Dienstag, 16. August 2005

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Angelina Moukahal im Gespräch mit der Journalistin Miriam Ksoll darüber, wie man Tourismusassistentin wird und was man als Praktikantin bei uns macht. Neben der Arbeit in der Buchhandlung und dem Marketing betreut Angelina selbständig das Projekt, ein komplettes Buch zu machen, nämlich unseren Reprint von Dieudonné Thiebault, die persönlichen Erinnerungen des Französischlehrers von Friedrich dem Großen nach zwanzigjährigem Aufenthalt in Berlin. Das 500-Seiten-Buch kommt bei uns Ende November heraus, ist aber schon so gut wie fertig. Der Bericht über Angelina kommt an diesem Sonntag in der B.Z. in der Beilage zu Weiterbildung.
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Die Honoratioren (man könnte aber auch sagen die treibenden Kräfte) des Denkmalschutzes und der Geschichte trafen sich zur Besichtigung der Heiliggeistkapelle, einem Ursprungsort Berlins an der Spandauer Straße, kaum auffällig im Straßenbild, weil auf der einen Seite vom Dom-Aquaree abgeschirmt und auf der anderen Seite an das Gebäude der Fakultät der Wirtschaftswissenschaftler der Humboldt Universität in der Spandauer Straße 1 angelehnt. Landeskonservator Professor Dr. Haspel und Herr Heuler vom Landesdenkmalamt erläuterten die Restaurationsarbeiten.
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Das restaurierte Kuppelgewölbe der Heiliggeist-Kapelle. Wo heute das Dom-Aquaree steht, nämlich von der Spree bis zur Spandauer Straße, lag einst das Heiliggeist-Hospital, außerhalb der Stadtmauern, hinter dem Schloß. Etwa seit 1200 gab es das Hospital. Die Kapelle entstand um 1300. Das kann man mit modernen Verfahren ziemlich genau feststellen. Die Gewölbedecke auf diesem Foto wurde wahrscheinlich 1476 gebaut. Ende Oktober 2005 wird die Kapelle der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwischen 1860 und 1880 entstand an der Spree die Börse, die immer mehr Platz für sich beanspruchte. Man dachte damals daran, die Kapelle abzubauen und in den Wedding zu versetzen. Das rief Empörung hervor. Baumeister der Börse war Friedrich Hitzig. Über ihn und die Ausgrabungen sowie die Geschichte der Börse berichtet ausführlich Dr. Heinrich Lange, unser Freund und Stammkunde, auf den Seiten des Vereins für die Geschichte Berlins [www.DieGeschichteBerlins.de].

Für den familiären Teil der Leserschaft etwas Familiengeschichte: Der Vater des Baumeisters der Börse war der Jurist, Verleger und Schriftsteller (Julius) Eduard Hitzig (1780 – 1849) http://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Eduard_Hitzig. Der Sohn des Architekten der Börse hieß auch wieder Julius Eduard Hitzig (1838 – 1907) http://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Hitzig oder www.catalogus-professorum-halensis.de/hitzigeduard.html, war Hirnforscher und zwar der, der zu Hause im Wohnzimmer mit einem Kollegen einem Hund den Schädel öffnete und durch Elektrostimulation herausfand, welche Teile des Gehirns wofür zuständig sind. Das ist insofern bemerkenswert, als ihm dabei Selma Fenner zusah, seine Frau, die Großmutter meiner gleichnamigen Mutter Selma Fenner, die jetzt wenige Minuten entfernt an der Jannowitzbrücke lebt.

Herr Heuler vom Landesdenkmalamt kam erstmals 1993 in die Heiliggeistkapelle. Es ging darum, daß in der als Mensa der Humboldt-Universität genutztem Raum von der Decke immer wieder Putz und Farbteile runterkamen und man aus hygienischen Gründen eine Zwischendecke einziehen wollte. Dass es sich um Deckengemälde des Mittelalters handelte, um unwiederbringliches Kulturgut, etwas, was es sonst in Berlin aus dieser Zeit überhaupt nicht mehr gibt, war nicht so im Bewußtsein. Die Deckengemälde wurden erhalten und sind heute zu sehen. Ein Jahrzehnt später wurde das benachbarte Hotel und Geschäftshaus gebaut, das Dom-Aquaree. Um die Kapelle zu schützen, brachte man Erschütterungsmelder an und legte die Baustelle mehrfach lahm.
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Der Dachstuhl der Kapelle wurde ebenfalls im Original erhalten und durch zusätzliche Einbauten gestützt. Den Dachstuhl kann man durch zwei Fenster sehen, die sich im Treppenhaus der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität (Spandauer Straße 1) im zweiten Stockwerk (vielleicht im dritten) befinden.

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