Die elfte Plage – Buch über Berlin-Touristen, Besprechung

Laudenbach, Plage

Stänkerer gegen Berlin kommen häufig aus dem Dunstkreis der Süddeutschen Zeitung. Das ist seit zwanzig Jahren so und jetzt wieder mit dem Buch „Die elfte Plage“ von Peter Laudenbach. Laudenbach schreibt für die Süddeutsche. Auf der Internetseite seines Verlags wird das Buch dann auch von der Süddeutschen gelobt: „Peter Laudenbach hat in einem spöttischen Essay die Verwandlung der Stadt in ein touristisches Eventangebot und kommerzielles Freizeittheater untersucht …“.

Die Kapitelüberschriften lauten: „Touristen sind eine Plage – Sie sind überall! Und sie werden mehr – Geschichte wird entsorgt.“ Und dann kommt als Sonnengestalt ausgerechnet Schulz „Last Man Standing: Franz Schulz“, also der ehemalige Bürgermeister von Kreuzberg.

In der Einleitung heißt es: „Fröhlich und ohne sich den Appetit zu verderben zu lassen, picknicken sie am Mahnmal für die ermordeten Juden … selbst die Benutzung der U-Bahn übersteigt ihre Fähigkeit … wer sie in den späten Abendstunden erleben durfte, … weiß, … dass es sich bei dieser Spezies um das von der Evolutionsbiologie lange gesuchte Missing Link zwischen Primaten und Homo Sapiens handeln muss.“

In der Wahrnehmung von Laudenbach gibt es nur Pinkel-Touristen und Ballermann-Wirte, er sieht Kreuzberg in eine Touristenhölle kippen, sieht als wichtiges Element im touristischen Berlin-Bild den rauen, etwas ungewaschenen Charme der Prekatiats-Boheme und zum Brandenburger Tor fällt ihm ein Sado-Maso-Historien-Horrorfilm von Lou Reed ein.

Leider gibt es das Buch in der Buchhandlung, weil es ein Berlin-Titel ist. Ich würde es unter den Tisch legen, weil ich selbstgerechte, menschenverächtliche Bücher nicht mag.