Ein Sonntag auf der Leipziger Buchmesse

Was treibt zwei Berliner Verlagsmitarbeiterinnen an einem Sonntagmorgen Mitte März gegen 6 Uhr aus den Betten? Genau: Der alljährliche Besuch der Leipziger Buchmesse!

Mit dem Interconnex geht es gegen 8 Uhr am Berliner Hauptbahnhof los. Mit bester Laune und begleitet vom schönstem Sonnenschein lassen wir die Spree hinter uns und fahren einem der ältesten Messegelände der Welt entgegen.

In diesem Jahr erwarten uns drei spannende Termine: Ein Gespräch mit Ausblick beim Dienstleister Bookwire (Komplettlösung für den E-Book-Vertrieb), die Suche nach neuen Illustratoren bei Filu (Archiv der Zeichner und Fotografen) und die Präsentation unseres Titels Fluchthelfer durch kein geringeren als unseren Autoren Klaus-M. von Keussler im Berliner Zimmer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

 ankunft

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Um 10 Uhr öffnen die Hallen, bleibt Zeit die wunderbare Architektur der Glashalle auf sich wirken zu lassen und zu überlegen welche Halle zuerst gestürmt wird.

Im Getümmel huscht Wigald Boning an uns vorbei. Wir hätten ihn gerne gefragt, wie er wohl auf die Idee seines neuen Buches über gefundene Einkaufszettel gekommen ist, aber dafür ist keine Zeit.

Für uns ist diese Idee nicht neu, da wir mit Badeschaum und Shrimps einen solchen Titel schon längst im Programm haben.

Die Entscheidung fällt indessen auf Halle 5, die mit unseren Lieblingsverlagen, den unabhängigen Verlagen, Zeitungen und Zeitschriften den größten Reiz auf uns ausübt. Unseren ersten Termin haben wir hier in einer Stunde.

Halle5
Mit Johanna Krobitzsch von Bookwire tauschen wir die Erfahrungen des vergangenen Jahres und schmieden Pläne für das nächste. Wie liefen die Titel im vergangenen Jahr? In welchem Shop laufen unsere Titel am Besten? Welcher Titel soll als nächstes in ein E-Book konvertiert werden?

Es gibt verschiedene Ideen: Sollen wir Titel fördern und digital zugänglich machen, die bei Amazon gut laufen? Oder machen wir dem Printprodukt damit Konkurrenz? Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Verfügbarkeit in beiden Varianten den Verkauf beider Varianten befeuern kann.

Wie gehen wBerlin Teufelsbergir mit Titeln um, die viele Bilder zur Illustration des Themas benötigen? Beispielsweise Berlin im Mittelalter oder Berlin Geschichte? Gerne würden wir die verschiedenen Sprachausgaben zur Berliner Geschichte als E-Book veröffentlichen, doch zuerst müssen die Bildrechte eingeholt werden. Denkbar wäre außerdem kleinere Sequenzen von unseren den Büchern beigelegten DVDs in die E-Books einzubinden.

Sollten nicht Titel wie Fluchthelfer auch einer jüngeren Zielgruppe digital zugänglich gemacht werden? Ob wir Klaus-M. von Keussler und Dr. Peter Schulenburg für die Idee des E-Books begeistern können?

All das diskutieren wir in einem angenehmen Gespräch, nehmen Zahlenmaterial zur Hilfe, schauen ins aktuelle Frühjahrsprogramm und haben bereits die Titel des Herbstes im Hinterkopf. Mit den Ergebnissen und Anregungen sind wir sehr zufrieden. Das Team von Bookwire besitzt umfangreiche Marktkenntnisse und legt Wert darauf diese bei Entscheidungen über die Titelauswahl mitzuteilen. Die Mitarbeiter haben ein Gespür, welche Titelals E-Book erfolgreich werden können und welche Möglichkeiten der Online-Vermarktung in Frage kommen. Danke nach Frankfurt a. M. an Johanna Krobitzsch und das Team von Bookwire für das interessante Gespräch und die gute Zusammenarbeit!

