Donnerstag, 5. Januar 2006

Gianluca wird heute gefeiert im Börsenblatt, der Wochenzeitschrift, die an alle Buchhandlungen und Verlage geht. Dort beschreibt Volkhard Bode unter dem Titel Italienische Momente, wie ein Buchhandelslehrling dazu kommt, ein Buch über die Humboldt Universität zu schreiben.

Noch einmal die Schulbank drücken zu müssen – das war für Gianluca Falanga »wohl der größte Schock« in seinem neuen Leben als Azubi bei der Buchhandlung Berlin Story Unter den Linden 40. Schließlich kann der Süditaliener, der perfekt deutsch spricht, schon allerhand vorweisen: Er hat Philologie und Literatur in Turin und Kopenhagen studiert, Gedichte veröffentlicht und neben dem Studium in dem kleinen Mailänder Verlag Iperborea als Lektor und Übersetzer gearbeitet. Außerdem wurde seine akademische Abschlussarbeit in Italien als beste philologische Abhandlung 2002 ausgezeichnet. Sein Dasein als Berufsschüler hielt der 28-Jährige sechs Monate aus – dann konnte er in einen Fernlehrgang wechseln, den die Schulen des Deutschen Buchhandels in Frankfurt-Seckbach anbieten. Außerdem machte sich sein Arbeitgeber für eine verkürzte Ausbildungszeit stark. In dem auf Berlin und seine Geschichte spezialisierten Ladengeschäft nahe dem Brandenburger Tor hält man große Stücke auf den jungen Mann aus Turin – auf seine profunden Geschichtskenntnisse, seinen Umgang mit Kunden und nun auch auf seine Fähigkeiten als Autor.

Erstes Buch auf Deutsch
Denn gerade hat Falanga im Verlag der Berlin Story sein erstes deutschsprachiges Buch vorgelegt: ein ebenso unterhaltsames wie lehrreiches Taschenbuch zur Geschichte der Humboldt-Universität, das auch als praktikabler Wegweiser durch den aktuellen Hochschulbetrieb zu lesen ist.

Als Falanga mit einem DAAD-Stipendium in Berlin landete, hatte er noch seinen Forschungsgegenstand, die Nibelungenlieder der Färöer-Inseln, im Blick. Doch so sehr ihn die europäische Literaturgeschichte interessierte – in Berlin wurde ihm klar, dass das einsame Studierzimmer nichts für ihn ist. So zog er die Notbremse, brach die Akademikerkarriere ab und bewarb sich 2003 spontan um eine Berufsausbildung im Buchhandel. »Ich wäre auch nach Turin zurückgekehrt, aber eine Buchhändlerlehre gibt es in Italien nicht«, sagt Falanga. Wofür lebt man im vereinten Europa?
In Berlin fühlt sich der Italiener pudelwohl. Am Prenzlauer Berg, wo er seit zwei Jahren zu Hause ist, haben Sommerabende ohnehin südliches Flair. Was nach der Abschlussprüfung im Frühjahr wird? So genau weiß Falanga das noch nicht. Buchhändler möchte er gern bleiben. Aber auch an Ideen für eigene Buchprojekte fehlt es nicht. Über den Roman, an dem er arbeitet, will er lieber nicht sprechen. Doch eine Kulturgeschichte von Deutschen und Italienern in Berlin ist schon geschrieben, der entsprechende Vertrag mit einem Verlag unterzeichnet.Zur Person
Gianluca Falanga, 1977 im süditalienischen Salerno geboren, studierte in Turin und Kopenhagen Philologie und Literatur. Er übersetzte Belletristik aus nordischen Sprachen ins Italienische und veröffentlichte in Italien Gedichte und literaturwissenschaftliche Untersuchungen. Seit 2002 lebt er in Berlin, wo er derzeit eine Buchhändlerlehre absolviert. Außerdem ist von ihm im Verlag Berlin Story gerade eine Geschichte der Humboldt-Universität erschienen.
image

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar