Mittwoch, 2. Juni 2005

Im Dom wurde das Buch des Jovis Verlags vorgestellt „Die Gruft der Hohenzollern im Berliner Dom“. Dr. Irmgard Schwätzer als Vorsitzende des Domkirchenkollegiums moderierte und Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein verwies darauf, daß das einzige, worauf man sich in diesen Zeiten und überhaupt verlassen könne, und zwar hundertprozentig, der Tod sei. Jeder Tag kann der letzte sein. Das wissen wir, trotzdem gehen wir mit dem Tod um als ginge er nur die anderen an. Aber er führte auch Epikur an, der der Meinung war, der Tod gehe ihn (oder uns?) nichts an. Solange wir leben, ist der Tod nicht da. Und wenn der Tod da ist, leben wir nicht mehr. Die Domkuratorin Margit Hilmer hatte zwar gebacken, aber nicht für uns, da gab es was aus der Tüte, sondern für die ehrenamtlichen Domführerinnen und ein Kaffeekränzchen am Nachmittag. Ich hatte die außerordentliche Freude, im Anschluß die Führung von Frau Scheffler im Dom zu hören. Und weil man eine Buchvorstellung nicht so dolle visualisieren kann, setzte ich zum Spurt in die Kuppel an, alle Treppen zack-zack hoch, das tut gut. Nur, wenn man fast oben ist, hängt da auf einmal ein Betonsturz. Der erwischte mich so an der Birne, daß ich an die Worte des Dompredigers denken mußte, man solle jeden Tag wie den letzten leben. Als ich auf der Treppe lag, sah ich auch die gelb-schwarzen Warnaufkleber hoch über mir. Von oben, ich habe die restlichen Stufen also noch geschafft, sieht es so aus wie auf diesem Foto.
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Auf der Domkuppel mit Blick auf den Lustgarten, wo gerade ein Film gedreht wird.

Weiter geht es die Linden entlang, wo man momentan sehr schön den Lindentunnel von oben sehen kann. Einst, als es noch den Senat unter Diepgen gab mit dem Verkehrssenator Klemann, erhielten wir die Nutzungsoption für den damals leeren, trockenen, sehr gut erhaltenen Lindentunnel, den der Kaiser 1916 für die Straßenbahn bauen ließ. Wir wollten eine Berlinausstellung machen, hatten einen italienischen Investor, alles war paletti, da kam rot-grün dran und der neue Senator Strieder meinte, das wäre prima mit der Nutzungsoption, auch ein schönes Projekt, nur dürften wir keine Eingänge zum Tunnel bauen. Jetzt befindet sich dort ein Kulissenlager des Maxim-Gorki-Theaters und auf der Seite, die man auf dem Foto sieht, bis zur Mitte der Linden die Entlüftungsanlage der Tiefgarage.
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Der Lindentunnel, rechter Teil, der Richtung Bebelplatz verläuft und geteert wird als Vorbereitung für die verkehrlichen Maßnahmen, die das Forum Fridericianum aufwerten werden.

Die neue Digitalkamera extra für dieses Tagebuch hat reichlich Megapixel, fokussiert aber extrem langsam. Das ist nicht nur nervig, sondern aus meiner Perspektive ihr Tod. Ich gebe sie zurück. Denn anschließend passierte folgendes. Vor wenigen Tagen noch, am Sonntag, war die Rede von Joschka Fischer und daß er jetzt wieder mehr Zeit für uns haben wird. Ich komme vom Dom geradelt, und vor dem Laden steht der Außenminister. Ich drücke auf die Kamera und was ist? Die pennt einfach. Ich gucke, was los ist und erwische eben noch die elegante Hose des Außenministers.
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Joschka Fischer in der Bildmitte direkt vor der Berlin Story auf dem Weg zum Schaufenster. Sein unterer Teil jedenfalls, die strammen Waden, verdeckt durch einen maßgeschneiderten Anzug. Die lahme Kamera kommt in den Müll oder an den Hersteller zurück.

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