Mittwoch, 6. Oktober 2010

Foto: Julia Schmidt-Friderichs.
Christoph Paris, Wieland Giebel und Judith Hoffmann auf der Frankfurter Buchmesse, Halle 4C, zum Thema The Making of … Future. Wie geht es also weiter mit dem Buchhandel.
Judith Hoffmann befragt zwei Buchhandlungen, die mehrfach ausgezeichnet worden sind. Christoph Paris kommt vom Familienbetrieb Ravensbuch mit Buchhandlungen in Ravensburg und Friedrichshain. Prima Klima am Bodensee, ganz anders als in einer Metropole.
Die Fragestellungen, die Judith Hoffmann vom Mediencampus Frankfurt aufwarf, der Schule des Deutschen Buchhandels, sind jedoch ähnlich: Wieviel investieren wir in den eigenen WebShop, engagieren wir uns bei Facebook, wie kommen wir bei Google nach oben und gibt es nach dem Siegeszug des iPad überhaupt noch Bücher?
WebShop. Für uns ist er wichtig, nicht als Umsatzbringer, aber viele Firmeneinkäufe werden über den WebShop angebahnt. Samuel hat ganz schön viel Arbeit, den WebShop immer aktuell zu halten.
Facebook: entsetzlich, was da an Stuß geschrieben wird. Auch eigene Followergruppen sind für uns nicht effektiv. Allerdings: Seit vorgestern gibt es Facebook Places zur Lokalisierung von Freunden und Läden, da müssen wir auch vertreten sein. Ebenso wie beim entsprechenden Dienst von Apple.
Google: Da sind wir gut vertreten. Die Seite der Berlin Story hat Bedeutung, eigenen Inhalt und ist immer aktuell – und Google merkt das.
iPad: Wir sind ja die einzige Buchhandlung Deutschlands, in der man (schon lange) iPhones ohne Vertrag kaufen kann. Da berührt sich nichts. Wenn Boris Becker ein iPhone kauft, merkt er nicht einmal, dass er in einer Buchhandlung steht. Auch bei den iPads gibt es keine Berührung. Ebenso bei eReadern nicht oder kaum. Wir beobachten Dussmann – solange eReader auf einem Mini-Tisch im 5. Stock stehen, also kein Verkaufshit sind, halten wir uns einfach raus.
Und schließlich die Buchseiten, die man im Internet einsehen kann, wo wir bis zu einem Drittel der Seiten einiger Bücher eingestellt haben. Das ist aufgrund unterschiedlicher Systeme sehr viel Arbeit. Wenige Menschen sehen sich die Seiten an, quasi Null kaufen. Wir lassen das sein. Zu diesem Thema hatten wir im Jahr 2008 extra ein Treffen aller unserer Autoren. Damals diskutierten wir, ob wir da mitmachen sollte. Die Autoren waren der gleichen Meinung wie wir: mal probieren.
Skurile Statistiken wurde auf der Veranstaltung davor ins Gespräch gebracht: in den USA liest jeder Achte mit einem eReader. Wieviel Millionen sollen das denn sein? Wenn jeder achte Amerikaner Bücher kauft, wäre das schon viel.
Und in Deutschland, so eine Studie der Boston Consulting Group, denken 17 Prozent der Bevölkerung daran, sich in den nächsten zwei Jahren ein iPad anzuschaffen. Ich gehe davon aus, dass 20 Prozent der Bevölkerung in nennenswertem Umfang Bücher kaufen und weniger als 10 Prozent wissen, was ein iPad überhaupt ist.
Schließlich gibt es noch eine tolle Statistik: Die amerikanischen iPad-Besitzer kaufen zweieinhalb Mal so viele Bücher wie die ohne iPad, woran man merke, dass iPads zum Lesen anregen.
Könnte es vielleicht sein, dass die Menschen, die Bücher kaufen, also zu einer intellektuellen und meist auch wirtschaftlichen Elite gehören, auch sonst interessiert sind an modernen Medien. Weniger Klapperstörche in Schweden haben auch nicht unmittelbar zum Geburtenrückgang in Mitteleuropa geführt.
Jedenfalls ist es so, daß der Umsatz im Buchverkauf trotz aller Unkenrufe und trotz aller modernen Medien seit 20 Jahren ununterbrochen steigt – mit einer sehr leichten Delle im vergangenen Jahr.

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