Mit neuem Tatendrang machen wir uns auf den Weg in Halle 4, um dem Archiv der Zeichner und Fotografen FILU einen Besuch abzustatten.
Das Durchsehen der Arbeitsproben dauert seine Zeit. Über 500 Talente listet FILU seit Anfang der 90er Jahre. Es macht Spaß die vielen verschiedenen Facetten von Kreativität zu sichten, stets begleitet von der Frage: Passt dieser Stil zu uns und womöglich zu einem unserer nächsten Kinderbücher? Wir haben bereits Kinderbücher im Programm, von uns aus können noch einige hinzukommen. Berlin bietet unerschöpflich viele Themen.

Sattgesehen, aber hungrig, wird es Zeit für die Mittagspause und einen kurzen Abstecher in Halle 2, um die vielen aufwendig gestalteten und teilweise verrückten Kostüme der Animefans zu bestaunen. Von Batman über Rotkäppchen bis hin zu reinen Fantasiegewändern – alles dabei. Immer für einen Schmunzler gut!

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Ein Blick auf die Uhr verrät, dass es Zeit wird unseren Autoren Klaus-M. Von Keussler zu treffen und die Präsentation im Berliner Zimmer (Börsenverein des Deutschen Buchhandels) um 14 Uhr anzugehen. Wir werden freundlich empfangen von Team des Landesverbandes Berlin Brandenburg. Auch Detlef Bluhm – Geschäftsführer des Landesverbandes – folgt den Beiträgen aufmerksam und richtet ein Wort an die Besucher. Nach dem Vortrag zum Titel Fluchthelfer zeigt er sich tief berührt und beeindruckt.

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Innerhalb einer knappen Stunde fesselt Herr von Keussler das Publikum mit spannenden Erzählungen aus der Zeit als die Mauer die Hauptstadt teilte. Er beantwortet die Frage nach dem Warum. Warum war es der Gruppe um Wolfgang Fuchs ein Anliegen Menschen bei der Flucht behilflich zu sein? Er liest Textpassagen, damit das Publikum einen Eindruck von den Schilderungen im Buch bekommt. Er zeigt Bilder, um zu verdeutlichen, wie Fluchtaktionen abliefen und skizziert immer wieder ein Gesamtbild der Stimmung auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in Berlin. Wir sind nicht die Einzigen, die eine Gänsehaut bekommen. Mit uns lauschen annähernd 80 Messebesucher gebannt den Worten von Herrn von Keussler.

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Beim anschließenden Signieren bildet sich eine lange Schlange…

Autor, Landesverband und die Mitarbeiterinnen des Verlages sind erleichtert und glücklich. Unser Dank gilt an dieser Stelle allen Beteiligten des Börsenvereins (Marieke Grabow, Daniela Zielberg und Detlef Bluhm) sowie Klaus-M. von Keussler!

Nun bleibt noch Zeit für die Schnäppchenjagd und nette Gespräche, beispielsweise am Stand von Ch. Links oder unserer liebsten Kulturzeitschrift DAS MAGAZIN.

Messe-Ende

Ein langer Messetag neigt sich dem Ende.
Mit vielen neuen Eindrücken starten wir heute in die Woche und sind uns einig: Wir kommen wieder – keine Frage!

Karima Hayit und Stephanie Hönicke

6 Kommentare
  1. verlagsfremde Kollegin
    verlagsfremde Kollegin says:

    Danke für den Messe-Bericht. Gerade für nicht-brancheninterne Menschen ist er spannend zu lesen. Kleine Mädchen kann ich allerdings nicht erkennen. Doch: kostümiert im unteren Drittel. Komödie … nun, ich glaube, es ist nicht besonders komisch und witzig, Bücher unter die Leute zu bringen. Sondern mehr so mit Kraft und Geschick und Verkaufstalent verbunden. UND mit Interesse für die und Teilnahme an der Leipziger Messe. Zum Beispiel.

  2. Dani
    Dani says:

    Da ist man gleich traurig, dass man nicht dabei sein konnte – ein Beitrag, der Lust auf Bücher und die Leipziger Buchmesse macht! Danke für die schönen und spannenden Einblicke!

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