Mord an der Mauer, der Fall Peter Fechter – Buchbesprechung

Mord an der Mauer. Der Fall Peter Fechter

Lars-Broder Keil, Sven Felix Kellerhoff, herausgegeben von Thomas Schmid, 192 Seiten Hardcover 19,99 Euro.

Erhältlich in der Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden 40, siehe Schaufenster, rechts Foto.

Für dieses Buch haben sich die beiden Autoren nicht auf alten Quellen verlassen. Sie recherchierten neu und fanden in Gesprächen mit Zeitzeugen und in neu erschlossenen Akten mehr über den Mord heraus als je zuvor.
Insgesamt wurden mehrere tausend Blatt Ermittlungsakten durchgesehen, das Archiv von BILD nach lange vergessenen Fotos erfolgreich durchforstet, die Unterlagen der Ost-Berliner Mordkommission erstmals – also völlig neu – ausgewertet, die Skizze der DDR-Grenztruppen in Farbe abgbildet. Der Grenzer, der Peter Fechter weggetragen hat, sprach erstmals mit Journalisten. Fechters Cousin stellte die illegal aufgenommene Fotos von der Beerdigung zur Verfügung, mehrere Zeugen äußerten sich erstmals – das heißt, sie wurden zunächste von den beiden Autoren gesucht und gefunden.

Peter Fechter wurde am 17. August 1962, in Jahr nach dem Bau der Mauer, direkt an der Mauer auf der Flucht erschossen. Er blieb im Osten liegen, fast genau vor dem Axel-Springer Hochhaus im Westen. Alles wurde fotografiert und auch gefilmt. Die Fotodokumente im Buch, mehr als ich je gesehen habe,  sind schrecklich. Es ist eine grausame Geschichte, menschenverachtend, bis ins Detail recherchiert. Minutiös wird die Tat dargestellt.

Als erster nimmt der Gefreite Erich Schreiber vom Posten 4 Markgrafenstraße die schnelle Bewegung der beiden Flüchtenden rechts von sich wahr. Instinktiv ruft er seinem Postenführer Rolf Friedrich zu „Da flitzt einer!“. Der Unteroffizer gibt noch zurück: „Wo denn, ich sehe keinen“, dann zieht er den Abzug seiner Kalaschnikow schon durch.

Das Buch schildert auch die Aufarbeitung, den Gerichtsprozeß gegen die beiden Täter im Jahr 1997. Unter den Besuchern sind alte Genossen, die im Gerichtssaal demonstrativ das Neue Deutschland lesen. Im Vergleich zu anderen Mauerschützen erhalten die Angeklagten nach nur einem Prozeßtag relativ hohe Haftstrafen von 21 und 20 Monaten. Wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags.

Dieses Buch der beiden Geschichtsredakteure Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff ist eine Meisterleistung der Recherche und historischen Darstellung.

Mehr über den Fall Peter Fechter von Sven Felix Kellerhoff in der WELT …

Heute erschein in der WELT und in der Berliner Morgenpost in der BIZ, Berliner Illustrirte Zeitung, ein doppelseitiger Beitrag von Lars-Broder Keil und Sven Felix Kellerhoff über Peter Fechter und die Recherchen zum Buch …

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