Die Treuhand — Klaus Behling — Buchbesprechung

Behling TreuhandKlaus Behling, der mehrere Bücher im Berlin Story Verlag veröffentlichte, hat jetzt in der Edition Berolina ein 480-Seiten Buch über die TREUHAND vorgelegt.

Aufwühlend: Der Mann mit dem Mercedes fragt noch vor dem Abbau der Mauer die Frau auf der Terrasse in Potsdam, die auf den schönen Blick zum Neuen Garten hinweist: „Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wohin Sie dann ziehen?“ Von wegen alles Volkseigentum. Die Villen werden zurückgegeben oder verkauft.

 

Behling betrachtet die Treuhand sehr differenziert. Er schildert den guten Willen und die Leuchturmprojekte wie Carl Zeiss und Jenoptik in Jena, aber auch die Spekulanten und Schnäppchenjäger, die sich unter den Nagel reißen, was nur geht.

 

Dabei geht Klaus Behling exemplarisch vor, aber er abstrahiert auch und erläutert, dass die kriminelle Abzocke meist nach einem ähnlichen Schema funktionierte: Die erste Privatisierung ging schief, Regierung und Lokalpolitiker standen unter dem Druck, Arbeitsplätze zu erhalten. Da traten die Glücksritter mit unglaublichen Versprechungen auf und bekamen das Geld hinten rein gesteckt.

Das Buch ist stark, weil es aus der Praxis, aus den zahllosen, gut belegten Fallbeispielen, schönen und entsetzlichen, zum Generellen übergeht, zu den extremen Herausforderungen und zur Einordnung in übergreifende Einheiten. Die regionalen Differenzen zum Osten seien heute nicht größer, als solche im Westen zwischen Hessen und Schleswig-Holstein oder dem besonders vernachlässigtem Ruhrgebiet, aber sie seine deutlich geringer als im Durchschnitt regionaler Unterschiede in den G7 Staaten.

 

480 Seiten, 9,99 Euro

Klaus Behling, 6 Minuten Treuhand-Film in „Stilbruch“, ARD Mediathek

 

Die Verlagsankündigung der Edition Berolina:

Klaus Behling hat seit 1990 die Anstalt beobachtet, mit Managern aus dem Westen und Arbeitslosen aus dem Osten gesprochen, Betriebe besucht und Akten gewälzt. Daraus entstand eine Bilanz, die einige Erfolge beim Neustart der früheren DDR-Wirtschaft ebenso zeigt, wie die vielen Hoffnungen, die in Enttäuschungen endeten.