Memelland – Hermann Pölking – bebra-Verlag

In der Buchhandlung gab es einmal die Abteilung „Was früher dazugehörte“. Aus Gründen der political correctness ist dieser Gattungsbegriff verschwunden. Eigentlich sagt er ja gerade nicht aus, dass wir das zurückhaben wollen, sondern dass es einmal dazugehörte.

Wir hatten auch erheblichen Ärger mit der Karte Deutschlands in den Grenzen von 1937, die lange vor dem Schaufenster stand, immer großes Interesse hervorgerufen hatte, herausgegeben von der Edition Panorama Berlin. Gutmenschen, die die armen Polen in Schutz nehmen wollten vor uns Revanchisten, beschwerten sich beim Bürgermeister (echt!) und wir musste Stellung nehmen.

Diese Grenzen sind keine Nazi-Grenzen, sondern es handelt sich um eine Karte der Alliierten. Besonders junge Polen standen lange vor der Karte und fragten sich, wo ist da eigentlich alles?

Um zum Thema zu kommen. Hermann Pölking hat ein Buch vorgelegt, das wie ein Reiseführer aufgebaut ist, aber gleichzeitig ein Geschichtsbuch ist, ein Buch über menschliche Schicksale, über verquere politische Verhältnisse, über Liebe und Grausamkeiten. Das ist alles bildhaft erzählt. Pölking macht viele Filme, siehe unten. Dadurch entstehen im Kopf des Lesers die Szenen eines Markttages, der Schulen, der reichen Schmuggler. Memel und Tilsit spielten in der Berliner und preußischen Geschichte wichtige Rollen, auch diese Szenen und die dahinterstehenden Fragen erläutert Pölking – die Konvention von Tauroggen, kann man auch erst mal googeln.

Einen Schwerpunkt nimmt Flucht und Vertreibung ein, eingeleitet durch den Überfall auf die Sowjetunion. welchen Aufwand Pölking trieb, um jede Szene aufleben zu lassen, erahnt man am seitenlangen Literaturverzeichnis.

„Am 2. August 1944 spannte die Mutter ein Pferd des Großvaters vor eine Kutsche und fuhr mit ihren Töchtern nach Stonischken. Pferd und Kutsche wurden vom Großvater wieder zurückgeholt. Er wollte Coadjuthen nicht verlassen …“

Das Buch ist erstaunlich umfangreich visualisiert mit historischen Fotos, hilfreichen, genauen Plänen, die die Frage der meisten Leser beantwortet, nämlich wo das eigentlich alles liegt.  Man kann es ja nicht wissen.

Von Hermann Pölking wurden in diesem tagebuch zahlreiche Werke besprochen, zuletzt „Ostpreußen“ als Einzelbesprechung und im Rundschreiben vom November 2011:

 

Das Memelland. Wo Deutschland einst zu Ende war. Ein historischer Reisebegleiter.

be.bra verlag, 432 Seiten, 24,95 Euro

 

Die Deutschen, komplette Geschichte im Film, Besprechung im Tagebuch

Deutschland, Filme der Regionen, Besprechung in diesem Tagebuch im November 2005