Helmut Caspar — Vom Weg der Deutschen in die Diktatur und den Untergang

Helmut Caspar berichtet in seinem Blog über „Hitler- wie konnte es geschehen“

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Der im alten Kriegsbunker untergebrachte Lern- und Erinnerungsort zur Geschichte des Nationalsozialismus wird durch ehrenamtliche Arbeit vom gemeinnützigen Verein Historiale e.V. getragen, der im gleichen Bunker auch das Berlin Story Museum eingerichtet hat.
In den einzelnen Räumen ziehen mehr als 2300 Bilder und Dokumente auf 330 Tafeln die Aufmerksamkeit auf sich.

Hitler lässt sich das bei Krupp in Essen hergestellte und mit der Eisenbahn transportierte Riesengeschütz „Schwerer Gustav“ vorführen. Die 80-Zentimeter-Kanone wurde im Juni 1942 bei der Belagerung und Beschießung von Sewastopol eingesetzt.


(Fotos/Repro: Caspar)

Die neue, im ehemaligen Reichsbahnbunker am Anhalter Bahnhof in Berlin eingerichtete Ausstellung „Hitler – wie konnte es geschehen“ ist eine Dokumentation zur Geschichte des Nationalsozialismus und zum unheilvollen Wirken seines Anführers, die in Berlin ihresgleichen sucht.

Weder die Topographie des Terrors auf dem früheren Gelände der SS und Gestapo noch das Deutsche Historische Museum Unter den Linden und das Märkische Museum am Köllnischen Park, auch nicht die Gedenkstätte Deutscher Widerstand an der Stauffenbergstraße und die Ausstellungen auf dem Gelände des Denkmals für die ermordeten Juden Europas unweit des Brandenburger Tors beziehungsweise im Haus der Wannseekonferenz kommen, was die Menge und Qualität der in 38 Abteilungen auf drei Ebenen ausgestellten Dokumente, Bilder und Erläuterungen betrifft, an die Dokumentation im Bunker an der Schöneberger Straße 23 a unweit des Potsdamer Platzes heran.

Der massige Betonbau mit 2,13 bis vier Meter dicken Außenwänden war 1942 nach dem „Führersofortbefehl Bunkerbau“ errichtet worden. Für 3500 Mitarbeiter der Bahn und Reisende ausgelegt, suchten in ihm am Ende des Krieges bis zu 12 000 Menschen Schutz vor Bombenangriffen. Während des Kalten Kriegs wurde der Bau als Lebensmitteldepot des Westberliner Senats genutzt.

Für die Ausstellung hätte kein besserer Ort gewählt werden können als der Bunker mit seinem Labyrinth aus Gängen und Räumen stets ohne Fenster … Die Dokumentation in dem Gebäude, umfasst die Zeit von der Geburt Hitlers 1889 im österreichischen Braunau bis zu seinem Selbstmord am 30. April 1945 im Berliner Führerbunker unterhalb der Reichskanzlei.

…  Eine andere Frage ist, warum sich kaum jemand von den politischen Eliten in Großbritannien und den USA für das Schicksal der Juden im Deutschen Reich und dem ihm „angeschlossenen“ Österreich sowie den okkupierten Ländern interessierte und wie es sein konnte, dass Präsident Roosevelt den mit vielen erschreckenden Fakten belegten Massenmord an den europäischen Juden aus wahltaktischen Erwägungen ignoriert hat.

Raubgold nach Berlin gebracht

An anderer Stelle berichtet die Ausstellung über die Ausgrenzung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung und darüber, wie das Deutsche Reich mit einem System von Konzentrationslagern überzogen wurde und wie Hitler und seine Leute nach und nach das Land auf seine Linie gebracht hat. Millionen jubelten ihrem neuen Heilsbringer zu …
Auf verschiedenen Tafeln wird berichtet, wie sich die NSDAP finanziert hat und wie die Deutschen auf dubiose Weise mit Hilfe von Krediten und Schuldverschreibungen in Erwartung neuer Größe und schneller Siege zur Bezahlung der Aufrüstung und des Krieges herangezogen und wie die Bewohner der okkupierten Länder nach Strich und Faden ausgebeutet wurden …

Kleingeld macht auch Mist

Dass das Großkapital Geldgeber der Nazis war, gilt als unumstößliche Wahrheit. Die Ausstellung widerspricht und betont, entscheidende Finanzquelle seien die Mitglieder selbst gewesen. „Die NSDAP ist so knapp bei Kasse, dass der Reichsparteitag im wichtigen Jahr 1932 ausfällt, weil er nicht zu bezahlen ist.“

„… Der Parteietat stammt aus den Mitgliedsbeiträgen, erst 50 Pfennig, dann eine Mark pro Monat, und vom Eintritt bei den Veranstaltungen, 30 Pfennig normal, wenn Goebbels spricht 50 Pfennig, bei Hitler eine Mark – ungewöhnlich, wenn andere Funktionäre sprechen, nichts. Sozialdemokraten geben 1930 im Bezirk Oberrhein 47 Pfennig pro Monat für die Partei aus, NSDAP-Mitglieder durchschnittlich sechs Mark aus.“

Die Feststellungen über die Geldquellen der Nazipartei wird manche Besucher verwundern, hatten sie doch in Ost und West gelernt, dass es vor allem das Großkapital war, das Hitler auf skrupellose Weise den Weg an die Macht ebnete …

Menschen wurden zu Bestien

Die Ausstellung geht weiteren Fragen nach, etwa die, warum so viele Menschen den populistischen Parolen der Nationalsozialisten folgten und sich „gleichschalten“ ließen, wie sie zu Hitlers willigen Helfern wurden und warum der antifaschistische Widerstand keine Massenbewegung war. An vielen Bild- und Textdokumenten wird gezeigt, wie zahlreiche „Volksgenossen“ zu menschlichen Bestien wurden und sich als Helden fühlten, als sie Scheiben jüdischer Geschäfte zerschlugen und Synagogen anzündeten, in den Konzentrationslagern Gefangene quälten, das Giftgas Zyklon B in die mit Juden aus ganz Europa gefüllten Gaskammern warfen oder wenn sie ihre Gewehre auf gefangene Soldaten und Zivilisten anlegten.

Die Ausstellung endet mit der „Dokumentation Führerbunker“. Nachgestellt ist dort Hitlers Arbeitszimmer mit Polstermöbeln und einem Bildnis Friedrichs des Großen an der Wand.