Haselhorst – ein Stück gebaute Utopie der Weimarer Republik – Buchbesprechung

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Menschen ein Zuhause geben, einen Ort, an dem sie sich einrichten und den größten Teil ihrer Zeit verbringen – das ist eine schöne Aufgabe.

Michael Bienert hat für dieses Buch extrem lang in Archiven geforscht, um die Idee der Großsiedlung Haselhorst richtig darstellen, die Planung und den Bau beschreiben zu können; Bienert beschreibt, wer damals, 1930 bis 1935, dort wohnte, und wer heute gern in den denkmalgerecht mordernisierten Häusern in Haselhorst lebt.

Die GEWOBAG, Bauherr und heutiger Eigentümer, listet 1932 genau auf, dass 913 Arbeiter, 1041 Angestellte und 190 Beamte mit ihren Angehörigen in der Siedlung wohnen. Die ersten Mieter bilden gleich einen Verein, der sie gegenüber der GEWOBAG und den Behörden vertritt.

Reichsforschungssiedlung, erklärt Bienert, habe nichts zu tun mit nationalsozialistischen Institutionen wie dem Reichssicherheitshauptamt, die Reichsforschungssiedlung (für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen) sei vielmehr ein Stück gebaute Utopie gewesen, ein großartiges, sozialpolitisches und städtebauliche Projekt der Weimarer Republik, angeschoben von progressiv eingestellten Politikern, Architekten und Vertretern der Bauwirtschaft.

Eine Vorgängergesellschaft der GEWOBAG gab es seit 1919, immer mit dem Ziel, gesunde Wohnungen zu angemessenen Preisen zu bauen.

Walter Gropius, der Bauhaus-Gründer, gewann den Wettbewerb und setzte statt der üblichen Blockrandbebauung die Zeilenbebauung durch, weil die Siedlung besser durchlüftet sei und die Sonne zu allen komme. Er wollte 12-stöckige Wohnhäuser mit viel Grün dazwischen. So hoch wurde es dann nicht. Viele weitere prominente Architekten konnten ihre eigenen Ideen in vorgegebenem Rahmen verwirklichen. Wie diese Vielfalt in einer äußerlichen Einheit gestaltet wird, schildert Bienert ausführlich. Er verwebt dabei die Biografien der Architekten mit der sozialpolitischen Lage, den bautechnischen Besonderheiten wie beispielsweise dem Stahlgerippebau und dem Eisenbetonbau.

Nach einer historischen Rückschau von Nationalsozialismus, Bombenkrieg, der Stunde Null und des Wiederaufbaus sowie der bisherigen Modernisierungen folgt ein ausführliches, schönes Kapitel über die Menschen in Haselhorst heute.

Das Buch ist herausragend visualisiert. Ausklappbare Pläne, Fotos aus der Zeit des Baus, Luftbildaufnahmen, ganze Strecken zur denkmalgerechten Sanierung, der Denkmalpflegeplan mit vorher – nachher und Zwischendurch-Aufnahmen, einer Chronologie und ausführlichen Quellennachweisen.

Das Buch gehört zu den großen, anspruchsvollen Werken zu Stadtplanung und Architektur aus dem Berlin Story Verlag wie das über den Luisenstädtischen Kanal oder das über Unter den Linden 40.

Mehr über das Buch HASELHORST von Michael Bienert aus dem Berlin Story Verlag …

Das Buch im Großformat hat 144 Seiten, Hardcover, ausklappbare Baupläne, kostet 19,80 Euro und ist in der Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden, im WebShop des Berlin Story Verlags sowie im gesamten Buchhandel erhältlich.

BUCHPREMIERE in Haselhorst

Donnerstag, 21. November 2013 um 18 Uhr
Evangelische Weihnachtskirche, Haselhorster Damm 54, 13599 Berlin

Es begrüßen Sie der GEWOBAG-Vorstand Hendrik Jellema, Autor Michael Bienert und Lektor Wieland Giebel.

Um Anmeldung wird gebeten unter: [email protected] oder telefonisch 47 08 15 26.

 

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