend zahlt. Giebel verspricht sich vom U-Bahnbau auch, daß die Linden verkehrsberuhigt werden.
Sendung E WOCHENMARKT am 21. August um 20.15 Uhr.

Mittwoch, 13. August 2003

Deutsche Mädels schwitzen für den Führer. High noon. In der Charlottenstraße sind es 39 Grad, der heißeste Tag des heißen Jahres, da kommt das Buch "Mythos Führerbunker" aus der Druckerei. Mehrere Paletten. Über den Inhalt sind wir begeistert. Ist alles gut geworden. Aber gehört es eigentlich zur Buchhändlerinnenausbildung, tausende von Büchern zu schleppen? Das erste Opfer dieses Einsatzes , der "übermenschliche Kräfte erfordert" (Stonk, Kujaus-Hitlertagebücher), müssen wir mit dem Taxi nach Hause bringen. Gute Besserung.

Mehrere Zeitungen berichten heute am Jahrestag des Mauerbaus über die gestern bei uns vorgestellte Mauerkarte, siehe Pressestimmen.

Dienstag, 12. August 2003

Vor der Tür steht ein russisches Fernsehteam und guckt immer in den Laden. "Können wir Ihnen helfen?" – Die Russen wollen nicht stören. In der Berlin Story läuft zu dem Zeitpunkt eine Pressekonferenz mit Hagen "Ich-habe-die-Mauer-gebaut" Koch. Herr Koch stellt zusammen mit dem Verleger Dr. Uli Giersch die neue Mauerkarte der Edition Panorama vor, die Mauer vom Osten aus gesehen und gezeichnet mit einmaligen Fotos der Mauer aus Ostsicht von der Jahreswende 1988/1989. Auch das Kartenmaterial selbst war zur DDR-Zeit geheime Verschlußsache. Die Russen fahren dann mit Hagen Koch zum Checkpoint Charlie, wo er am 15. August 1961 die Grenzlinie gezogen hat. Damals war er 21 Jahre alt. Auf der PK berichtet Koch vom allmählichen Wandel seiner Anschauungen.

Samstag, 9.August 2003

SMS aus dem Libanon. Mazen Nourallah, Abteilung Non-Books, wollte eigentlich nur in Urlaub fahren , aber weil die Sonne lachte, die Familie um ihn rum war und ihm das Glück so nahe war, hat er Yasmin geheiratet. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH.

Donnerstag, 7.August 2003

Hier ist was los. Direkt vor der Berlin Story auf der Mittelpromenade werden riesige japanische Steinquader aufgestellt. Ein Sattelschlepper und ein Kranwagen blockieren die Straße. Und uns direkt gegenüber dreht gleichzeitig Thomas Gottschalk für die Post einen Werbespott. Er (oder sein Double?) rennt da rum und springt über Tische als würden Gummibärchen ihn jagen. Heute sind besonders viele italienische Touristen da, die mit ihren Wohnmobilen illegal auf dem Schloßplatz nächtigen. Sie genießen das Spektakel.

Dienstag, 5. August 2003

Hoch die internationale Solidarität! Christina Knight fängt bei uns an, sie ist Amerikanerin mit deutschen Wurzeln, auf deren Suche und Pflege sie sich in den Berliner Großstadtdschungel begibt. Christina wird einen ganz neuen Arbeitsbereich eröffnen, sie ist die Ein-Frauen-Task-Force zur Vorbereitung. Mehr über Christina in den nächsten Tagen in der Rubrik Mitarbeiter.