Donnerstag, 5. August 2004

In der Ausstellung liegt ein Gästebuch und schon der allererste Eintrag war voll daneben. Das darf ich aber nicht ins Gästebuch schreiben, weil das nur für Gäste ist. Die dürfen da alles, ich nichts. Aber hier darf ich. Es heißt also im Gästebuch:

„Das Berliner Schloss wurde nicht von den Kommunisten zerstört, sondern von englischen/amerikanischen Bomben. Die Bomben wurden geworfen, weil die Nazis die Welt mit Krieg überzogen hatten!
(Weil ich hier unfreiwillig Zeuge eines merkwürdigen Dialogs wurde.)"
Besucher aus Bochum, 31. 7. 2004

Ich würde darauf gern antworten:
„Vielen Dank für diesen ersten Eintrag ins Gästebuch, der uns die Gelegenheit bietet, wirklich ausnahmsweise Stellung zum Gästebuch zu beziehen.

Wir sehen es als Aufgabe einer geschichtlich ausgerichteten Buchhandlung an, möglichst viele Quellen zur Verfügung zustellen. Quellenkritische Geschichtsschreibung wurde an der (heutigen) Humboldt-Universität intensiv gelehrt. Fragestellung des Historikers sollte sein, wie es eigentlich war. Und nicht, wie es in die Weltanschauung oder gesellschaftliche oder erzieherische oder auch religiöse Vorstellungen am besten passt.

Wir haben eine umfangreiche Abteilung zum Stadtschloss, aus der in Form von Fotos, Texten, Berichten aber auch Filmen hervorgeht, dass das Schloss eben nicht durch englische und amerikanische Bomben zerstört war. Es war stark beschädigt, nur etwa 20 Prozent der Bausubstanz war nicht mehr brauchbar. Wir haben eine weitere umfangreiche Abteilung, die sich mit den Zerstörungen nach dem Zweiten Weltkrieg im Osten und im Westen befasst.

Das Schloss wurde 1950 gesprengt. Davor gab es national und international heftige Diskussionen, alle gründlich dokumentiert. Viele Menschen wollten, dass das Schloss nicht gesprengt wird. So war es eigentlich.

Ohne Frage ging der Krieg von Deutschland aus, und ohne den Krieg hätte es keine Bomben auf Berlin, kein Schaden am Schloss und auch keine spätere Sprengung gegeben.

„Wie es eigentlich war“ bedeutet in diesem Fall, dass nicht oder nur sehr eingeschränkt die (hier linke) politische Wunschvorstellung zutrifft, nämlich die Kausalkette Hitler, Faschismus, Krieg, Bomben auf Berlin, Zerstörung. Eigentlich war es so, dass die Kommunisten, die kommunistische Regierung der DDR, das Schloss als Symbol des Preußentums sprengen wollte, um die Geschichte zu entsorgen.

Wir freuen uns, zu diesen Themen umfangreich Material zur Verfügung stellen zu können, Wieland Giebel“

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