Montag, 19. Juni 2006

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Da rechts auf dem Trottoire liegt das historische Miststück, da links sind die Helden des Tages bei über dreißig Grad Hitze am schuften. Um 9 Uhr ruft Joest Feenders an, es stimme was nicht mit dem Strom. An manchen Stellen sei er da, an anderen nicht. Das hatten wir schon mal, da ist eine der drei Phasen weg. Joest wollte eigentlich einen Computer im Büro der Historiale installieren und das neue Büro für den Vertrieb vorbreiten. Es wird nicht besser, ich fahre in den Laden, hole unseren Elektriker Manne, der mit dem Motorrad anbraust und alles durchprüft: Es kommt eine Phase erst gar nicht bei uns an. Vattenfall rette uns! Die retten uns aber nicht direkt, sondern klemmen den Strom ganz ab. Alles ist dunkel, der Laden den ganzen Tag hindurch, die Kasse geht nicht, Kaffee gibt es nicht, aber alle aus dem Verlag dürfen in den Biergarten. „Ein schönes Museum haben Sie hier im Keller, Anfang des vorigen Jahrhunderts“. Damit ist unsere Haussicherung gemeint. Dann kommt die Buddeltruppe, sucht die fehlerhafte Stelle, gräbt den Gehweg auf und nimmt ein aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammende Verzweigung raus. Gut achtzig Jahre alt. Meine gleichaltrige Mutter muß auch gelegentlich zum Arzt. Das solide Kupferkabel, sagen die Arbeiter, sei eigentlich sehr unanfällig gegen Störungen. Abends, als wir zumachen, ist wieder Strom da.
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Gut dreißig Leute bei einer Lesung während der Weltmeisterschaft. Ich hatte mir schon tröstende Worte für Michael Bienert zurechtgelegt, aber es kam ganz anders, überraschend voll, überraschend ausdauernd. Im Zentrum für Berlinstudien führt Peter Borchardt ins Thema 1806 ein, Michael Bienert bereitet sich vor, berichtet vor über dreißig Besuchern (echt, nicht geflunkert) und wird anschließend erbarmungslos mit Fragen gelöchert, wie genau das technisch möglich gewesen sei, ein Buch nachzudrucken, das man nicht kopieren durfte und welche Teile er warum gestrichen hatte. Derweil kam der Beginn des Spiels Spanien gegen Tunesien immer näher, aber die Zuhörer wurden dadurch nicht unruhiger. Anschließend sahen sie sich das Original des Buchs aus dem Jahr 1806 an, das Herr Borchardt noch zum Beschnuppern aus der Vitrine holte. Gelungener kann ein Abend ja wohl kaum sein.

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