Freitag, 3. November 2006

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Jürgen Henschel, der Fotograf der „Wahrheit“, der Zeitung der Sozialistischen Einheitspartei Westberlin (SEW) wird im Altern von 83 durch eine Ausstellung seines Werks im Kreuzberg Museum geehrt. Links von ihm hält die noch amtierende Bürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg die Laudatio, Cornelia Reinauer (PDS – Die Linke). Rechts von ihm wartet der zukünftige Bürgermeister Dr. Franz Schulz auf seinen Einsatz. Der Berlin Story Verlag hat das Buch zur Ausstellung gemacht. Das Schalmeien-Orchester Fritz Weineck spielte „Wir sind die junge Garde des Proletariats“ und andere schöne Lieder.Jürgen Henschel ist Autodidakt, hat erst nebenbei fotografiert, um sich in den 50er und 60er Jahren über Wasser zu halten, kam zur „Wahrheit“ und war deren einziger Fotograf. Von 1967 bis 1988 nahm er Zehntausende von Fotos auf, alle in Westberlin (zusammengeschrieben), nie im Osten, nie anderswo. Den Schwerpunkt bildete die soziale Bewegung in Kreuzberg. Jetzt überließ er einen Bestand von 20.000 Fotos dem Museum.
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Dieses Bild des von einem Polizisten erschossenen Benno Ohnesorg ist sein bekanntestes Foto. Es ist das Symbolbild einer Epoche, die Opferikone der Studentenbewegung, sagte der Fotohistoriker Prof. Diethard Kerbs. Benno Ohnesorg nahm an der Demonstration gegen den Schah von Persien teil. Sein Tod markierte das Anfangsdatum der Studentenbewegung. Die junge Frau trägt festliche Kleidung, als sei sie auf dem Weg zur Oper. Sie erhielt später Berufsverbot in zwei Bundesländern und ging als Übersetzerin nach Italien. Wenige Monate nach dem Tod von Benno Ohnesorg wurde auf Rudi Dutschke geschossen. Er starb an den Spätfolgen.
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Jürgen Henschel hat nie Aufhebens um sich gemacht. Man hatte den Eindruck, er konnte den warmherzigen Empfang und die Würdigung der gut 200 Gäste heute genießen. Wir sind geehrt, von Martin Düspohl vom Kreuzberg Museum gefragt worden zu sein, ob wir das Buch machen wollen.
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Das Treppenhaus im Bankhaus Löbbecke und der Hauptstadtrepräsentanz von M.M. Warburg im historischen BehrenPalais am Opernplatz (Bebelplatz) rechts neben dem Hotel de Rome. Wieder ein schönes Stück Berlin. Mit großem Aufwand und stylsicher renovierte die zweitgrößte deutsche unabhängige Privatbank. Ab 1889 war hier und dann im Gesamtkomplex die Dresdner Bank.
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Thomas Fülling beschreibt heute in der Berliner Morgenpost ausführlich, wie es mit den Renovierungsarbeiten voranging. Hier in der Bildmitte notiert er noch gewissenhaft, bevor er sich aufs Rad schwingt und zur Redaktion rast. „Während der einjährigen Ausbauzeit mußten Spezialisten unter anderem dicke braune Farbschichten abtragen, um den Originalzustand von Wänden und Türen wiederherzustellen. Stuckelemente zieren wieder die Decken der bis zu fünf Meter hohen Räume. In der dunklen Holztäfelung stecken noch Granatsplitter – Zeugnisse der schweren Kriegsschäden am Gebäude. Wie schon im benachbarten Hotel de Rome wurde auch die filigranen Mosaiksteinböden aufwendig restauriert.“
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Joachim Olearius vom Bankhaus M.M Warburg & Co. kann diesen Blick vom Balkon im dritten Stock mit seinen Gästen oder Kunden nicht immer genießen, aber immer, wenn er aus Hamburg nach Berlin kommt.

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