Dienstag, 23. Dezember 2003

Kalorienbombardierung. Weil wir so gute Kunden sind, weil wir immer zahlen, weil die meisten Lieferanten direkt abbuchen dürfen, weil das alles heutzutage äußerst selten ist, werden wir bombardiert mit Weihnachtsgebäck, mit Wein und mit Schampus. Danke. Prima.

Sonntag, 21. Dezember 2003

Die Sonntage im Advent waren am Abend gekennzeichnet von Besuchern der Weihnachtsmärkte, die zum Aufwärmen reinkamen. Die gucken rum und haben es nicht so mit Büchern. "Da kommen wir mal nach Weihnachten wieder, dann ist alles billiger." Ja, der Glühwein vielleicht. Wir machen dann immer ziemlich pünktlich zu.

Freitag, 19. Dezember 2003

Weihnachtsfeier bei PompDuck. Was für ein Unterschied zu Witzigmann! Bei PompDuck stimmt der Service, das Essen, die Show. An inzwischen zwei Tischen (im vergangenen Jahr reichte noch einer) amüsierten wir uns fast vier Stunden lang. Eine perfekte Show, noch besser als im vergangene Jahr, weil es weniger zotig war. Man könnte sagen, mehr an den Damen orientiert, denn die männlichen Akrobaten durften ihre beneidenswerten Körper voll präsentieren.

Wichteln war angesagt. Nervig. Für maximal drei Euro soll man sich was ausdenken und (inkognito) an einen Kollegen verschenken, dessen Namen man einige Zeit vorher gezogen hat. Wer mir Socken geschenkt hat mit "Netter älterer Herr" wird sofort gekündigt, wenn ich herausfinde, wer sie war. Und nachher erzählt mir noch einer, man nenne meine seriöse Haarfarbe friedhofsblond. So sind die drauf, wenn sie losgelassen werden.

Donnerstag, 18. Dezember 2003

Der Film "The Making of Berlin" soll aktualisiert werden. Karl Heinz Kraemer von Alphapress hat den Sommer über gedreht und jetzt noch die Studentendemos aufgenommen. Frau Kraemer wird den Schnitt machen. Wie das alles im nächsten Jahr aussehen soll, haben wir besprochen: Der Bau von Pei gehört rein, die Kommandantur, der Bundespressestrand. Die Love Parade hat an Bedeutung verloren. Das ist alles ziemlich einfach für Kraemers, die absoluten Profis, die uns prima an die Hand nehmen. Neu wird sein, daß es den Film ab 2004 in acht Sprachen geben wird. Zu deutsch, englisch, spanisch, italienisch und französisch kommen chinesisch, russisch und portugiesisch.

Mittwoch, 17. Dezember 2003

Verkrampfungen bei Witzigmann. Arbeitsessen können stressen. Wir wollten sehen, Birgitt Claus von Esskultur und Wieland Giebel, wie das bei Witzigmann im Palazzo läuft. Die Plätze für uns zu je 120 Euro waren nicht reserviert, der Tisch war voll. Ein um 10 Euro billigerer Tisch wurde uns angeboten, nachdem uns die Kellnerin deplaziert in der Mitte des Spiegelzeltes hatten stehenlassen. Oder wir sollten uns an den vorbestellten Tisch quetschen, von dem aus uns die anderen Gäste nicht eben freundlich ansahen. Keine Entschuldigung, kein freundliches Wort. Einen Cocktail für den billigeren Platz gab es, nachdem Birgitt dreimal darauf hingewiesen hatte. Der neue Tisch war aber auch doppelt vergeben, es gab aber ausreichend freie Tische.
Die Show war in meinen Augen so hundsmiserabel und unter jedem Niveau, daß ich mich verkrampfte. Wie sage ich es meinem gegenüber? Aber Birgitt ging es genauso. Nach zwei Gängen verließen wir das Zelt. Musiker, die gut waren, aber preisgünstig eingekauft aussahen. Ein Travestie-Moderator, mit dem man mich jagen kann und der mich dann noch heimtückisch von hinten begrapschte. Die Kellner genervt, nichts Lockeres. Die Show wie im Schülertheater. Publikum wird auf die Bühne gezerrt, das deutlich sichtbar nicht will, in unserem Fall die Fußballerin des Jahres, vorher von Witzigmann am Tisch begrüßt. Das hatte sie davon, umsonst essen zu dürfen: Mehrere Kameras und dann noch wider Willen einem Jongleur assistieren.
Witzigmann hört bald auf in Berlin. Berlin ist mehr gewohnt als das Niveau von RTL 2.

