Wie man Hitler-Kaffeetassen begründet

Wir hatten mehrmals davon berichtet, dass wir nicht mit rechten Versandhäuser oder ähnlichem zusammenarbeiten wollen, wir wollen sie nicht als Kunden, wir wollen auch sonst nichts mit ihnen zu tun haben. Dazu zählen zum Beispiel Anbieter, die Kaffeetassen, Poster und T-Shirts mit Hitlers Foto verkaufen. Wir sind auch dazu übergegangen, nur noch eine einzige Mail an diese Leute zu richten und dann nicht mehr zu antworten. Der Grund ist ganz einfach – sie schicken von sich aus oft viele, vieeelee, vieeeeleeeee Mails, in denen sie sich noch lange über uns beschweren. Und sie sagen allen ihren Freunden Bescheid, dass diese es auch tun sollen. Häufig folgen auch Bewertungen auf Amazon, z.B. dass wir Betrüger seien, dass Ware gar nicht existiere und ähnliches. Amazon stört sich daran wenig. Schaut man sich an, was diese Leute, die uns so schlecht bewerten, sonst gekauft haben, dann stolpert man über Titel wie „Weltanschaulich gefestigte Kämpfer: Die Soldaten der Waffen-SS“ oder „Mein Kriegstagebuch: Aufzeichnungen eines Stukafliegers“.

Vor einigen Wochen hatten wir die bizarre Situation, dass jemand (anonym) allen Mitarbeitern der Berlin Story eine E-Mail geschickt hatte in der er „aufdeckte“, dass der Verleger Enno Lenze nichts gegen Flüchtlinge habe. Belegt durch Facebook-Screenshots in denen er das sagt. Das ganze war wie die Enthüllung eines lange verschwiegenen Skandals aufgebaut. Die Idee des wirren Rechten war wohl, dass die Kollegen nun auf die Barrikaden gehen und ihn auffordert würden, gegen Flüchtlinge zu sein – oder so. Dass normale Leute aber einfach nichts gegen Flüchtlinge haben, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Nun sollte gerade solche Wirrköpfe mal etwas wissenschaftliches und fundiertes zum NS-Regime lesen, aber sie sollen nicht daran verdienen, dass sie unsere Produkte an ihre Klientel verkaufen. Ausgerechnet diese Leute sind es aber, die sich Zeit nehmen, lange und wirre Begründungen zu finden, warum man ihnen weiterhin bei ihrem Geschäftsmodell helfen sollte. Hier mal ein Beispiel

Treten Sie  etwa auch so gegen das Unrecht auf, wie zum Beispiel gegen Einsatz vom deutschen Senfgas im Irak?

Ich bin erschrocken, welch totalitäre Denkmuster in Ihrem Hause herrschen

Dann müssen Sie aber auch gegen den Einsatz deutscher Soldaten protestieren, die 70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg wieder vor Leningrad stehen und mit ihren Fliegerbomben unschuldigen Menschen töten.

Wie funktioniert eigentlich so eine Kunden-Selektion bei Ihnen? Gibt es Akten wie bei der Stasi, wo alles private gespeichert ist?

Haben Sie sich auch gegen die SS-Veteranen engagiert, die gerade im Baltikum durch ihre Städte als Helden marschieren?

Eine Begründung, warum man Hitler-Kaffetassen verkauft „wir wollen so den kritischen Umgang mit unserer Vergangenheit fördern

„Bitte beachten Sie, dass ich nötigenfalls bis zum Bundesgerichtshof klagen werde!“

Man gewöhnt sich an das und geklagt hat bisher auch niemand. Warum nehmen wir dieses Generve also auf uns?  Einfach, weil wir es für richtig halten, durch die Bücher über diese Zeit aufzuklären. Ebenso halten wir es für falsch, dass solche Menschen an unseren Produkten verdienen. Oft entstehen solche Bücher einfach durch die Recherchen für andere Projekte, wie zum Beispiel die Dokumentation „Hitler – wie konnte es geschehen“ im Berlin Story Bunker, andere durch Autoren, die sie an uns heran tragen. Wir freuen uns über diese Arbeit, wir legen keinen Wert auf Applaus von der falschen Seite.