Freitag, 30. Januar 2004

Im Büro von Kathi Hirthammer hängen großformatige Ausdrucke, die Entwürfe zu den Ausstellungstafeln „Über dieses Haus“, „Drittes Reich“, „Die Mauer“. In den nächsten zehn Tagen sollen die Tafeln fertig sein, die von Christina Knight geschriebenen Text ins deutsche übersetzt (genau, das Original der Ausstellung ist englisch), und die Zusammenstellung der Fotos und Grafiken abgeschlossen werden. Dann kann bei Karl Hein Kraemer von Alpha Press alles gedruckt und auf Alutafeln aufgezogen werden.

Donnerstag, 29. Januar 2004

Im Tonweltstudio von Gürsan Acar nehmen wir den Film "The Making of Berlin" heute auf chinesisch auf, genauer Mandarin. „Sind Ihr Cousin und Ihre Cousine älter als Sie oder jünger?“, fragt die Übersetzerin und Regisseurin Jie Zhao. Die beiden kommen im Film auf einem Foto vom Tag des Mauerbaus vor, dem 13. August 1961. Mandarin ist eine präzise Sprache. Die Familienverhältnisse werden genauer bezeichnet als bei uns.

Übersetzung und Regie sind so professionell vorbereitet, daß ich aus dem Staunen nicht herauskomme. Präzise kontrolliert sie die Einsätze, hört jede Unsauberkeit, hat in aller Sanftheit die Kontrolle über die Produktion. Wie ist das zu erklären? Jie Zhao scheint alle Filme übersetzt zu haben, die je aus China kamen. Vom „Mädchen aus Hunan“ über das „Rote Kornfeld“, „Morgen in Shanghai“, „Lebewohl, meine Konkubine“, „Hotel Shanghai“, „Beijing Bicycle“ bis zu „Das Geheimnis meines Erfolgs“ und „Hero“ im vergangenen Jahr. Oh Mann, über 40 Filme und dann unser Filmchen.

Russisch ist schon aufgenommen. Bei holländisch hat der Übersetzer daran gedacht zu erwähnen, daß Sophie Charlotte, nach der Charlottenburg so heißt, Holländerin ist. Ab demnächst gibt es den Film über Berlin aktualisiert und in acht Sprachen.

Mittwoch 28. Januar 2004

Jetzt wird der Schleier gelüftet. Imke Schuster und Wieland Giebel besuchen Dr. Klosterhuis. Er ist Chef des „Geheimen Preußischen Staatsarchivs“. Wir vereinbaren eine engere Zusammenarbeit beim Verkauf der Publikationen des Geheimen Staatsarchivs.
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Dienstag, 27. Januar 2004

Ein neuer Flyer entsteht innerhalb von einer Woche. Unsere Kunden sollten mehr über uns wissen. Man kann so schnell an der Kasse nicht alles erzählen. Am vergangenen Wochenende stand Wieland Giebel lange an der Kasse, hatte dann die Vorstellung, alles Wichtige aufzuschreiben: Über die Homepage, wie man bestellt, was wir vorhaben, was die Presse über uns sagt und schließlich welche aktuellen Produkte wir selbst machen. Das steht alles auf einem Schreibmaschinenblatt, vorn und hinten. Kathi hat die Entwürfe gemacht, Christina ins englische übersetzt, Imke hat ihren Senf dazugegeben, und am nächsten Wochenende ist der Flyer bereits im Einsatz. Er ist im Computer gespeichert, damit man aktuell anpassen kann. Wir kopieren ihn und legen ihn in jede Tüte.

Montag 26. Januar 2004

Wir sind die einzigen, die den 760. Geburtstag von Berlin begehen. Bernd Müller hatte schon mittags am Gründungsort Berlins, im Nikolaiviertel, einen großen Auftritt. Anschließend berichtet er in den Ausstellungsräumen der Berlin Story vor 40 Besuchern aus der Zeit, in der er im Nikolaiviertel aufwuchs. Die Berliner Morgenpost und der Berliner Kurier berichteten. Es waren aber auch je ein Journalist aus Frankreich und Holland da. Beide kennen uns vom Projekt „Führerbunker“.

