Johanna Ruf (15) aus ihrem Tagebuch am April 1945

ruf-johanna-foto-1946Mittwoch, 25. April 1945

 

Die Wasserversorgung muss überall unterbrochen sein, denn wenn wir irgendwo auf eine Plumpe stoßen, holen sehr viel Menschen von dort Wasser, trotz des Beschusses. An solch einer Plumpe sehen wir auch den ersten Toten, einen alten Mann. Er ist wohl von einer Bombe getötet worden, in der Nähe ist ein Krater.

 

Gegen 15 Uhr sind wir endlich auf der RJF, der Reichsjugendführung in der Kurfürstenstraße, sehr müde, hungrig und schmutzig. Ein Wunder, dass wir alle heil durchgekommen sind! Kurz vor der RJF kamen wieder Tiefflieger und rechts und links waren keine Häuser! Wir legten uns kurzentschlossen auf die Erde, die Schüsse fielen ziemlich in der Nähe, ich hätte viel darum gegeben, einen Stahlhelm zu haben, wie alle anderen!!!

 

Am Nachmittag müssen wir noch einige Male in den Keller, Alarm!
 
Donnerstag, 26. April 1945
 

Gestern Nacht haben wir im Bunker gesessen, es ist ziemlich langweilig! Traut brachte uns abends die Nachricht, dass unser Bannführer gefallen ist ((Bannführer bei der Hitlerjugend HJ und dem BDM Bund deutscher Maiden waren hauptamtlich, besoldet tätig)).

 
Heute Mittag kamen vier unserer Mädel vom Kreis nach, außerdem einer der Jungen, angeblich sollen die Melder zum Kreis zurück. Das erweist sich dann aber als Fehlmeldung, wir bleiben, bekommen statt dessen vom Gau Flugblätter geschickt, die wir unter die Bevölkerung verteilen sollen: Die Armee „Wenk“ soll den Ring, den die Russen um Berlin gelegt haben, von außen aufrollen. – Ganz verstehe ich das alles nicht, aber es muss einfach stimmen!

 

Heute Mittag sind mehrere unserer Mädel auf einen Notverbandsplatz gezogen, die Glücklichen, wir haben sie beneidet!

 

Gegen Abend ziehen wir wieder in den Nollendorfbunker (U–Bahn), es ist sehr voll, wir machen uns so dünn wie möglich und versuchen zu schlafen.