Hitler Itinerar — was es für mich bedeutet

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Hitler Itinerar 1916 Fournes-en-Weppes, Fromelles 01

Hitler Itinerar 1916 Fournes-en-Weppes, Fromelles 02

Hitler Itinerar 1932Was ist an diesem Hitler-Itinerar von Harald Sandner aus dem Berlin Story Verlag   anders als an Biografien?

Nehmen wir Hitlers Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg, für ihn prägend, für seine ganze Generation.

In vielen Biographen steht, wie lange Hitler insgesamt an der Front war oder etwas genauer, wo seine Einheit zu welcher Zeit stand. In diesem Itinerar sieht man jeden einzelnen Tag.

 

Mehrere Seiten lang steht da „Fournes-en-Weppes/Fromelles„. Tag für Tag an der Front. Merkwürdig, dass diese Liste, diese Aufzählung mir stärker  vor Augen führt, welche Bedeutung der Erste Weltkrieg für Hitler und seine Generation hatte, als die Zusammenfassung der Historiker.

Ein anderes Beispiel. Die zentrale Frage ist immer „Wie konnte es geschehen?“ Heute sehen wir alles vom Krieg aus, vom Holocaust.

Damals, 1932, waren die Nationalsozialisten in den Augen vieler verblendeter Menschen extrem dynamische, junge, nicht korrupte, kraftvolle Idealisten.

Die Seite hier unten und die weiteren aus dem zweiten Band des Itinerars zeigen, wie Hitler in diesem Monat des Jahres 1932 reiste und vor wie vielen begeisterten Menschen er sprach.
27. Mai Bad Zwischenahn (20.000),
29. Mai Rostock (20.000), dann Interviews und Besprechungen, Fahrt nach Berlin zum Gespräch mit Reichspräsident Hindenburg und zu einem Geheimtreffen mit Schleicher. Wieder in den Norden
31. Mai 1932 Wismar (30.000),
2. Juni Güstow (20.000),
3. Juni Schwerin (40.000),
4. Juni Waren (30.000).

160.000 Zuhörer in wenigen Tagen, die er unmittelbar erreichte, die von ihm begeistert waren.

Gerade an den Besucherzahlen der Massenveranstaltungen vor der „Machtergreifung“ sieht man, wie sich die Nationalsozialisten durch ungeheuren persönlichen Einsatz von einem unbedeutenden Splitterhaufen nach und nach immer mehr entwickelten. damals war noch keiner gezwungen, zu den Veranstaltungen zu gehen. Es gab politische Alternativen.  Hitler ließ mit seinem Programm und seinen Zielen nie jemand im Unklaren.

Bei den Landtagswahlen am 5. Juni 1932 konnten die Nationalsozialisten in Mecklenburg-Schwerin 48,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen – absolute Mehrheit. Man weiß das, aber hier im Itinerar, so eindrücklich dargestellt, erscheint die Antwort auf die Frage „Wie konnte es geschehen“ deutlicher.

Das Hitler Itinerar, Hitlers Reisewege Tag für Tag, ist nicht nur ein Quell der Erkenntnis für Wissenschaftler, die präzise Angaben finden, es eröffnet auch eine viel genauere Vorstellung vom Aufstieg und Niedergang des Diktators.

In Archiven fühlt man sich der Geschichte unmittelbar verbunden. Papiere von Napoleon in der Hand zu halten oder von Hitlers Arzt oder vom Bau eines Hauses vor 150 Jahren – das bringt einen ganz dicht heran. Deswegen bin ich so gern in Archiven. Mit diesem Itinerar ist es ähnlich. Da kaut keiner die Geschichte vor, es verfassen sich beim Lesen die eigenen Gedanken und Antworten auf die Frage, wie es geschehen konnte, dass so viele Deutsche Hitler folgten und die Welt ins Verderben führten.