Donnerstag, 5. Februar 2009

Historiale – eine ziemlich große, schnelle Sitzung. Wir werden vor dem Wochenende zur Kaiserzeit und zu Zilles Milljöh am Montag und Dienstag hauptsächlich Stadtführungen haben, am Mittwoch und Donnerstag einen Historiale-Kongreß mit fünf Vorträgen pro Tag, nämlich am Donnerstag, dem 26. August und Freitag, dem 27. August. Unsere Zeitplan bis zum August steht fest und der Zeitplan für die Historiale-Woche auch. Wie immer haben wir nicht so dicke Mittel für die 200 Geschichtsdarsteller, über zehn Vortragenden und an die zwanzig historischen Interviewpartner (heute kam neu dazu: James Simon). Ob wir den Kaiser in einer Kutsche durchs Brandenburger Tor fahren lassen können, wird das Bezirksamt entscheiden. Wir haben nicht nur einen Kaiser mit einer Kutsche, sondern mehrere Kaiser in mehreren Kutschen. Kaiser Wilhelm I., seinen Sohn Friedrich, den 99-Tage-Kaiser, seinen Enkel Wilhelm II., dann noch einen österreichischen sowie einen aus Rußland. Das, denken wir, könnte dann vielleicht so einen ganz kurzen Moment in der Tagesschau kommen.

Google, die bürgerliche Presse und ein Rolling Stone,
drei rechtliche Angelegenheiten an einem Tag.

Google und andere Volltextsuchen. Sollen wir die Buchtitel des Berlin Story Verlags zur Volltextsuche an Google geben? Das ist nicht so einfach zu entscheiden. Gehen dann unsere Rechte flöten? Was haben die Autoren davon? Kauft dann überhaupt noch jemand ein Buch?
Entsprechende Fragen stellte man sich auch, als es die ersten Cassettenrecorder gab, als CD-Brenner aufkamen und als man aus dem Internet Musik downloaden konnte. Dennoch stieg der Umsatz von CDs. Alles merkwürdige Entwicklungen. Wie werden sich die neuen Möglichkeiten auf unsere Bücher auswirken?
Wir hatten Ende vergangenen Jahres unsere Autoren zu einem Treffen eingeladen und kamen heute zu folgenden Ergebnissen:
Auf unserer eigenen Internetseite bleibt alles so: Wir stellen den Autor vor, das Inhaltsverzeichnis, eine Einleitung und nach Absprache mit den Autoren wenige Kapitel oder Auszüge. Mit diesem Service von uns sind die Autoren sehr zufrieden.
Wir werden es so regeln, daß bei Google zehn Prozent des Buchs zu lesen sind, dann wird das halbe Buch in der Volltextsuche nach Stichworten durchsucht.
Midvox: Wir werden die vollständigen Bücher für ein neues System zur Verfügung stellen, an dem Kunden in der Buchhandlung das Buch durchblättern können – und zwar an einem Touchscreen-Computer, von dem man nichts herunterladen kann. Eine Buchhandlung in Mönchengladbach zum Beispiel wird sich kein Exemplar unseres Buchs zu den Kaiserhöfen als Ansichtsexemplar hinlegen, kann dem interessierten Kunden aber am Bildschirm direkt zeigen, was ihn erwartet, wenn er das Buch kauft.
Ebooks: Jetzt kommen die bequemen Ebooks von Sony und Kindle heraus. Wir können unsere Bücher dafür aufbereiten und wollen den Autoren dafür den identischen Honorarsatz wie für Bücher zahlen. Fraglich ist, ob Ebooks wirklich kopiergeschützt sind. das Eigeninteresse der Hersteller spricht dafür, denn sie wollen ja immer weiter Inhalte verkaufen.
Für die Autoren und für uns war es eine sehr angenehme, kooperative Besprechung. Jetzt werden wir diese Inhalte in die neuen Buchverträge einbauen und die älteren ergänzen, sofern notwendig.

Die bürgerliche Presse. Auf unseren eigenen Internetseiten, auf denen wir unsere Buchtitel vorstellen (siehe voriger Abschnitt oben), sammeln wir auch die Besprechungen der Bücher.
Ein Autor oder eine Redaktion fordert bei uns ein Buch zu Besprechung an. Wir schicken es kostenfrei hin. Das Buch wird besprochen, wenn wir Glück haben, keineswegs immer. Dann haben wir bisher die Besprechung übernommen und auf die Buchseite gesetzt. Das ist illegal. Dafür müssen wir jetzt zahlen, rückwirkend. An einem Tag erhielten wir schöne, gelbe Einschreiben mit Rückantwort von drei großen, nationalen Blättern. Wir möchten deren Beiträge über unsere Bücher oder die Buchhandlung oder die Historiale gern auf unserer Seite haben, weil Verlinken immer wieder dazu geführt hat, daß die Besprechung irgendwann nicht mehr zu finden war, weil zum Beispiel die Internetseite der Zeitung umgezogen war.
Selbst wenn eine Zeitung aus unseren (meinen) historischen Forschungen auf unserer Internetseite abpinnt (sonst nirgends veröffentlich, selbst aufwändig in Archiven recherchiert), müssen wir nach anerkannter Rechtslage offenbar dafür zahlen. Diese Auseinandersetzung könnte sich noch etwas hinziehen. Deswegen finden Sie momentan keine Buchbesprechungen aus Zeitungen bei uns.

Keith Richards. Es gibt eine Karikatur von Keith Richards, dem Rolling Stone, von einem sehr bekannten Karikaturisten (meint sein Anwalt), von dem wir leider noch nie gehört hatten. Diese Karikatur war wohl auf der Eastside Galerie. Dann hat jemand das Bild fotografiert und mit einigen anderen Bildern von Mauersegmenten auf ein T-Shirt gedruckt. Vielleicht war die Karikatur auf der East-Side Galerie aber gar nicht von dem Künstler, sondern abgemalt. Wir wissen das alles nicht, weil wir das T-Shirt nur verkauft haben – und weil uns das eigentlich ziemlich egal ist. Das sollte es aber nicht sein, weil wir auch als Verkäufer prüfen müssen, ob die rechtliche Situation geklärt ist. Daß das im wirklichen Leben gar nicht geht, ist rechtlich unerheblich. Jetzt zahlen wir an den Karikaturisten freiwillig etwas, damit der Rechtsfriede wieder hergestellt wird.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar