Kostenlose, werbefreie Nachrichten

In Deutschland ist es üblich, über das, was andere machen, zu meckern, ohne es selber besser machen zu können. Im Verlagswesen kennt man das besonders gut. Zur Zeit erhitzt eine Diskussion die Gemüter und ich versuche mal, ein Pflichtenheft für eine Lösung zusammenzustellen.

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Spiegel Online mit und ohne AdBlocker

Wenn man online eine Zeitung oder Zeitschrift liest (wobei die Unterscheidung online kaum noch funktioniert), so muss man dafür zahlen. Manchmal zahlt man direkt Geld an den Verlag, manchmal kann man spenden und manchmal übernimmt der Verlag noch den Service, dass er einem Sponsoren sucht. Diese buchen Werbebanner und ermöglichen einem so, die Seite kostenlos zu besuchen.

Nun gibt es Leser, die selbst diesen Service der Verlage für eine unzumutbare Gängelung halten. Sie benutzen Programme, die die Werbebanner ausblenden, sogenannte „AdBlocker“. Seit ein paar Tagen sperren einige Nachrichtenseiten Leser aus, die AdBlocker benutzen, da sie an diesen gar nichts mehr verdienen. Die Empörung darüber ist groß – ich habe versucht, die Argumente hinter dieser Logik zu verstehen.

Die Nachrichten sind schlecht!

Häufig bemängelten Leser, die Nachrichten der Seiten seien so schlecht, dass die Macher keinen Cent dafür verdient hätten. Da frage ich mich, warum man diese Seiten dann liest. Ich würde die Seiten einfach ignorieren und gut.

Man kann nicht mitlesen!

Man kann nicht, wie bei einer gedruckten Zeitung, beim Bahnnachbarn mitlesen oder sich die gelesene Zeitung vom Nachbar geben lassen. Das sehe ich anders: Natürlich kann ich noch beim Bahnnachbarn auf dem iPad mit lesen und natürlich kann mir jemand einen Screenshot von einem bezahlten Artikel machen und diesen geben. Er kann mir auch seine Zugangsdaten für zu bezahlende Inhalte geben. Dieser Punkt ist einfach nicht korrekt.

Werbefrei und kostenlos!

Die Nachrichten sollen werbefrei und kostenlos sein. Es soll kein Tracking geben, keine Statistiken, die personenbezogene Daten erheben usw. Da sehe ich schlichtweg ein Finanzierungsproblem. Es gibt bereits Modelle, bei denen man über eine Art Schwarm-Finanzierung unabhängige Nachrichten finanziert. Dieses Modell nennt sich GEZ und gefällt ebenfalls vielen nicht.

Nur zahlen, was man liest – oder Flatrate!

Bei Seiten wie der Morgenpost kann man ein paar Artikel kostenlos lesen. Anschließend kann man sich überlegen, ob man nur einen Tag, Monate oder Jahre Zugange erhalten möchte. Die TAZ versucht es mit Spenden, andere eben mit Werbebannern. An sich sehe ich in keinem der Modelle einen Widerspruch zur Forderung.

Mein Bezahlmodell gibt es nicht!

Nachdem man oft per Lastschrift, Kreditkarte, Paypal oder Überweisung zahlen kann, gibt es immer noch Menschen, deren bevorzugtes Bezahlmodell nicht dabei ist. Ich habe viele gefragt, was denn der Grund der Redaktionen war, „ihr“ Bezahlmodell nicht anzubieten. Die Antwort war wenig überraschend: Sie haben es nie vorgeschlagen. Eine Redaktion anzurufen oder gar eine eMail zu schreiben wird als unzumutbare Last empfunden. Es sei schließlich Aufgabe der Redaktionen, eigenständig dafür zu sorgen es jedem recht zu machen.

Was nun?

Da das Pflichtenheft damit schon umfangreich war, fragte ich umgekehrt, wer denn eine solche Nachrichtenseite bauen möchte: Aktuelle internationale Nachrichten, alle Bezahlmodelle (Flatrate, pay per click, Abos, Flattr, Spende – zahlbar per Überweisung, Lastschrift, Kreditkarte, Paypal, Alertpay, Bitcoin, anonyme Einzahlung vor Ort), keine Nutzerdaten erheben (nicht mal Benutzertracking auf der eigenen Seite), werbefrei, komplett kostenlos nutzbar und an Freunde verteilbar. Und damit kamen wir zum Anfang: Niemand möchte so etwas machen, aber man war sich einig, dass die Leute, die es bisher gemacht haben, es falsch machen und sie es viel besser könnten.

Wie bei vielen Diskussionen zum Urheberrecht und zur Finanzierung der Werke war dies der Moment, an dem ich aufgab. Ich diskutiere gerne neue Modelle und Ideen, aber nicht mit meckernden Leuten, die selber keine Ideen oder Modelle haben.

Comments

  • Dennis Wagner sagt:

    Ein toller Artikel. Ich sehe es genau so. Die Kostenlosmentalität im Internet ist zum Kotzen. Man meckert über paar Euro oder gar über Werbung, holt sich aber gleichzeitig seinen Kaffe to Go oder holt sich Zigaretten oder sonst etwas. Wenn das alle machen, wird das freie Internet wie wir es kennen irgendwann zerstört. Warum soll ein Entwickler Programme schreiben, wenn es doch eh jeder im Internet runterlädt. Das MIcrosoft Office Paket laden sich viele illegal herunter und relativieren dass mit der Aussage, dass Microsoft sowieso viel Geld hat. Was man nicht überlegt, ist dass Microsoft (stellvertretend für alle andere Firmen aber auch Verlage etc.) Personal hat und zu dem in die Entwicklung investiert.

    Ich weiß ja nicht, wie Arm der Durchschnitts-Internetuser ist. Allerdings kann selbst ich, ein Student (ja, dass Gerücht stimmt, wir haben wirklich nicht viel Geld) es mir leisten für eine Zeitung / Zeitschrift (online oder offline) Geld auszugeben. Und wer dies nicht kann oder will, kann zumindet auf die Werbung klicken. Das kostet einen selber nichts, und der Verlag / die Internetseite bekommt etwas Geld.

    Wer weder Geld ausgibt, und vielleicht sogar noch einen Werbeblocker nutzt, lebt auf Kosten anderer und ist nichts anderes als ein Schnorrer, ja sogar die Bezeichnung Parasit passt. Daher würde ich anstelle von Spiegel einfach alle Nutzer von Werbeblockern vor die Tür setzen. Die Möglichkeit gibt es durchaus.

  • Simon Samtleben sagt:

    Generell gebe ich dir hier vollkommen recht, allerdings gibt es meiner Meinung nach noch einen Punkt der die Sache etwas relativiert: Die Menge sowie Art & Weise der Werbung.

    Ein Skyscraper rechts, oder Banner zwischen den Artikeln etc. finde ich völlig okay. Wenn jedoch die Seite mit blinkenden Flash-Animationen, Popovers und im schlimmsten Fall sogar noch Videos mit Ton überladen ist sieht es etwas anders aus. In dem Moment fällt es schwer sich noch auf den Artikel zu konzentrieren und ich kann es verstehen wenn Leute hier ihren Adblocker aktivieren.

    Natürlich startet in diesem Moment ein Teufelskreis: Mehr Adblocker führen zu weniger Einnahmen was zu noch mehr Werbebannern führt, …

    Daher meine Meinung: Werbung finde ich grundsätzlich okay und notwendig. Sie sollte sich jedoch in einem Rahmen bewegen in dem die Seite „brauchbar“ bleibt.

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