Kellerhoff, mein Kindergarten und der Salonwagen des „Führers“

Sven Felix Kellerhoff berichtet in der WELT vom „Hotel rasender Reichskanzler“ : „Der Salonwagen, in dem einst Hitler seine Staatsgäste empfing, gehört jetzt der Oberfrankenstiftung. Er war Teil der Sonderzüge, in denen der Reichskanzler durch Deutschland und das besetzte Europa fuhr …“

„Der eigentliche Führersonderzug bestand ab 1937 aus zehn bis zwölf Waggons und war im Anhalter Bahnhof abgestellt“, schreibt der Hitler-Experte Harald Sandner, Autor des gewaltigen und äußerst hilfreichen Hitler-Itinerars. In der Regel bestand der Sonderzug aus zwei Lokomotiven, meist Dampfloks der Baureihe BR S05, im Krieg stets zwei Flakwagen, einem Gepäckwagen, einem Technikwagen und einem Wagen für das Begleitkommando.

In dem Beitrag heißt es weiter, dass dieser Salonwagen in Kassel in der Waggonfabrik Credé in Niederzwehren gebaut wurde, und später, weil er so schön und praktisch und gut erhalten war, auch einigen unserer Bundeskanzlern diente.

Credé, das war genau neben meinem Kindergarten und mein Lieblingsort. Lange bevor ich in einer Bauschlosserei, im Stahlwerk und einer Fernsehfabrik arbeitete, zog es mich immer wieder zu Credé. Da konnte man nämlich, wenn man klein und schnell genug war, einfach genau unter der Schranke durch. Wenn man das geschafft hatte, haben sich die Arbeiter gefreut, dass sich ein Kind für ihr Schaffen interessiert.

Allerdings: Vom Salonwagen des „Führers“ war natürlich nie die Rede. Auch später habe ich nichts davon gehört.

Damals, wenige Jahre nach dem Ende des Krieges, der nicht als Befreiung bezeichnet wurde, sondern als Niederlage, sprach man lieber vom Rheingold.

Die Straßenbahn, mit der ich bis zum Kindergarten in der Nähe von Credé fuhr, sah etwa so aus. Sie hielt am kirchlichen Kindergarten, der Schaffner begleitete mich über die Straße, dann fuhr die Bahn weiter.