Friedrich Standbild Unter den Linden

Die verschlungenen Wege des Friedrich-Standbildes Unter den Linden

27.12.2011, 13:07 Uhr | dapd

(Sebastian Engel von dapd berichtet über die vielen Umzüge Friedrichs)

Im Herbst 1950 macht die DDR-Führung ernst: Auf Drängen Walter Ulbrichts wird das Berliner Stadtschloss gesprengt. Was dabei häufig in den Hintergrund rückt: Neben dem Schloss verschwinden noch einige Denkmäler aus der Stadtmitte, die die Oberen um Ulbricht an Preußen und seinen Militarismus erinnern. So werden das neben dem Schloss gelegene Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal zerstört und die an der Neuen Wache stehenden Denkmäler der Generäle Bülow und Scharnhorst abgebaut.

Aus dem Straßenbild verschwand auch das insgesamt mehr als 13 Meter hohe Reiterstandbild Friedrichs des Großen (1712-1786), das einen von Osten kommenden Besucher beim Betreten des Prachtboulevards Unter den Linden grüßt. Für den „Alten Fritz“, den umstrittensten aller Preußen, ist es der Auftakt einer kleinen Odyssee.

Das am 31. Mai 1851, dem 111. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs II., enthüllte Standbild des Bildhauers Christian Daniel Rauch zeigt den König als volkstümliche Persönlichkeit. In Uniform und umgehängten Krönungsmantel sitzt er auf einem Pferd. Im unteren Teil des Sockels stehen die Namen von 74 seiner Zeitgenossen. Darüber befinden sich fast lebensgroße vollplastische Darstellungen bedeutender Persönlichkeiten aus Friedrichs Regierungszeit, gefolgt von Szenen aus dem Leben des „Alten Fritz“.

Der Zweite Weltkrieg konnte dem Standbild, das zu den bedeutendsten deutschen Denkmalplastiken des 19. Jahrhunderts zählt, nichts anhaben. Geschützt von einer gemauerten Ummantelung überstand es verheerende Luftangriffe und den Kampf um Berlin. Zu schaffen machte dem Denkmal erst der Abbau Mitte Juli 1950.

Erste Station der Einzelteile: Ein abgelegener Teil des Parks Sanssouci in Potsdam. Zehn Jahre lang fristen die Teile hier ein Schattendasein, versteckt hinter Strohmatten. Aus Respekt vor der Kunst wurde von den DDR-Oberen wohl auf eine komplette Zerstörung verzichtet, wie Wieland Giebel, Gründer des Berlin Story Verlags und Herausgeber eines Buches über das Reiterstandbild, erklärt.

Anfang der 60er Jahre wäre es dann aber doch beinahe so weit gewesen. Ein eifriger SED-Funktionär wollte die Bronzeplastik offenbar einschmelzen lassen. Glaubt man dem damaligen DDR-Kulturminister Hans Bentzien, dann verhinderte sein Haus dies in einer skurrilen Nacht-und-Nebel-Aktion: Das Denkmal wurde nachts abtransportiert – nur um es an einer nicht weit entfernten Stelle im Park heimlich wieder abzuladen. Gesicherte Erkenntnisse liegen darüber allerdings nicht vor.

Erst 1962 tauchte das Denkmal aus dem Untergrund wieder auf und erhielt einen Platz im Hippodrom des Schlossparks Charlottenhof. Wie genau es dazu kam, darüber wissen die Experten bis heute nicht viel. Eine Rolle spielten aber sicherlich Berichte in der westdeutschen Presse über den schändlichen Umgang mit der Plastik, wie der Kunsthistoriker Helmut Börsch-Supan vermutet. Friedrich saß in dem Park knapp 20 Jahre hoch zu Ross. Das Standbild entwickelte sich Giebel zufolge zum Geheimtipp und Publikumsmagneten.

Nach 30 Jahren folgte dann die Rückkehr. Friedrich wurde – wenn auch um einige Meter verschoben – im Dezember 1980 an seinem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt. Die Gründe für diese Aktion sind vielschichtig. Zum einen spielten wohl repräsentative Überlegungen eine Rolle. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wollte die Staatsführung unter Erich Honecker die Allee Unter den Linden verschönern. Zum anderen wandelte sich das Friedrich- und Preußen-Bild in der DDR-Geschichtswissenschaft. Für Giebel ist es aber auch Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins Ost-Berlins, entlang der Geschichte Preußens eine Staatslinie etablieren zu wollen.

In wenigen Jahren wird sich der Blick Friedrichs auch wieder auf das Schloss richten. Als Humboldt-Forum soll es 2019 in die Mitte Berlins zurückkehren.

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Mehr über das Reiterstandbild Friedrichs des Großen, über die Baugeschichte und über alle abgebildeten Persönlichkeiten …

 

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