Egon Bahr gestorben

Egon Bahr 20130430So sah Egon Bahr am 30. April 2013 aus – in der SPD-Zentrale in Berlin (Foto rechts).

 

Kennengelernt habe ich Egon Bahr genau zur Zeit des Mauerfalls. Als Bundestagsabgeordneter hatte er sein Büro in Bonn im Haus im Tulpenfeld. Da war ich auch, damals arbeitete ich für das Europäische Parlament.

 

Bahr kam immer zur gleichen Zeit mittags in die Kantine. Beim ersten Mal habe ich respektvoll gefragt, ob ich mich zu ihm setzen darf. Später hat er mich herangewinkt, er diskutierte ja gern und wollte Meinungen hören.

 

Es ging immer um die Wiedervereinigung. Er war sehr vorsichtig. Nicht provozieren. Aber die Wiedervereinigung Deutschlands lag im am Herzen. Er sah ein deutsches Volk. Nur Kohl war ihm in dem Moment suspekt.

 

Ich habe es anders im Kopf als der Publizist Alfred Grosser, der jetzt im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur behauptet, Bahr sei nicht für die Wiedervereinigung gewesen, sondern für zwei deutsche Staaten, die vereinigt sind und die nicht in Europa eingebunden sind. Das stimmt so nicht. Das kann vielleicht irgendwann vor dieser Situation 1989 gewesen sein.

Bahr wollte von mir bei jedem Gespräch wissen, wie die Position der Grünen sei. Es gab keine Position, nur verirrte oder verwirrte Stimmen, erst ging es um Zweistaatlichkeit, dann um Konföderation.

 

Ich konnte Egon Bahr nur sagen, was ich dachte und wollte: Wiedervereinigung schnell und vollständig und ohne Einschränkung. Ich habe diese Meinung sehr klar auch bei den Grünen vertreten – immer in der Angst, meinen Job deswegen zu verlieren. Das habe ich ausführlich vor einiger Zeit in diesem Blog beschrieben. Zu der Frage hatte ich zum Glück ausführlich Tagebuch geführt.