Donnerstag, 11. Dezember 2003

Monatlich gibt es in der Berlin Story ein Arbeitstreffen. Diesmal ging es (mit Käse, Baguette und Schampus) um unser Marketing. Wie ein Mantra soll sich ins Bewußtsein träufeln, daß Qualifizierung und hervorragender Service unser bestes Marketing sind. Darüber hinaus werden die Kunden gelegentlich mit Buchbesprechungen versorgt, jeweils drei Blatt. Diese Besprechungen machen wir selbst, nichts wird vom Klappentext abgeschrieben. Zeitungswerbung oder andere Anzeigen haben sich bisher nicht als sehr wirksam herausgestellt. Trotzdem werden wir die Anzeige im Berliner Tagesspiegel am Sonntag auf der Literaturseite regelmäßig weiter schalten, damit die Buchhändlerinnen in Berlin, die diese Seite lesen, immer nett an uns denken.

Mittwoch, 10. Dezember 2003

Stau wegen Mittelerde. Zu den täglichen Demos der Studenten (tagsüber legal, ab Anbruch der Dunkelheit wild), kommen seit dem Wochenende die Verkehrsbehinderungen in der Charlottenstraße am Four Seasons. Da wohnen derzeit alle Stars vom "Herr der Ringe". Der dritte Teil der Trilogie hatte gestern am Potsdamer Platz Premiere. Vor dem Hotel stehen die Fans ordentlich hinter Absperrungen, die den Fußgängerverkehr kanalisieren, aber nicht die schweren Limousinen und vielen Taxis, die sich auf der engen Straße dicke machen.

Dienstag, 9. Dezember 2003

Aus Liebe geklaut. Der Schutzumschlag eines Buchs über Louis Ferdinand ist weg. Eindeutig geklaut. Dieser Schlawiner! Schon zu seinen Lebzeiten machte Louis Ferdinand die Frauen verrückt. Dass eine unserer Kundinnen vor lauter Liebe nach dem Buchumschlag zehrt, läßt uns darüber sinnieren, wie wir ihr da (auf anderem Wege) helfen können.

Donnerstag, 4. Dezember 2003

1 von 24. Die Berliner Morgenpost beglückt in ihrer wöchentlichen Beilage, der Berliner Illustrirten Zeitung, ihre Leser mit einem Adventskalender: 24 Türen, die man in Berlin sonst nicht öffnen kann. Hinter einer dieser Türen befindet sich der "Kaisertunnel" Unter den Linden. Mit diesem Tunnel verbindet uns eine besondere Geschicht. Ursprünglich wollten wir dort eine Berlin-Ausstellung machen (siehe Projekt Lindentunnel). Aber die wird ja jetzt direkt über der Buchhandlung realisiert. Diese eine Tür geht auf unseren Hinweis an die Morgenpost zurück.

Mittwoch, 3. Dezember 2003

In eigener Sache: Wer dies hier liest, möge sich bitte melden. Es könnte sein, dass zu wenige Menschen diese Nachrichten wahrnehmen und lesen MÖCHTEN: Zu wenige heißt, dass zwischen Aufwand (denken, schreiben) und Ergebnis (Spaß am Lesen) kein vernünftiges Verhältnis besteht. Wer also dieses Tagebuch liest und wer möchte, dass es weitergeführt wird, möge an [email protected] eine Email schreiben. Danke, Wieland Giebel