Museumsverein des DHM verschickt zu Weihnachten Angriff auf Joschka Fischer und seine „gekauften“ Historiker

Diplomatenjagd CoverWeihnachtspost. Der Museumsverein des Deutschen Historischen Museum verschickt ein Buch mit Anschreiben des Vorsitzenden Prof. Peter Voß, der „Diplomatenjagd – Joschka Fischer und seine Unabhängige Kommission und Das Amt“ als „eine interessante Lektüre und einen diskussionswürdigen Beitrag“ bezeichnet.

 

Es geht um eine Abrechnung mit Joschka Fischer und mit den Historikern, die sich mit der Geschichte des Auswärtigen Amts während der Zeit des „Dritten Reichs“ beschäftigt haben.

 

„Diplomentenjagd“ ist extrem provozierend. Das erste Kapitel lautet „Hitlers willige Diplomaten im Visier von Fischers willigen Historikern“. Das erscheint mir diffamierend. Die Historiker heute werden mit den Nazis im Auswärtigen Amt in einem Atemzug genannt.

 

Im Tagesspiegel verreißt Hans Monath das vom DHM-Museumsverein verschenkte Buch „Diplomatenjagd“:

„… Der Grünen-Außenminister, so Koerfer, habe als ,68er‘ in seinem Hass auf die Generation der während des NS-Regimes tätigen Diplomaten ,politische Auftragsforschung‘ bestellt – und von dem Historikerkollektiv um Eckart Conze prompt geliefert bekommen …“ Das Pfeifen auf akademische Formen der Auseinandersetzung, so Hans Monath weiter im Tagesspiegel,  falle Koerfer womöglich deshalb leicht, weil er sich zugleich als Unternehmer in der familieneigenen Immobilienfirma engagiere.

 

Koerfer unterstellt, dass eine ganze Reihe von bedeutenden (und an Unis gut bezahlten) Historikern sich einfach kaufen lässt, eine Auftragsarbeit schreibt, bei der das von Joschka Fischer diktierte Ergebnis vorher feststeht. Perlentaucher fasst die FAZ-Rezension so zusammen: „.. Dass die nun vorliegende Arbeit von Daniel Koerfer entsprechend polemisch, kritisch und nicht zurückhaltend daherkommt, überrascht den Rezensenten eher nicht …“

 

In der Neuen Züricher Zeitung schreibt Joachim Günter über „… Daniel Koerfer, der an einer Präsentation in Berlin bekannte, er habe das Werk aus «Groll, Gram und Geltungssucht» geschrieben. So viel Ehrlichkeit entwaffnet. Die Motive färben allerdings die Revision polemisch ein. Koerfer behauptet, die Historikerkommission habe als williger Helfer des Achtundsechzigers Fischer «politische Auftragsforschung» betrieben, bei welcher «das Ergebnis vorgegeben war» …

„Laut Koerfer hat Fischers Historikerkommission das Auswärtige Amt zur «Schaltzentrale des Holocaust» erklärt. Aber das ist eine Überzeichnung, die sich in dem Buch von 2010 so nicht findet.“

 

Wo ist dieses seltsame Buch erschienen? Auf der Startseite der Homepage von Strauss-Medien Potsdam wird das im Jahr 2013 erschienene Buch immer noch als Neuerscheinung vorgestellt (Zugriff 23. Dezember 2015, 20:07). Danach kam offensichtlich keins mehr. Aus meiner Kenntnis der Verlagswelt scheint es so, dass es sich um ein bezahltes Buch handelt. Der Autor könnte dem Verlag Geld für das Erscheinen gegeben oder eine kostendeckende Festabnahme vereinbart haben. Jetzt sind so extrem viele Exemplare übrig, dass sie verschenkt werden.

 

Zu Daniel Koerfer gibt es einen Wikipedia-Eintrag, in dem sein Stammbaum referiert wird. Sieht man sich die Versionsgeschichte dieses Eintrags an, muss man Schmunzeln, so viel wird darin herumgebastelt und immer wieder rückgängig gemacht. Kritische Beiträge zum Buch fehlen.

 

Ich als Mitglied des Museumsvereins des DHMs frage mich, was sich der Vorsitzende denkt, so ein Buch an die 963 Mitglieder zu verschicken.

 

HERSCHEL_462Von der Geschichte des Auswärtigen Amts weiß ich nicht genug. Aber immerhin, dass die Beamten mitgeholfen haben, den Arzt von Adolf Hitler nach Paris zu Ernst von Rath zu schicken, zu dem Diplomaten, der von Herschel Grynszpan erschossen wurde. Diese Akten aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts in der Kurstraße hatte ich in der Hand, habe sie selbst fotografiert, sie sind im Buch von Armin Fuhrer über Herschel, erschienen im Berlin Story Verlag. Alle Akten deuten darauf hin, dass von Rath sterben musste, damit die Nazis einen Vorwand für die „Reichskristallnacht“ hatten — und dass das Auswärtige Amt tatkräftig geholfen hat.