Samstag, 17. April 2004

Wir suchen weiter Praktikantinnen für drei, lieber sechs, noch lieber zwölf Monate. In so ziemlich allen Bereichen: Für den Vertrieb (des Verlags), für die Gestaltung (Grafik Design von Büchern, Ausstellung, Film, DVD-Cover, quer Beet eben), für die Ausstellungsbetreuung. Die Arbeit nimmt so stark zu, dass wir Hilfe brauchen können. Und wir haben zu bieten: Höhere Honorierung als bei anderen Praktikumsstellen und eine qualifizierte Führung. Wir wollen aber gern Menschen um uns haben, die einigermaßen gebildet sind, offen für Service, ein paar Sprachen sprechen und super aussehen.

Freitag, 16. April 2004

Eine Frau, eine Webcam, ein Handy. Was gibt das? Ein junger Mann kommt in den Laden und bittet eine unserer beiden rothaarigen Mitarbeiterinnen, ob sie sich nicht mit ihm vor die Webcam stellen könne. Dann zückt er sein Handy, ruft in Helsinki an: „Habt Ihr mich gesehen?“ Wette gewonnen. Einer versuchte in Helsinki mit einer jungen Frau vor eine öffentliche Webcam zu kommen, einer in Zürich, einer in Berlin. International und interaktiv.

Der Laden wird eingerüstet. Damit ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet ist, wird die Fassade des Gebäudes verkleidet. Das Gerüst steht bis zur halben Höhe des Hauses. Zum Glück bleiben die Schaufenster frei. Wie es oben wird, ob eine Werbeplane oder eine Plane mit der Fassade des Hauses die Aussicht nimmt, wissen wir noch nicht.

Montag, 12. April 2004

Weiter bestellt wird am Ostermontagabend um 20 Uhr. Es waren so viele Italiener hier. Wir brauchen neue Büsten von Karl Marx. Wie viele hast Du noch? Ich brauche mehr große!“

Samstag, 10. April 2004

Jedes Tagebuch hat gelegentlich zu leiden. Aber jetzt geht es weiter. Die Ausstellung im Paradegeschoss über der Buchhandlung haben wir heute eröffnet. Es kamen einige hundert Menschen nach oben, ohne dass wir in irgendeiner Form Werbung gemacht haben. Nur die Flötenkonzerte Friedrichs des Großen und eine Stelltafel weisen darauf hin. Das lässt hoffen, dass unser Angebot angenommen wird, sich über Berlin anders zu informieren als in der Buchhandlung. Es wirkt noch ein bisschen kahl, so wie in einer neuen Wohnung, die noch nicht eingelebt ist. Die Ausstellung ist auf einen Zeitraum von drei Jahren angelegt. Wenn alles hübsch ist, machen wir auch Werbung bei den Stadtführern und Hotels.

Wir freuen uns immer, wenn der Charakter der Berlin Story deutlich analysiert wird: „Guck mal, hier kann man alles kaufen, wo Berlin drauf steht“. Oder. „Für oin Souvenirshop henn Sie aber viele Bücher (schwäbisch).“

Die Homepage selbst kennt auch bessere Zeiten. Demnächst geht es so weiter, dass wir alle Neuerscheinungen pro Monat fast als Liste in eine spezielle Rubrik setzen. Das hat folgenden Hintergrund: Stammkunden haben kaum eine Chance, alle Neuerscheinungen zu entdecken, die sich in vielen Abteilungen verstecken. Wir schaffen es aber nicht (und wir haben keinen Platz), einen extra Tisch für Neuerscheinungen zu machen. Wir können dieses Projekt ankündigen, weil Steffi zu uns kommt und sich darum kümmert. Steffi war als Praktikantin bei uns, siehe „Das Team“. Stefanie Schlemmer.

Karfreitag haben wir ja auch auf. Und nicht nur das: Wir werden auch beliefert. Morgens kamen die 12 Kisten Ampelmännchen-Gummibärchen. Frau Manana hatte bei den Lieferanten angerufen, so etwa, nur wahrscheinlich etwas höflicher, wie es ihre Art ist: seid ihr denn ganz bei Trost, vor Ostern zwölf Tüten statt zwölf Kartons zu liefern.
Und abends kamen die Berlin-Sportjacken. Schon als die Jacken kamen und noch nicht richtig ausgepackt waren, verkaufte Imke Schuster drei davon. „Sofort nachbestellen! Das ist ein Renner!“ Aber als sie an der Wand hingen, verkauften wir keine mehr. Ein seltsames Phänomen, das sich auch bei einem Ölgemälde von Herrn Tietze ereignete, der die tafelrunde von Sanssouci gemalt hatte, sie lieferte und wir sie verkauften, als er eben das Schutzpapier abzog. Da wir dieses seltsame Phänomen kennen, verstecken wir Bücher, die wir unbedingt verkaufen wollen, in einer Kiste ganz hinten im Laden fasst unter einem Tisch. Da fängt sofort jemand an zu wühlen.

