Friedrich der Große – wie live als DVD

Diese DVD von Beate Schubert ist unglaublich. Man hat den Eindruck, direkt dabei zu sein. Dieses Gefühl entsteht, weil ein sehr großer Teil des mehr als zwei Stunden lange Films aus bewegeten, farbigen Bilder besteht.

Beate Schubert hat lange Erfahrung, einen Stoff gut aufzubereiten und zu entwickeln. In der ersten Hälfte geht es um die Zeit des Kronprinzen, also bis zur Krönung im Jahr 1740. Das läßt sich gut erzählen, die Geschichte mit seinem Vater, die mit Katte und schöne Bilder vom lustvollen Hof in Dresden.

Die eigentliche Herausforderung bei einem Film über Friedrich besteht in der Vermittung der Schlachten und Kriege. Zu wenig sind uns diese heute präsent. Welche Bedeutung hat welche Schlacht? Mein Großvater wußte das, ich mußte mir das erst unter Schwierigkeiten anlesen. Beate Schubert macht dem Zuschauer das Verständnis einfach. Sie führt mitten ins Schlachtgetümmel und vermittelt den politischen Hintergrund.

Die Kommentare der beiden Professoren helfen dabei, sie sind nicht zu lang. Beide können auch gut erzählen. Prof. Dr. Jürgen Kloosterhuis, der Chef des Geheimen Preußischen Staatsarchivs in Dahlem. Aus seinen Quellen stammen auch die vielen, überraschenden Originaldokumente, die man zu sehen bekommt. „Und wenn die Türken kommen, bauen wir ihnen Moscheen“ – als handschriftliche (wie sonst?) Notiz Friedrichs auf einem Dokument.

Prof. Bernd Sösemann treibt die Handlung voran, erhellend, einfach.

Der Schluß kommt nicht zu kurz, nämlich die 23 Jahre, in denen sich Friedrich dem Aufbau und Wohlstand des Landes widmet, den Maulbeerbäume und Seidenraupen, der Trockenlegung des  Oderbruch.

Der gesamte Film ist nicht verkitscht oder auch einseitig und ausschließlich vom Heute aus kommentiert wie das, was ich im rbb gesehen habe. Da standen mir die Haare zu Berge.

Phänomenal- aber es gibt ein Dilemma. Die großartigen Filmszenen, diese Massenszenen und Schlachten stammen zum großen Teil aus Nazi-Filmen. Beate Schubert gibt ihrer Dokumentation eine weitere Ebene, nämlich die der ideologiekritischen Filmkritik. Sie erklärt, warum die Nazis welche Schlüsselszenen in den Filmen brauchte. Durchhalten, Leiden, Blutopfer. Das kann man alles mit Friedrich gut machen, ihn instrumentalisieren. Er liegt unter der Erde und kann sich nicht wehren.

Die DVD mit mehr als zwei Stunden Spielzeit, alles in Farbe, auch die ehemals schwarz/weißen Filmsequenzen, ist erhältlich in der Buchhandlung Berlin Story, Unter den Linden 40 zum Preis von 22,90 Euro, ein Schnäppchenpreis für diese sagenhafte Leistung.

PS:  „Frauen sind in Friedrichs Refugium (Sanssouci) nicht zugelassen …“ heißt es nach eineinhalb Stunden. Da empfehlen wir die beiden Bücher über Elisabeth Mara aus dem Berlin Story Verlag – der Roman ist bereits erschienen, die Biographie kommt demnächst. Daraus geht hervor, dass Friedrich die junge Sängerin sechs Wochen hindurch nach Sanssouci einlud.