Herschel Grynspan — 7. November 1938 — ausführliche Buchbesprechung

Herschel
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Dr. Lothar Quinkenstein bespricht in pol-int ausführlich das Buch von Armin Fuhrer „Herschel“ aus dem Berlin Story Verlag.

„… 75 Jahre nach den Novemberpogromen legte Armin Fuhrer eine umfangreiche Publikation über Herschel Grynszpan vor und arbeitete damit ein Kapitel des Nationalsozialismus auf, das in vielen historischen Abhandlungen allzu lange nur schemenhaft zu finden war …

Aufschlussreich ist Fuhrers Auswertung der Dokumentenlage zur medizinischen Versorgung des Verletzten. Einiges nämlich spricht dafür, dass Ernst vom Rath durchaus hätte gerettet werden können. Es gab jedoch ein Geheimnis, das auf keinen Fall publik werden sollte: seine Homosexualität. Dieses Geheimnis entdeckten ausgerechnet die Ärzte, die den Verletzten behandelten und eine Infektion diagnostizierten, die als eindeutiges Indiz gelten durfte. Der „Märtyrer“ – so Fuhrers Schlussfolgerung – war ein bewusstes Kalkül

(siehe Abbildung rechts, Original des Schreibens vom 7. November 1938, dass der Führer seinen persönlichen Arzt Karl Brandt nach Paris schickt. Brandt wurde bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt.)

Beklemmend sind die detaillierten Schilderungen der Prozessvorbereitungen, auf die die deutsche Seite massiven Einfluss zu nehmen versuchte mit allen propagandistischen Mitteln. Herschel, der entsetzt war über die Konsequenzen, die sein Attentat ausgelöst hatte, sah sich plötzlich als Spielball einer Hetzkampagne gegen das „Weltjudentum“. Mit seiner ausführlichen Darstellung gerade an solchen Stellen bringt Fuhrer das individuelle Schicksal zu Bewusstsein – man mag versuchen, sich auszumalen, welche Gedanken dem Siebzehnjährigen durch den Kopf gingen in seiner Pariser Gefängniszelle …

Umso mehr muss Fuhrers Buch als maßgeblicher Beitrag im Sinne der von Saul Friedländer postulierten „integrierten Geschichte“ verstanden werden. „Herschel“ bringt uns ein „historisch“ apostrophiertes Geschehen in seinen individuell erlittenen Dimensionen nahe, ohne sich aufs Feld des Belletristischen zu begeben …“

Der vollständige Beitrag  von Dr. Lothar Quinkenstein auf der deutsch-polnischen Internetseite pol-int, Polenstudien.Interdisziplinär, Fachinformation und internationaler Austausch …

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