NS-Dokumentationszentrum München

Ein ganz moderneres Gebäude in einer klassizistischen Umgebung – das geht, das kann an so machen. Hell sticht das NS-Dokumentationszentrum München hervor.

Ein großer Teil der Besucher besteht aus Schulklassen. Individualbesucher kommen eher nachmittags. In der Ausstellung sind Damen und Herren eines Wachdienstes, die gern kommen und gern (etwas) Auskunft geben, als ich am Freitag, dem 24. Juni 2017 zu Besuch bin.

Alle Elemente der Ausstellung sind hier gut zu erkennen: Tafeln mit großen Fotos (links), manchmal ergänzt mit kleinen Abbildungen und mit kurzem Text. Lichttische, auf denen die Dokumente abgebildet sind – durchgängig als Faksimile, also als Druck, nicht als Original. Rechts der Guide, der die Schulklasse in eineinhalb bis zwei Stunden durch die Ausstellung führt. Und im Hintergrund über die gesamte Front Fenster, eine riesige Fensterfläche.

Unangenehm wird es, wenn Lehrerinnen einer Besuchergruppe ohne TourGuideAnlage sprechen und dabei laut werden müssen. Das stört die Tourguides, das stört die Individualbesucher. Nur die Lehrerinnen selbst merken es nicht.

Bilder wie in der Dokumentation  „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker. In allen drei Dokumentationszentren finde ich Abbildungen, die wir auch ausgesucht haben. Jetzt bin ich froh, das alles erst im Nachhinein gesehen zu haben und mir nicht selbst vorhalten zu müssen, wir hätten etwas nachgemacht. Norman Bösch, der die visuelle Gestaltung von „Hitler – wie konnte es geschehen“ übernommen hat, war verblüfft, so viele ähnliche oder gleiche Fotos zu sehen. Sogar die Hintergrundfarbe der Tafeln ist ganz ähnlich wie die im Berlin Story Bunker.

Die Dokumentation ist sehr gut gemacht. Weil sie sich auf München konzentriert, ist sie kürzer als „Hitler – wie konnte es geschehen.“

 

Die Dokumentation fängt in der vierten Etage an. Die beiden oberen Etagen befassen sich mit der frühen Zeit des Nationalsozialmus, mit München als Hauptstadt der Bewegung. Alles andere, Krieg und Holocaust sowie das Ende, werden kürzer behandelt. Die Dokumentation geht bis heute, also zur Aufarbeitung der NS-Diktatur. Dabei springen die Ausstellungsmacher nicht zimperlich mit der Stadt München um.

 

Schöne Morgensonne scheint in das Gebäude. Und an diese hell bestrahlte Fensterfront kommt eine Projektion mit einem Mega-Beamer, der es schaffen muss, gegen die Sonne auszustrahlen. Wie bescheuert ist das denn? Gleich mehrere solcher Beamer kämpfen gegen die Sonne.

 

Sitzen kann man nur hier am Ausgang. Hinten vor den Fenstern liegen einig Bücher. Man kann sie sehen, wenn an genau hinsieht. Und noch dahinter links, wo man nichts sieht und am äußerten Ende in einer Ecke befindet sich die Buchhandlung. Das ganze Bauwerk ist absolut ungeeignet für eine Ausstellung. Die offenen Fensterfronten tragen auch nicht dazu bei, dass man sich mitten drin im alten braunen Viertel Münchens fühlt. Es wird ja gar kein Bezug zum Außen hergestellt. Die Architektur ist so kontraproduktiv, wie ich es in noch keinem Ausstellungsgebäude erlebt habe.