Exponate des Historiale Berlin Museums (3): 1880

10 Kinder in einem Zimmer. Die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung waren 1880 katastrophal, menschenunwüdig, grausam. Das ist schwer darzustellen. Die Szene wirkt im Historiale Berlin Museum immer noch idyllisch, eine Idylle der Armut.

Dieses Foto aus der Zille-Zeit – aber nicht von Zille – ist sehr bekannt und wird immer wieder eingesetzt, weil es kein anderes, ähnliches gibt.

Monika Bauert, die Szenenbildnerin des Museums, hat intensiv nach einer Alternative geforscht, weil wir eigentlich nicht das Standard-Foto einsetzen wollten. Wir haben aber keine Alternative gefunden. Damals hat man selten in Räumen fotografiert. Armut zu fotografieren war kaum das Thema von Fotografen.

Für diese szenische Darstellung, die sich den Besuchern einprägen soll, wurde ein alter Holzfußboden verlegt. Links an der Wand befindet sich ein Türklopfer, der Vorläufer der Klingel. Der Bollerofen stammt aus der Zeit. Verrostetes Ofenrohr gibt es aber nicht einmal bei ebay. Das Rohr wurde von Christian, einem Schmied mit restauratorischer Ausbildung, verrostet. Vorher hatte Christian gerade das Gegenteil gemacht, nämlich die Standbilder der Generale der Befreiungskriege im Prinzessinnengarten gereinigt. Mit dem Schaber. Mit der Hand.

Zur allgemeinen Information: Nebenan in der Berlin Story gibt es einen verrosteten Karl Marx zu kaufen. Käufer sind besonders gern Italiener. Da gab es viele Kommunisten …

Dass ebay der große Freund der Museen ist, lernten wir von einem anderen Museum. Auch die erste Ausgabe des SPIEGELS im Original oder ein CARE-Paket erwarben wir über ebay. Da braucht man Geduld.

In dieser szenischen Darstellung finden sich weitere Exponate der damaligen Zeit: Die Öllampe an der Wand über dem Tisch, der Waschtrog darunter, Milchkannen, Brotkasten sowie eine Bohnen-Schnibbel-Maschine auf dem Tisch.

Auf dem Boden in einer kleinen Schüssel befindet sich eine Puppe aus der damaligen Zeit.

Die Handwerker, erfahrene Ausstellungsbauer um Stefan Dotterweich, haben das alles mit Heißkleber so befestigt, dass die Exponate keine Beine kriegen.

Mehr über Exponate im Historiale Berlin Museum am 22. Mai (historisches Stadtmodell) sowie am 26. Mai 2011 (Friedrich der Große) in diesem Tagebuch.