Montag, 12. April 2010

Sven felix Kellerhoff stellt in der Konrad Adenauer Stiftung vor 200 Gästen sein Buch über Kurras vor, die Laudatio hielt Dr. Hubertus Knabe (rechts)Sven Felix Kellerhoff (rechts) stellt in der Konrad Adenauer Stiftung vor 200 Gästen sein Buch über Kurras vor, die Laudatio hielt Dr. Hubertus Knabe (rechts).

Knabe schildert die drei Teile des Buchs, nämlich zunächst die Situation vor der Oper und der Schuß auf Benno Ohnesorg. Dr. Michael L. Müller, der in Berlin Story Verlag 1968 geschrieben hat und diese Situation ganz genau schilderte, ohne wissen zu können, dass Kurras ein Stasi-Spitzel war, saß im Publikum.
Im zweiten Teil geht es um Kurras selbst, der über sich selbst für die Stasi einen ausführlichen Lebenslauf geschrieben hatte. Der dritte Teil ist für Knabe der wichtigste, nämlich die Einwirkung der Stasi auf den Westen, die Dimension der Einflußnahme auf die Meinungsbildung. Es hätten sich eben nicht zwei vergleichbare Systeme gegenübergestanden, sondern ein diktatorisches und ein demokratisches, offenes.
Knabe geht auch auf den geifernden Verriß des Buchs durch Michael Sontheimer in Spiegel-online ein. Nur Marginalien würden von Sontheimer kritisiert, hauptsächlich gehe es darum, daß ein Springer-Journalist im Interesse des Springer-Konzerns als Büttel dieses Medienkonzerns agiere. Sontheimer verweigere sich der neuen Erkenntnisse. Er wolle wie Peter Schneider und Christian Semmler nicht wahrhaben, daß jetzt etwas anders ist. Kurras hat sich in den Jahren 1955 bis 1961 mehr als 200 Mal mit seinem Stasi-Führungsoffizier getroffen, also durchschnittlich alle 12 Tage. Nachher hatte er eine eigene Kurierin. Kurras hat seine Kollegen verraten, er hat alle Strukturen und geheimen Papiere der West-Berliner Polizei an die Stasi gegeben. Der Mörder von Benno Ohnesorg sei einer der Spitzen-Agenten des Ostens gewesen.
Kellerhof beschreibt in seinem Buch viele weitere Aktionen der Stasi. 20.000 Menschen im Westen arbeiteten bezahlt für die Stasi. Einfluß wurde genommen auf das ZDF, auf ARD, Konkret wurde von Anfang an gezahlt, ebenso der Berliner Extra-Dienst, der RAF wurde Ausbildungs- und Rückzugsraum geboten, der Terrorist Till Meyer, in West-Berlin gesucht, tauchte einfach via Friedrichstraße und die Stasi-Klappe in den Osten ab. Dirk Schneider („Die ständige Vertretung der DDR“) saß als Spitzel für die Grünen im Bundestag, der CDU-Abgeordnete Julius Steiner nahm 50.000 DM von der Stasi und verhinderte nach dem Mißtrauensvotum gegen Wily Brandt dessen Machtverlust (die Stasi wollte Brandt als Bundeskanzler), der Spion und Referent und Vertraute von Bundeskanzler Willy Brandt, Günther Guillaume, war Mitarbeiter der Stasi (und vorher NSDAP-Mitglied).
Knabe hält den oben Genannten Linken vor, bisher immer den 2. Juni 1967 als einen Wendepunkt deutscher Geschichte gesehen zu haben – zu recht – aber jetzt auf einmal soll das nicht mehr so von Bedeutung sein, 1968 wäre ohnehin gekommen.
Dr. Hubertus Knabe hält dieses Buch für eines der ganz wichtigen über die deutsche Nachkriegsgeschichte und lobt die herausragende Recherche und Darstellungskunst Kellerhoffs.
Die Stasi und der Westen von Sven Felix Kellerhoff hier gleich bestellen …

Historiale, das Programm fuer den August steht weitegehend
Historiale, das Programm für den August steht weitgehend.

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