Ebooks, wir und das Börsenblatt

Ein Kommentar von Wieland Giebel

Mit Ebooks beschäftigt sich das Börsenblatt in dieser Ausgabe ausführlich. Der Anlass entspricht auch unserer Beobachtung, dass die Anzahl der tatsächlich genutzten Ebooks seit Weihnachten zunimmt.

Im Beitrag „Der Buchhandel als E-Book-Berater“ (Seite 16 f) heißt es, dass die Filialisten und Großbuchhandlungen seit Weihnachten eine deutliche Steigerung bei den Verkäufen der E-Reader und Ebooks verzeichnen. Das ist so bei der Mayerschen, bei Hugendubel, Thalia und Lehmanns. Der Verkauf sei – so eine andere Buchhandlung – im Januar und Februar noch stärker als Weihnachten gewesen.
In einem Beitrag darüber, wie sich Verlage gegen Schnorrer wehren, die Bücher zum Rezensieren haben möchten, dann aber keine echten Besprechungen machen, sondern nur abstauben wollen, heißt es, dass es er Pressearbeit hilft, dass offenbar viel zu Weihnachten einen Reader bekommen haben und jetzt einfach Ebooks geschickt werden können.

Was haben die Vertreter des Börsenvereins nun zu Ebooks zu sagen. Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer, wird im Börsenblatt (Seite 34) zitiert mit, es gebe „eine Dichte der Veränderungen, die atemberaubend ist“.

In diesem Beitrag über die Veränderungen sagt Verleger Dietrich zu Klampen, der mit Enno Lenze auf dem Podium sitzen wird, die Aussichten für den Buchhandel seien desaströs. Das Ebook-Geschäft werde ohne die Buchhändler gemacht.
Auch Susanne Lange-Wissinger, ehemals Random House meint, dass die derzeitige Entwicklung im Sortiment akute Folgen für die Verlagsprogramm haben wird. Der Hauptvertriebspartner Buchhandel komm abhanden. Kleinere Auflagen seien zwangsläufig die Folge.

Buchhändler berichten (Seite 16), dass die Kunden gern kommen und sich über Ebooks beraten lassen, dann aber online kaufen. Sehr gern kommen die Kunden dann aber wieder, um sich die Geräte einstellen zu lassen (17).

Das Börsenblatt hat aber auch einen Tipp (Seite 12, Kommentar „Investition in den Kunden von morgen“), was der Buchhandel machen kann. Michael Roesler-Graichen, der sich bereits in die Diskussion um die Preisfindungsaktion des Berlin Story Verlags eingemischt hat, rät „Um den buchaffinen Käufer nicht endgültig an die große Online-Konkurrenz zu verlieren, muss ihm am Point of Sale, im Buchladen, mehr geboten werden, als es ein kühl kalkulierendes Blick für angemessen hält.“
Ist das der Tip? Rät er mir das wirklich so?
Rosler-Graichen fährt im nächsten Satz fort:
Es bleibt abzuwarten, ob dieses Rezept anschlägt und die Kunden es dem Buchhandel danken.“
Super Rezept vom Buchhandelsverband. Auf solche Schlaumeier-Rezepte haben wir gewartet. Ich bezahle ihn mit meinen nicht unerheblichen Beiträgen. Er ist mein Dienstleister.

Wenn ich ein Ebook haben wollte, möchte ich es downloaden, sofort bezahlen, sofort haben. Das geht doch zwangsläufig am Buchhandel vorbei.

Die verknöcherten Repräsentanten der Zünfte, über die Richard Wagner schon in den Meistersingern ablästerte, sollten merken, dass ein schönes, aber archaisches System der Produktionsweise sich der technischen und ökonomischen Realität anpasst. Das ist wie 1848. Das politische und das Rechtssystem hatte nicht mehr zu der sich schnell entwickelten kapitalistischen Produktionsweise gepasst und musste den neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen angepasst werden.