Montag, 28. August 2006

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Warteschlangen vor der Berliner Münze. Mit einem solchen Besucheransturm in der Langen Nacht der Museen am Sonnabend hatte niemand von der Staatlichen Münze Berlin gerechnet, mit so vielen Leuten, die endlich einmal sehen wollten, wie unser Hartgeld geprägt wird. Die 300 Erinnerungsmedaillen, die jedem Besucher überreicht wurden, waren so schnell vergriffen, dass Münzdirektor Andreas Schikora zwischendurch noch weitere nachprägen lassen musste. Großes Interesse fand ein in der Geldfabrik für die PIN AG hergestellter Numisbrief, also die Kombination von Münze und Postwertzeichen auf einem Karton, der die Stadtansicht von Dresden mit dem Eingangsgebäude der Berliner Münze kombiniert und mit abgestempelten Postwertzeichen versehen ist. In diesen ist das mit dem Berliner Münzbuchstaben A versehene Zehn-Euro-Stück zur Achthundertjahrfeier Dresdens eingelassen. Münzdesigner Heinz Hoyer, der diese Silbermünze gestaltet hat, schilderte, was ihn bewogen hat, die berühmte Silhouette von „Elbflorenz“ im Fluss spiegeln zu lassen, und zwar mit den 1945 beim Bombenangriff zerstörten Gebäuden.
((060828Caspar)Zum randvoll gepackten Programm der Langen Nacht in der Staatlichen Münze gehörten die Präsentation unseres neuen Buchs „Vom Taler zum Euro – Die Berliner, ihr Geld und ihre Münze“ durch den Autor Helmut Caspar sowie ein Lichtbildervortrag, in dem die Kunsthistorikerin Ingrid Hägele die im Betriebsarchiv der Staatlichen Münze Berlin aufbewahrten Schätze – Geldstücke, Medaillen, Modelle, Stempel – vorstellte.
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Nach der Aufarbeitung dieses wertvollen Bestandes zum Teil noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden Erzeugnissen des 1280 erstmals erwähnten Betriebs ist die Herausgabe eines wissenschaftlichen Katalogs mit allen notwendigen Angaben zu jedem Exponat geplant. Die schönsten und interessantesten Stücken können im Münzmuseum betrachtet werden, das sich als jüngste Einrichtung würdig in die Berliner Museumslandschaft eingereiht hat und von den Berlinern begeistert angenommen wurde. HC

Sonntag, 27 August 2006
Der Hololulu Advertiser berichtet heute ausführlich über Sven Felix Kellerhoff (und über die Berlinstory). Der Bericht ist zu lang für das Tagebuch, den Artikel finden Sie in unserer Presseübersicht.
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Balsam für die (historische) Seele nach den Vorhaltungen gegenüber der Historiale, siehe die Eintragung vom 24. August 2006 dieses Tagebuchs.

Otto von Habsburg (von hinten), Chef des Hauses Habsburg, 94 Jahre alt, topfit wie ein junger Prinz, man könnte sagen der letzte Repräsentant des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen (962 bis 1806), im Gespräch mit dem Historiker Prof. Dr. Michael Stürmer bei der Eröffnung der Ausstellung im Deutschen Historischen Museum. Die Ausstellung mit 650 Exponaten, an der vier Jahre gearbeitet wurde, sollte man sich mit einer Führung ansehen. Und darum ging es heute: Prof. Hans Ottomeyer, Chef des DHM, wies darauf hin, daß Gedenktage etwas vor Augen führen sollen. Dass Geschichte Konjunktur habe, merke man im DHM jeden Tag. Wir, die Berlin Story, fühlen uns dem DHM so verbunden, weil unsere Auffassungen von Geschichtsvermittlung sich weit überschneiden. Zu Napoleons Einmarsch werden wir etwas vor Augen führen; und die Buchhandlung ist wieder schön voll, wir verkaufen Bücher, Bücher, Bücher – das Interesse an Geschichte ist überwältigend. Unser Föderalismus, so Ottomeyer, geht ebenso auf das HRRDN zurück wie die Idee der Europäischen Union, diese weltweit einzigartige Kulturlandschaft. Unlösbar sei Europa seit Jahrhunderten verbunden.

Zentrale Begriffe der deutschen Geschichte, so Prof. Matthias Puhle, der Chef der Museen in Magdeburg, wo der erste Teil der Ausstellung läuft, müßten wieder in Erinnerung gerufen werden, auch wenn sie von den Nationalsozialisten mißbraucht und entstellt wurden. Der begriff „Reich“ verbindet sich heute fast nur noch mit „Drittem Reich“, obwohl das unsere Nation und Europa prägende Heilige Römische Reich Deutscher Nationen eine viel umfassendere historische Spanne umfaßt. Nie seien die Holländer auf die Idee gekommen, das Rijksmuseum umzubenennen.

Robert Palmer, Direktor der Abteilung Kultur, und Kulturelles Erbe beim Europarat in Straßburg, vermittelte uns noch einen Merksatz: History is the LIVING Basis of our civilisation.
Prof. Michael Stürmer, der wohl bekannteste deutsche Historiker, erinnerte daran, daß es zuerst die Idee des Reiches gab, dann erst allmählich die Umsetzung. Als Rechts- und Lebensform hat das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen Jahrhunderte überdauert, und es erstand nach seinem Untergang im Jahr 1806 rund 150 Jahre später durch die Römischen Verträgen die EWG mit dem Ziel, eine „immer engere Gemeinschaft“ zu bilden. Nicht eine gemeinsame Verfassung sollte über alles gezwängt werden. Sebastian Haffner, so erinnert Stürmer, habe die für Deutschland doppelschneidige Folge der Besatzung durch Napoleon so auf den Punkt gebracht: Das soll uns nie wieder passieren! – Das können wir auch!
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Napoleon, Alexander und Friedrich Wilhelm III. auf einem Floß auf der Memel, als der Frieden von Tilsit geschlossen wurde, der Napoleons Vorherrschaft über Europa besiegelte. Die Ausstellung auf zwei Etagen (Anfang ganz unten) in der Ausstellungshalle von I.M. Pei ist bis zum 10. Dezember 2006 täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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