Sonntag, 25. Januar 2004

Großer Bahnhof für die französische Ministerin für Europa. An diesem Tag wird die französische Botschaft eröffnet und Christian Heldt vom französischen Außenministerium kennt unser historisches Modell. Er möchte es der Ministerin zeigen. Das Modell steht aber in der noch nicht eröffneten Ausstellung. Wir schleusen die Ministerin Noëlle Lenoir mitsamt Bodyguards und Entourage durch die Küche, die Treppe hoch, und dort erklärt Daniel Vosgien, der Erste Botschaftssekretär, was man aus dem Fenster alles sieht: Vom ehemaligen Schloß bis zum Brandenburger Tor.

Samstag, 24. Januar 2004

Unsere Homepage wächst und wächst… Mittlerweile sind wir mit 280 Seiten unter der Adresse www.BerlinStory.de im Internet vertreten. Um Ihnen unsere häufigen Aktualisierungen schneller und einfacher zu präsentieren, gibt es eine neue Rubrik – Neues im Netz.

Mittwoch, 21. Januar 2004

Claude Möller baut das Modell von Berlin vor der Zerstörung. Es ist Mittelpunkt der Ausstellung. Claude ist ein Genius. Er recherchiert jedes Gebäude einzeln, vorn UND die Rückseite. Er sucht Baupläne, Fotos, Unterlagen in jeder erreichbaren Bibliothek. Dann zeichnet er dieses Gebäude nur bei Tageslicht auf Karton und baut alles zu einer Stadt zusammen.

Montag, 19. Januar 2004

Herzlich Willkommen. Susann fängt heute an und macht eine Ausbildung in einem Beruf, der so modern ist, daß er uns ganz angemessen ist, nämlich als Kauffrau für audiovisuelle Medien.

Sonntag, 16. Januar 2004

Der Umzug war anstrengend. Aber was wir jetzt zusammen neu erschaffen haben, ging ganz ohne den Trubel, der sonst mit Neuaufbau verbunden ist. Es hat sich eine angenehme Form der Zusammenarbeit ergeben zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Buchhandlung und im Verlag sowie mit den Handwerkern. Umbau und Umzug liefen wie von selbst, ohne Reibungen, ohne Ausfälle, ohne Profilierungsversuche einzelner.

Das könnte daran liegen, daß alle das Gefühl haben, in einem Boot zu sitzen. Nicht im Boot der Berlin Story, sondern etwas weiter gegriffen, gesellschaftlich gesehen. Während der Vorbereitungen zum Umzug spielte sich die Katastrophe nach dem Seebeben vom 26. Dezember 2004 ab. Sie war bei uns nicht Thema, schwebte aber über den Arbeiten und machte uns bewußt, in welch komfortablen Situation wir uns befinden. Mir scheint noch eine tiefere Ebene der Übereinstimmung zwischen dem Team in der Berlin Story und den Handwerkern vorhanden zu sein. Wir leben alle in Berlin, wir arrangieren uns mit der Stadt und wie sie funktioniert, wir suchen da unseren Weg in diesem Großstadtdschungel. Wir müssen uns schnell und radikal an neue Gegebenheiten anpassen, ständig einen hohen Grad an Flexibilität beweisen. Das war bei Kündigung der bisherigen Räume und Umzug so, das ist aber auch prägend für das Leben heute. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Handwerkerinnen und Handwerker stellen sich darauf ein, daß es Beschäftigung immer nur begrenzt geben wird. Alle, die jetzt mitgemacht haben, waren zwischen zwanzig und Mitte dreißig Jahren. Für jeden ist klar, daß es keinen Generationenvertrag mehr gibt. Daß sie jetzt Rente einzahlen, aber voraussichtlich davon wenig oder fast nichts sehen werden. Auch diejenigen, die nicht einzahlen und sich eine Nische in der Gesellschaft gesucht haben, die alternativ leben wissen, daß sie sich auf ihre eigenen Fähigkeiten und auf ihre Netzwerke mehr verlassen werden können als auf staatliche Versorgung. Versorgungsmentalität ist in unseren Kreisen nicht auf der Tagesordnung.
Das Verhältnis zum Staat und zu seiner Glaubwürdigkeit ist auf einem tiefen Punkt angelangt. Wahrscheinlich nicht auf dem Tiefpunkt. Was die Generation, die heute an der Macht ist, die Achtundsechziger, denen weiterreicht, die jetzt jung sind, ist nicht hilfreich beim Aufbau eines Gefühls von Verantwortlichkeit gegenüber der gesamten Gesellschaft, dem Staat.
Diese feine Ebene der Verständigung, des Lebensgefühls, der flexiblen Lebensentwürfe, schien mir unsere gesamte (kleine) Aktion glücklich zu verbinden.