Hitlers Reden: Politologen heute „Nicht so wichtig …“

Zwei Soziologen haben herausgefundenen, dass die Reden von Hitler nicht so wichtig waren. Es bestand ihrer Meinung nach gar keine Beziehung zwischen Hitlers vielen Auftritten und den Wahlergebnissen.  Peter Selb von der Universität Konstanz und Simon Munzert von der Berliner Hertie „School of Governance“. Was für ein ausgemachter Quatsch! Zwei Bücher aus dem Berlin Story Verlag hätten dem Professor und dem Doktor geholfen, nicht dermaßen Unsinn zu verzapfen.

Zum Glück nimmt Sven Felix Kellerhof in der WELT dazu ausführlich Stellung.

„Die rhetorische Kraft des NSDAP-Chefs gilt als wesentlicher Faktor für den Aufstieg des Nationalsozialismus. Zwei Politologen stellen diese Gewissheit jetzt infrage. Doch ihre Studie überzeugt nicht.“
„Ein Lücke in Selbs und Munzerts Aufsatz ist, dass sie zur Rekonstruktion von Hitlers Kalender auf eine obskure Website und eine fehlerhafte Sammlung von 2012 zurückgreifen. Dabei liegt seit 2016 das vollständige und oft minutiöse Itinerar Hitlers vor, zusammengestellt in mehr als 20 Jahren Arbeit von dem Coburger Privatforscher Harald Sandner. Schon unmittelbar nach Erscheinen wurde dieses vierbändige Werk, das für wirklich jeden Tag von Hitlers Leben soweit bekannt seine Aufenthaltsorte und – ab Beginn seiner politischen Tätigkeit – seine Aktivitäten auflistet, in den wichtigsten zeitgeschichtlichen Bibliotheken zur Verfügung gestellt.“

Kellerhoff zitiert in der WELT  Wieland Giebel und verweist auf das Buch, das Anfang September erscheint.

„Die wichtigsten Quellen, die man heranziehen muss, um über die NSDAP als dauernd laufende Wahlkampfmaschinerie Klarheit zu gewinnen, sind die Berichte der Abel-Sammlung. Der polnischstämmige US-Sozialforscher Theodore Fred Abel (1896–1988) hatte sie 1934 mithilfe eines Preisausschreibens in Deutschland erhoben. Von ursprünglich 683 Selbstzeugnissen sogenannter Alter Kämpfer der NSDAP, die also bereits vor 1930 der Partei beigetreten waren oder zumindest mit ihr sympathisiert hatten, sind 581 erhalten …

Obwohl Selb und Munzert die 1965 erschienene Neuauflage von Abels Buch von 1938 über die NSDAP in ihrem Aufsatz zitieren, werten sie die dahinter stehenden Berichte nicht aus. Ein Fehler, denn bereits eine oberflächliche Durchsicht zeigt, wie enorm das Mobilisierungspotenzial von Hitlers Reden war. Im September wird der Berliner NS-Experte Wieland Giebel zum ersten Mal eine größere Auswahl der Abel-Berichte als Buch erscheinen lassen; bisher gab es nur die Edition der insgesamt 36 Beiträge von Nationalsozialistinnen zu dieser Sammlung.“

So wirkte Hitler auf seine Zuhörer tatsächlich – Auszug aus dem Buch „Warum ich Nazi wurde“:

„Hier winkten neue Lebensziele und neue Werte, hier wurden wir davon überzeugt, dass für uns ein neuer, großer Tag anbricht.“

Walter W.F. Otto, 1892, Abel#284, Stadtsekretär, Berlin-Karlshorst, S. 7

„War es nach all diesen traurigen Ereignissen ein Wunder, wenn sich ganz Deutschland nach einem Mann sehnte, der diesen Augiasstall mit eisernem Besen ausfegte?“

Margarethe Schrimpff, 1880, #582, Berlin-Lichterfelde

„Von Hitler ging eine unsichtbare Macht aus, die alles in ihren Bann zog.“Hans Thaysen, 1900, #80 

„Wer einmal Adolf Hitler gehört hat, der war ihm ergeben.“Helene Radtke, 1896, #207„Mein Glaube ist, dass unser Führer Adolf Hitler dem deutschen Volke vom Schicksal geschenkt wurde als der Heilsbringer des Lichts über die Finsternis.“Gustav Heinsch, 1890, #110, Berlin, vorher Dittersbach/Nieder­schlesien, S. 30„Ich glaube, dass unser Führer eine Kraft ausstrahlt, die uns alle stark macht.“Paul Moschel, 1911, #416, Ixheim

„Jede Versammlung der Nationalsozialisten war ein inneres Er­leb­nis, ein Gottesdienst manchmal.“
Gustav Kohlenberg, 1907, #10, auf seinem Beamtenlehrgang zum Obersekretär