Donnerstag, 5. Februar 2004

Unter dem Titel „Berlin Story – eine Erfolgsgeschichte“ berichtet Kai Ritzmann in der Berliner Morgenpost in einem Sechsspalter am Tag der Eröffnung der Filmfestspiele über uns. Wir erhalten Mails und Telefonate dazu, freuen uns und fragen uns: Ist das gut so? Welche Folgen wird dieser ausführliche Beitrag haben, der des Lobes voll ist?

Mittwoch, 4. Februar 2004

Zwei neue Mitarbeiterinnen werden uns ein halbes Jahr lang begleiten: Nicole Graf kommt vom Jovis Verlag, guckt sich bei uns um und macht im Herbst dann eine Ausbildung bei Jovis zur Verlagskauffrau.
Vanessa Witzki wird während der Zeit des Mutterschaftsurlaubs von Swantje Kaposty die Öffentlichkeitsarbeit machen. Ihr steht bevor, die Eröffnung der Ausstellung in Griff zu bekommen. Das wird eine größere Geschichte.
Mit dem Tagebuch dürfte in den nächsten Wochen nicht viel passieren. Wieland Giebel geht auf Tauschstation, macht Urlaub und kümmert sich um Texte schreiben.
Im Laden bauen wir weiter um: Die Tischaufbauten wurden neu gestaltet, die Ölgemälde wandern an die Säulen entlang der Charlottenstraße, um Platz für Poster an den Wänden zu schaffen. Hinten wird statt des Films „Making of Berlin“, der nach oben in die Ausstellung kommt, ein neuer Büchertisch aufgebaut.

Sonntag, 1. Februar 2004

Monatsabschluß. Entgegen dem allgemeinen Trübsinn geht es weiter nach oben. Selbst in diesem Januar haben wir wieder gut ein Viertel mehr Umsatz als im vergangenen Jahr. Das ist schön, aber kaum zu erklären. Wäre es nicht so, könnten wir die vielen Projekte nicht aus eigener Kraft finanzieren.
Jetzt sind wir über 20 Mitarbeiter, wenn man die Festen Freien mitrechnet, die nicht angestellt sind, aber doch zu einem nicht unerheblichen Teil von unseren Aufträgen leben. Heute geht ein ausführliches Papier zu internen Kommunikation an alle MitarbeiterInnen raus. Wir kommunizieren per eMail, schnell, unkompliziert. Jeder bekommt alles mit, egal ob im Laden, zu Hause oder im Urlaub. Die interne Kommunikation funktioniert ziemlich gut.

Sonnabend, 31. Januar 2004

Heyam Manana war fast vier Wochen weg. Heute ist ihre erste Schicht. Sie sieht gut aus und erholt. Und auf einmal ist sie verheiratet. So schnell geht das. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH.

Freitag, 30. Januar 2004

Im Büro von Kathi Hirthammer hängen großformatige Ausdrucke, die Entwürfe zu den Ausstellungstafeln „Über dieses Haus“, „Drittes Reich“, „Die Mauer“. In den nächsten zehn Tagen sollen die Tafeln fertig sein, die von Christina Knight geschriebenen Text ins deutsche übersetzt (genau, das Original der Ausstellung ist englisch), und die Zusammenstellung der Fotos und Grafiken abgeschlossen werden. Dann kann bei Karl Hein Kraemer von Alpha Press alles gedruckt und auf Alutafeln aufgezogen werden.

Donnerstag, 29. Januar 2004

Im Tonweltstudio von Gürsan Acar nehmen wir den Film "The Making of Berlin" heute auf chinesisch auf, genauer Mandarin. „Sind Ihr Cousin und Ihre Cousine älter als Sie oder jünger?“, fragt die Übersetzerin und Regisseurin Jie Zhao. Die beiden kommen im Film auf einem Foto vom Tag des Mauerbaus vor, dem 13. August 1961. Mandarin ist eine präzise Sprache. Die Familienverhältnisse werden genauer bezeichnet als bei uns.

Übersetzung und Regie sind so professionell vorbereitet, daß ich aus dem Staunen nicht herauskomme. Präzise kontrolliert sie die Einsätze, hört jede Unsauberkeit, hat in aller Sanftheit die Kontrolle über die Produktion. Wie ist das zu erklären? Jie Zhao scheint alle Filme übersetzt zu haben, die je aus China kamen. Vom „Mädchen aus Hunan“ über das „Rote Kornfeld“, „Morgen in Shanghai“, „Lebewohl, meine Konkubine“, „Hotel Shanghai“, „Beijing Bicycle“ bis zu „Das Geheimnis meines Erfolgs“ und „Hero“ im vergangenen Jahr. Oh Mann, über 40 Filme und dann unser Filmchen.

Russisch ist schon aufgenommen. Bei holländisch hat der Übersetzer daran gedacht zu erwähnen, daß Sophie Charlotte, nach der Charlottenburg so heißt, Holländerin ist. Ab demnächst gibt es den Film über Berlin aktualisiert und in acht Sprachen.