Ich habe ein Buch getötet!

Mit viel Ausrüstung durch die Wüstenstaaten

Wenn ich (Enno Lenze) lese, dann meist non-Fiction. (Auto)Biografien, politische Analysen von Landstrichen der Erde, Gesetzestexte. Da geht es um die Aufnahme von Informationen, weniger um das romantische Schmökern auf der Veranda. Ab und zu lese ich auch Sci-Fi oder Fantasybücher, wie die Illuminatus-Trilogie oder Per Anhalter durch die Galaxis, aber eben nur selten. Diese habe ich auch als gedrucktes Buch im Regal stehen.

Wenn ich aber auf Reisen bin, kann ich wenig Gepäck mitnehmen und noch weniger den Tag über bei mir tragen. Die Kamerausrüstung und Wasser nehmen viel Platz ein und wiegen zusammen 6-8kg, Karten fressen Platz. Da ist an einen Stapel Bücher kaum zu denken. Zum anderen möchte ich immer wieder historische Daten, Orte oder Namen in mehreren Büchern nachschlagen können. Bei dieser unromantischen, aber funktionalen Handhabung von Büchern ist also der eBook-Reader von Vorteil. Dort habe ich meine rund 20 Bücher zur Region bei und kann Angaben direkt vergleichen.

Leider gibt es viele Bücher weiterhin nicht als eBook. Oder ich möchte Bücher aus den USA haben, die dann lange per Post unterwegs sind, weil es sie „nur“ als gedrucktes Buch gibt. Es mag den Buchliebhabern barbarisch vorkommen, was nun folgt. Wer den Bericht über zerstückelte Bücher nicht ertragen kann, möge aufhören zu lesen und mich mit abwertenden Blicken strafen. Aber ich muss eine Lanze für einen Dienstleister brechen, der mir half.

In den USA gibt es einen Dienst, welcher einem aus einem gedruckten Buch ein eBook macht. Man bucht per Internet einen Auftrag (z.B. Scannen, Texterkennung, manuelle Prüfung des Buches) und bekommt eine Auftragsnummer. Anschließend bestellt man ein Buch unter Angabe der Auftragsnummer bei einem beliebigen Buch-Lieferdienst zum Dienstleister. Soweit mir bekannt wird der Buchrücken abgeschnitten, das Buch automatisch gescannt und das Buch recycled.

Als Kunde erhält man kurz drauf das fertige eBook zum Download. Man kann es zur Sammlung packen und schnell durchsuchen. Der ganze Weg ist eigentlich zu teuer (zum Buch kamen rund 20€ für den Scan-Dienst) und es ist nicht wirklich bequem. Außerdem wurde ein Buch „getötet“, was nicht gerade umweltfreundlich und noch dazu moralisch zweifelhaft ist. Dennoch schließt der Dienst die Lücke, die sich derzeit immer wieder auftut.

Ich merke selber, wie viel Arbeit es im Detail doch macht, alle Bücher als eBook anzubieten. Geht es bei den aktuellen noch recht gut, so haben wir mit der Aufarbeitung der Backlist doch einige Arbeit. Ganz zu schweigen von Werken, die einfach nicht mehr lieferbar sind oder die durch unklare Rechtelage verwaist sind. Hat man ein solches Examplar, wird man es kaum zerschneiden lassen wollen. Ich hoffe, dass der Kunde in Zukunft dauerhaft die Möglichkeit hat, zwischen gedrucktem und digitalem Buch zu wählen, wie er mag. Ich bevorzuge eBooks, möchte aber keinesfalls missionieren. Jeder weiß die Vorzüge „seines“ Formates zu schätzen.

 

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