Mittwoch, 16. März 2005

Mit Oberhofmeisterin Voß auf Reisen. Wir haben ja vor einiger Zeit die Aufzeichnungen der Oberhofmeisterin als Nachdruck veröffentlich. Gestern kam die zweite Auflage aus der Druckerei, noch schöner. Das war genau zum richtigen Zeitpunkt, denn abends fand in Paretz eine Veranstaltung zur Oberhofmeisterin statt. In Paretz, heute mit dem Auto eine gute Stunde von Berlin entfernt, quasi hinter Potsdam schön zwischen den ganzen Seen gelegen, verbrachte Königin Luise mit ihrem Gatten Friedrich Wilhelm III sowie natürlich oft der Hofmeisterin die ruhigen, schönen, ans bürgerliche Familienidyll angelehnten Tage ihres Daseins.

Vierzig Besucher waren heute gekommen, um dem Vortrag von Dr. Hedwig Bohne aus Berlin zu lauschen, die im Geheimen Staatsarchiv die Originale der Aufzeichnungen einsehen durfte, daran mit bewundernswerter Intensität arbeitet und den Vortrag wunderbar mit Bildern aus zwei Projektoren unterstützte.

19 Bände liegen dort, nämlich drei Bücher und sechzehn Hefte. Jede Unternehmung wurde von der Oberhofmeisterin ganz akkurat verzeichnet mit Datum, Zeit und Dauer. Familien- und Ortsnamen allerdings in gelegentlich kaum zu entziffernder Schreibweise. Das alles auf französisch. Nur bei großen Gemütsbewegungen fällt sie ins deutsche. Wir kennen ja die Geschichte gut, wußten aber nicht, wie Wilhelm Humboldt so ein bißchen über sie spöttelte, als er jung und auf dem Zenit seines Daseins war uns sie (nach der Niederlage Napoleons und der Befreiung Preußens vom Joch der Besatzung) aus vergangenen Epochen überlebte. Ihr Geist, sagt Humboldt 1813, sei von vergangener Pracht, sie erscheine wie ein Geist, der durchs Theater schwebe. An ihrem Gewand sei sie geschmückt durch Medaillons der Königin, des Königs, des Katharinenordens sowie des Luisenordens.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar