Salon Kitty, das Nazi-Bordell — wo ist dieses Ölgemälde von Kitty Schmidt

Das Sonntagsrätsel: Wo ist dieses Gemälde gelandet? Es zeigt Kitty Schmidt, die Betreiberin des Nazi-Bordells in der Giesebrachtstarße. Das Bordell gab es tatsächlich. Viele Gerüchte und Mythen umspannen seine Existenz. Die Phantasie von Filmemachern und Romanautoren wurde dadurch angeregt. Diese 45-Minuten-Dokumentation des NDR aus dem Jahr 2004 stellt das Geschehen ganz gut dar. Darum geht es aber hier nicht, sondern um das Gemälde. Es war lange in Familienbesitz, jetzt wird es gesucht.

Als die deutsche Industrie vor Hitler warnte

Der Bundesverband der Deutschen Industrie BDI hat seine Geschichte aufarbeiten lassen mit dem Ergebnis, dass die Industrie Hitler nicht wollte. Stimmt das? Ja, es ist auch eine der großen Überraschungen für die Besucher der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker. In den Köpfen hat es sich anders festgesetzt – DDR-Propaganda. Die Industriellen, auch die Stahlkocher, wollten lieber in Ruhe ihre Geschäfte machen.

Im Tagesspiegel berichtet Hans Monath über die vom BDI vorgestellte Forschungsarbeit.

Hitler persönlich wurde allerdings immer wieder und mit erheblichen Summen von Freunden, auch von vielen Frauen alimentiert.

Völkischer Beobachter jetzt in Antiqua-Schrift — 15. August 1941

 

Die erste Ausgabe des Völkischen Beobachters in Antiqua, also mit Schrift ohne Fraktur – unten rechts befindet sich die Erläuterung dazu „Der VB im neuen Gewand“.

Zu den Mythen über den Nationalsozialismus gehört, dass die Nazis diese altdeutschen Buchstaben verwendeten, wie sie heute Neonazis auf ihren T-Shirts verwenden. Das zeigt zusätzlich deren Dummheit. Diese Schrift, die Schwabacher, wurde seit 1941 als Schwabacher Judenlettern verboten. Der Schriftzug der Berliner Nord-Süd Bahn und am Anhalter Bahnhof ist Schwabacher. Wir haben den Eingang zum Bunker analog gestaltet.

Wir sind auf diese Ausgabe des Völkischen Beobachters bei der Suche nach Quellen gestoßen, was die Leibstandarte SS Adolf Hitler damals in der Ukraine, in Odessa, am Schwarzen Meer getrieben hat. Demnächst erscheint im Berlin Story Verlag ein Buch mit Briefen eines SS-Manns an seine Braut in Erfurt – „Liebste Janni“.

Buchbesprechung „Warum ich Nazi wurde“ auf Historisches Sachbuch

Ernst Reuß bespricht in seinem Blog Das historische Sachbuch, das von Wieland Giebel herausgegebene Buch „Warum ich Nazi wurde„:

„… Ein interessantes Buch, um unseren Großeltern etwas näher zu kommen. Dafür lohnt sich auch ein Besuch im Bunker mit der über mehrere Etagen gehenden eindrücklichen und ausführlichen Ausstellung. Wer der Ansicht ist, dies könne heute nicht mehr geschehen, sollte die Ausstellung anschauen oder die Hassmails lesen, die die Macher der Ausstellung bekommen haben und immer noch regelmäßig bekommen. Heute ist leider vieles wieder salonfähig geworden, an was angesichts unserer Geschichte eigentlich nicht mehr zu denken ist.“

Lesen Sie die Buchbesprechung von Ernst Reuß …

Risse im Asphalt — im Podcast von Anne Ramsdorf von der Superillu

Die Journalistin Anne Ramsdorf von der Superillu hat Stefanie Röfke für ihren Podcast „Ostwärts“ zum 17-Minuten-Gespräch gebeten:

ostwaerts.kindheit-im-sozialismus

Anne Ramsdorf: Stefanie Röfke hat ihre Kindheit im Sozialismus verbracht – in Berlin-Marzahn. In ihrem Buch „Risse im Asphalt“ erinnert sie an einen Staat, der sie prägte, aber nicht mehr da ist. In dieser Podcastfolge spazieren wir mit ihr durch die Häuserreihen der Plattenbausiedlung und lasse uns von Steffi – stellvertretend für ihre Generation – erzählen, was es mit einem macht, wenn sich in der Kindheit plötzlich alles verändert.

Steffis Buch findet hier: https://www.berlinstory.de/verlag/risse-im-asphalt/

Kopernikus Schule aus Freigericht im Bunker

Super Schüler, super Lehrer, super Schule. Kopernikus Schule aus Freigericht. So viel haben lange Zeit keine Schüler gefragt. Neugier macht uns Freude. Wenn man ehrenamtlich arbeitet, ist das der Lohn. Ob die Sowjets die Überflüge der Amerikaner während der Luftbrücke vielleicht als Angriff empfunden oder ausgelegt haben? Extrem gut mitgedacht und in die Zeit versetzt. [Ja, sie haben sogar Hilfsflüge abgeschossen – aber dann damit aufgehört.]

