„Er ist wieder da“ – Timur Vermes- Buchbesprechung

Hitler wacht auf einer Parkbank in der Nähe des Führerbunkers auf und ist im Heute. Ich kann darüber nicht lachen. Ich fasse solche Bücher mit Glacéhandschuhen an. „Adolf, die Nazi-Sau“ von Walter Moers hat mir nicht gefallen. Als ich das Broadway-Erfolgsmusical „Frühling für Hitler“ im Admiralspalast sah, bin ich ganz starr geworden. Ich war der Meinung, man kann (in Deutschland) eigentlich keine Witze über Hitler machen.

Ich habe meine Meinung geändert
. Timur Vermes hat mit „Er ist wieder da“ einen Roman geschrieben, der intelligent, zeitgemäß, sozialkritisch ist und die heutigen Medienfuzzis in die Pfanne haut. Ich habe mich sehr lange nicht so gut amüsiert, ich habe sehr lange nicht so oft laut beim Lesen aufgelacht.

Literaturtechnisch gesehen erinnert mich das Buch an das von Hans Paasche aus dem Jahr 1912, also vor genau hundert Jahren „Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschlands„, in dem er Hohn und Spott über die anmaßende und groteske Lebensführung der „zivilisierten“ Menschheit gießt, heißt es zutreffend in Wikipedia. Paasche, der das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin besuchte (das Buch dazu von Heinz Wegener im Berlin Story Verlag), erfindet den Afrikaner, der nach Deutschland kommt, um den Menschen in der Kaiserzeit einen Spiegel vorzuhalten.

So macht es auch Timur Vermes. Aus der Ich-Perspektive des Führers nimmt er die Oberflächlichkeit und fettgefressene Dummheit unserer Gesellschaft aufs Korn, also der medienprägenden Teil der Gesellschaft, nicht irgendwelche Randgruppen.

Bei den Fragen, die die Menschen an Hitler stellen, handelt es sich um Lappalien. Er antwortet politisch-gesellschaftlich grundsätzlich. Sie halten das für einen Witz. Es ist eine Aneinanderreihung von (scheinbaren) Missverständnissen, komisch, hohl. Das Leben aus der Perspektive der Fernsehköche und Talkshows, konfrontiert mit existenziellen Belangen.
Ja, es ist manchmal extrem zynisch. Und wie! Das Buch macht mich fassungslos. Timur Vermes hat den Sprachduktus des „Führers“ durchdrungen, er ist in seine Gedankenwelt eingetaucht und kann deswegen so gut literarisch damit spielen.

Auf der Seite von Bastei-Lübbe/Eichborn findet man die ersten Seiten, die einen guten Eindruck vom Buch geben.

„Er ist wieder da“ von Timur Vermes hat 396 Seiten und kostet 19,33 Euro. Es ist erhältlich in der Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden 40.