Mittwoch, 7. Januar 2004

Größenwahn Germania, am Sonntag (4. Januar) eine ganze Seite in der Welt am Sonntag, am Dienstag (6. Januar) eine ganze Seite in der Berliner Morgenpost. So kam es dazu: Am Heiligen Abend kam morgens der Verleger Dr. Uli Giersch in die Berlin Story gehetzt und brachte die druckfrischen Pläne von Germania (siehe Tagebuch Dezember 2003). Er war noch nicht wieder aus dem Laden (ehrlich), als Peter Schubert kam, um sich nach Geschenken umzusehen. Wir zeigten ihm den neuen Plan, er war begeistert, wir gaben ihm Gierschs Handy Nummer … So kam der Plan in die Zeitung. Hier finden Sie den Artikel…

Freitag, 2. Januar 2004

„Ist das hier nicht das Kulturkaufhaus?“ In gewissem Sinne schon, aber wir schicken trotzdem weiter zu Dussmann. Bei über 120 Besuchern gleichzeitig im Laden erwägen wir, vorübergehend den Einlaß zu kontrollieren. Bald regelt es sich aber von alleine. Wie wird das, wenn wir ab Ostern die Ausstellung in der Etage über uns aufmachen?

Ein Gruppe englischsprachiger Jugendlicher hält die Köpfe über den Stadtplan gebeugt. Das dauert. Sie suchen auf dem BVG-Plan. Dann tauchen die Köpfe auf. „Where is Auschwitz?“ Christina ist nicht im Laden. Sie macht Führungen ins Lager Sachsenhausen nach Oranienburg am Endpunkt der S 1. Mit Auschwitz können wir hier nicht dienen.

Donnerstag, 1. Januar 2004

Um Mitternacht waren die Linden bis zu uns gesperrt. Dort stand ein Polizeiauto, sperrte die Straße und hatte einen Blick auf den Laden. Das neue Jahr fängt morgens dann immer mit kehren an. Der grobe Drecke ist schon weg, aber es dauert eine knappe Stunde, bis die Scherben und Kippen verschwunden sind. Diesmal hielt ein Laster der BSR, vier orangene Männer sprangen raus, „Morjen, dann wolln ma ma helfen.“ Unser Standard-Dank sind Ampelmännchen als Weingummi. Das ist nett, aber unter der Bestechungsschwelle.

Kaum war der Laden auf, war er auch schon voll, bis abends, wo wir immer noch sechzig bis siebzig Besucher nach hatten. „Can I have my own Trabi?!“, quengelt ein kanadischer Junge. Die südkoreanische Frauenfußballmannschaft (English? No. German? No. Français? No. Japanese? NO!!!), kichert sich durch die Souvenirs, ein Sammler aus Rom läßt sich aus Gips einpacken Kaiser Friedrich II., Marx, Wilhelm II, mit who is who Zetteln dran, dann zeigt er eine Liste, wen er schon alles aus Gips hat. Anschließend wird es so voll, daß einzelne Erinnerungen verblassen

Dienstag, 30.Dezember 2003

Italienische Invasion am frühen Morgen.

Samstag, 27. Dezember 2003

Es begab sich zur Weihnachtszeit…
Wieder einen Kunden glücklich gemacht. Dieser hatte seit sage und schreibe 13 Jahren nach eine Büste von Karl Marx gesucht – und sie bei uns gefunden! Und da sage nochmal einer, den Weihnachtsmann gebe es nicht. Bei uns ist es "ein netter älterer Herr" mit "friedhofsblondem Haar" (s. Eintrag 19.12.03).

Heiligabend, 24. Dezember 2003

Die armen Heiden dieser Welt haben kein Weihnachten. Ganz so ist es ja nicht. Auch in den arabischen Ländern und in Asien wird gefeiert. Unsere multikulti Radiosender berichten gern darüber. In der Berlin Story ist es anders. Wir mißbrauchen unsere Heiden. Alles Muselmänner und -frauen arbeiten über Weihnachten. Danke.