Und auch ein Lob für uns fiel ab: Früher seien sie in einem anderen Bunker gewesen. Hier sei die Erfahrung viel intensiver und die Darstellung qualifizierter gewesen.

 

Neu am Engelbecken vor dem Berlin Story Verlag

Der Kormoran ist eine Vogelart aus der Familie der Kormorane. Das Verbreitungsgebiet der Art umfasst große Teile Europas, Asiens und Afrikas, außerdem Australien und Neuseeland sowie Grönland, die Ostküste Nordamerikas – und das Engelbecken. Die Brutpaare leben überwiegend in einer monogamen Saisonehe – Kreuzberg eben.

Foto: Jörg Simon

„Nächstes Mal bin ich im Bunker!“ — Ian Kershaw in Berlin


„Na klar komme ich nächstes Mal in den Bunker! Ich bin ganz gespannt darauf. Sie sehen mich dann absolut sicher. Ich freue mich darauf. Es hat nur diesmal wegen der ganzen Interviews nicht geklappt – morgen Hamburg, dann München.“

Ian Kershaw ist der Spiritus Rector der Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker. Seine Hitler-Biographie in zwei Bänden und mit etwa 2000 Seiten, die maßgebende Biographie über den Diktator und Völkermörder, gibt der Ausstellung Tiefe und bildet den Rahmen. Von allen Historikern, die auf den mehr als 330 Tafeln auf drei Stockwerken vorkommen, wird Kershaw am häufigsten zitiert. Der erste Satz seiner Biographie lautet: Wie war Hitler möglich?

Kershaw stellt zusammen mit Wolfgang Schäuble seine neues Buch „Achterbahn“ vor, Europa von 1950 bis heute.

Schäuble: „Die Kinder, die wegen des Klimawandels auf die Straße gehen, haben uneingeschränkt recht.“

Enno Lenze in Verdun — der Bericht

„Wenn man Leuten in Europa vom Leid auf der Welt und vom Wunsch nach Frieden erzählt, dann kommt das in den Köpfen vieler nicht an. Als Leid sehen die Leute hier schlechten WiFi Empfang oder einen Kaffee für 5€. Für andere Länder interessieren sich die Leute nicht. Sie geben es vor, sie heucheln ein grobes Interesse – aber nur, bis die nächste Soap anfängt …“

Der vollständige Bericht von Enno Lenze zu seinem Besuch in Verdun …

Elio Adler von der Werteinitiative mit Joachim Gauck und Thea Dorn


Elio Adler (rechts) von der Werteinitiative jüdisch-deutsche Positionen im Gespräch mit dem ehemaligem Bundespräsidenten Joachim Gauck und der Autorin Thea Dorn zu 70 Jahre Grundgesetz mit dem Thema „Vom Kopf ins Herz“ im vollen Saal des Hotels Angleterre am Checkpoint Charlie.

Gauck rät im Hinblick auf die die aktuelle Entwicklung in Deutschland zu Gelassenheit. Es sei nicht das Höllentor zu Auschwitz. Wir sollten andere Meinungen ertragen, solange sie sich auf unsere Demokratie beziehen. Selbst reaktionär sein sei nicht verboten. Erziehung zur Freiheit bedeute, anderen zuzuhören und Diskussionen zu führen. Allerdings gäbe es Menschenkinder ohne eigene Meinung, die sich lieber anderen anschließen – wie in einem Fischschwarm. Das ICH muss so stark sein, dass es die Meinung eines Anderen erträgt. Es sei grotesk, dass so viele Menschen aus vielen Ländern zu uns kommen wegen unser Freiheit. Und hier gibt es Ränder, die diese Freiheit beschneiden wollen.

Thea Dorn meint, wie brauchen eine robuste Identität, gefestigte Persönlichkeiten, die einen heterogenen Nationalstaat wie die Bundesrepublik tragen. Sie erinnert an den Wappenspruch im offiziellen Dienstsiegel und Hoheitszeichen der Vereinigten Staaten von Amerika E pluribus unum, also aus vielen eines. Die Verwendung des Wahlspruchs im Jahr 1782 bezog sich ursprünglich auf die einzelnen Bundesstaaten, die zusammen die Vereinigten Staaten bilden.

Vielfalt in der Einheit könnte man das vielleicht treffender übersetzen. Es gab in der Diskussion Stimmen, die daran erinnerten, dass Milde im Umgang mit Antisemiten und mit gewalttätigen Gegnern unserer Demokratie nicht unbedingt zum Ziel führten.