Die Samstagnacht der Kreuzbergbücher

Nebenan gab’s Krimis, unten Kreuzberger Molle

Dieses Wochenende war ein besonderes für den Berlin Story Verlag. Einen langen Abend lang bis in die Nacht hinein stellten wir (fast) all unsere Bücher über eines unserer Lieblingsthemen vor: Kreuzberg. Mitten im Getummel der 15. Langen Buchnacht auf der Oranienstraße hatten wir den  gemütlichen Bibliotheksraum über dem Wirthaus Max & Moritz besetzt. Nicht nur das Verlagsteam und zwei waschechte Kreuzberg-Fotografen lieferten Geschichte und Geschichten, auch das Publikum hatte viel beizutragen…

Los ging’s mit einer kleinen Vorstellung des Verlags selbst. Enno Lenze und Wieland Giebel berichten aus ihrer Sicht als Verleger bzw. als Lektor, wie Programmplanung und Büchermachen bei uns so ablaufen und wie der Stadtteil mit seinen Kiezen, Menschen und Einkaufszetteln (!)  bei uns vertreten ist. Interessierte konnten nachhaken. Nur eine Frage ließ sich nicht zufriedenstellend beantworten: Wieso sitzen wir eigentlich nicht in Kreuzberg? (Kommt uns einfach mal besuchen – hier in Mitte ist es auch sehr schön!)

Wieland Giebel, seit Jahrzehnten Kreuzberger, erzählte Historisches zu Bildern aus Kleine Kreuzberggeschichte und Der Luisenstädtische Kanal. Seine selbsternannte Buch-Karaoke sprang quer durch die Jahrhunderte – und belegte nebenbei, was für eine Glücksache es ist, dass wir zwischen Moritzplatz und Oranienplatz überhaupt noch Kneipen statt Autobahntrassen haben.

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Michael Hughes mit einem seiner raren Mauer-Portraits

Den legendären wilden 80ern wurden gleich zwei Präsentationen gewidmet: Zunächst plauderte der gebürtige Brite Michael Hughes über seine erste Kreuzberg-WG, die Radikalisierung der Linken, Tränen beim Mauerfall und darüber, warum man hier auf keinen Fall Coca Cola bestellen durfte. Genauso lebhaft wie seine Erinnerungen sind seine großartigen Fotografien aus der Zeit, die man zum Teil im Ausstellungskatalog zu Stillstand und Bewegung findet. Noch mehr seiner Kreuzberg-Bilder, nämlich fast 100, werden im August mit Inside Kreuzberg erscheinen.

Ebenfalls für Vorfreude sorgt das Buchprojekt Häuserkampf von Lothar Schmid. Auch wenn das Buch erst im Winter erscheint, zeigte der Fotograf schon viele seiner Bilder dem inzwischen dicht gedrängten Publikum. In vier Kapiteln berichtete er von Voraussetzungen, Hausbesetzungen, Räumungen und Sanierung. Viele Gäste konnten aus eigenen Erfahrungen ergänzen.

Nebenbei am Büchertisch wurde begeistert in den Bildbänden geblättert (besonders in Peter Frischmuths SO36-Buch) und über unsere Postkarten geschmunzelt. Verkauft wurde auch, doch der Erfolg des langen Sonnabends lässt sich vor allem am steten Besucherstrom trotz massig Konkurrenzprogramm, der Stimmung, den Gesprächen messen.

Bis zum nächsten Jahr!

 

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  1. […] Auch der Fotograf selbst kam schon zu Wort, zuletzt im Video-Interview, zuvor mit einer Dia-Show mitten in Kreuzberg. Jetzt können sich alle selbst einen Eindruck machen, wie der Brite die Jahre von 1982 bis zum […]

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