Kurras, nächste Folge

Heute steigen Thomas Schmid in der Berliner Morgenpost und Gerd Nowakowski im Tagesspiegel auf die Geschichte des SPIEGEL über Kurras ein. Innensenator Frank Henkel sagt, die Recherchen werfen ein neues Licht auf die Ereignisse des 2. Juni 1967. Henkel muss bei diesem komplizierten Fall nicht faktensicher sein. Da spielen zu viele Details hinein.

Die beiden Journalisten, echte Spitzenleute der Zunft, sollten es besser wissen. Ich habe den Eindruck, sie sind auf die große aufgemachte Spiegel-Geschichte hereingefallen sowie auf den Beitrag der rbb-Abendschau aus gleicher Quelle.

Diese Auseinandersetzung wird für alle zeithistorische interessierte Menschen noch äußerst spannend, sie könnte sich zu einem Lehrstück auswachsen.

Die Ergebnisse des Spiegels sind keineswegs neu. Selbst als Kurras vor Gericht stand, wurde ihm die Geschichte von angeblicher Notwehr nicht abgenommen. Diese Version hat sich der Spiegel zusammengebastelt.
Ob Zeugen nicht verhört wurden, wie der Spiegel behauptet, wird sich noch herausstellen. Sven Felix Kellerhoff geht in seinem Buch „Die Stasi und der Westen – der Kurras-Komplex“ auf die Verhöre ein. Er zitiert aus den Protokollen.

Eine ausführliche Besprechung des Buchs von Kellerhoff findet man auf HSozKult.

Bestellen kann man das Buch von Kellerhoff im Berlin Story WebShop.

Im Kern scheint es mir um die Auseinandersetzung über die Geschichtshoheit zwischen Michael Sontheimer vom Spiegel und Sven Felix Kellerhoff vom Springer-Verlag zu gehen. Im Spiegel möchte Peter Wensierski, dass es sich um eine Verschwörung der West-Berliner Polizei handelt. Der Aspekt Stasi spielt eine deutlich untergeordnete Rolle. Sontheimer charakterisiert Kellerhofs Buch mit „Alles Stasi außer Mutti.“

Kellerhoff rekonstruierte den Ablauf der Ereignisse in seinem Buch exakt. Er nimmt – wie auch Michael L. Müller – weder Kurras noch die Polizeiführung in irgendeiner Form in Schutz. Er will aber an vielen Beispielen zeigen, dass es sich nicht um eine geplante Verschwörung handelte – Korpsgeist war es dann wohl schon.

Armer Henkel. Laut MoPo hat er das Foto des erschossenen Benno Ohnesorg aufgenommen. So steht es am Bildrand. In unserem Buch – siehe Tagebuch gestern – war es Jürgen Henschel.