Und am Heiligen Abend geht es auch im Laden noch enorm ab. In aller Frühe liefert Dr. Ulrich Giersch den lange ersehnten Plan von Germania aus. Darin sieht man zum ersten Mal die Planung von Speer für die Welthauptstadt dreidimensional: was geplant war, was gebaut wurde, wie das wirken würde und was noch vorhanden ist – nichts, außer dem Belastungskörper. Dazu gibt es ein ausführliches und spannendes Beiheft. Wir hängen die Karte ins Fenster, verkaufen mehrere und geben einem Journalisten, der ganz begeistert ist, der allererste zu sein, und der es gleich in seinem Blatt bringen will, gleich einen Plan mit.

Noch weiter Heilig Abend: Um 14 Uhr ist es nicht ganz einfach, den Laden leer zu kriegen. Der Umsatz ist höher als sonst zu dieser Zeit und wir schicken Gäste aus Australien, Dortmund, England, Frankreich, Georgien, Italien, Japan, Libanon, Niederlande, Österreich, Mexiko und Rußlandin hinaus in die kalte Weihnacht.

Dienstag, 23. Dezember 2003

Kalorienbombardierung. Weil wir so gute Kunden sind, weil wir immer zahlen, weil die meisten Lieferanten direkt abbuchen dürfen, weil das alles heutzutage äußerst selten ist, werden wir bombardiert mit Weihnachtsgebäck, mit Wein und mit Schampus. Danke. Prima.

Sonntag, 21. Dezember 2003

Die Sonntage im Advent waren am Abend gekennzeichnet von Besuchern der Weihnachtsmärkte, die zum Aufwärmen reinkamen. Die gucken rum und haben es nicht so mit Büchern. "Da kommen wir mal nach Weihnachten wieder, dann ist alles billiger." Ja, der Glühwein vielleicht. Wir machen dann immer ziemlich pünktlich zu.

Freitag, 19. Dezember 2003

Weihnachtsfeier bei PompDuck. Was für ein Unterschied zu Witzigmann! Bei PompDuck stimmt der Service, das Essen, die Show. An inzwischen zwei Tischen (im vergangenen Jahr reichte noch einer) amüsierten wir uns fast vier Stunden lang. Eine perfekte Show, noch besser als im vergangene Jahr, weil es weniger zotig war. Man könnte sagen, mehr an den Damen orientiert, denn die männlichen Akrobaten durften ihre beneidenswerten Körper voll präsentieren.

Wichteln war angesagt. Nervig. Für maximal drei Euro soll man sich was ausdenken und (inkognito) an einen Kollegen verschenken, dessen Namen man einige Zeit vorher gezogen hat. Wer mir Socken geschenkt hat mit "Netter älterer Herr" wird sofort gekündigt, wenn ich herausfinde, wer sie war. Und nachher erzählt mir noch einer, man nenne meine seriöse Haarfarbe friedhofsblond. So sind die drauf, wenn sie losgelassen werden.

Donnerstag, 18. Dezember 2003

Der Film "The Making of Berlin" soll aktualisiert werden. Karl Heinz Kraemer von Alphapress hat den Sommer über gedreht und jetzt noch die Studentendemos aufgenommen. Frau Kraemer wird den Schnitt machen. Wie das alles im nächsten Jahr aussehen soll, haben wir besprochen: Der Bau von Pei gehört rein, die Kommandantur, der Bundespressestrand. Die Love Parade hat an Bedeutung verloren. Das ist alles ziemlich einfach für Kraemers, die absoluten Profis, die uns prima an die Hand nehmen. Neu wird sein, daß es den Film ab 2004 in acht Sprachen geben wird. Zu deutsch, englisch, spanisch, italienisch und französisch kommen chinesisch, russisch und portugiesisch.